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 | 7.11.2007 | 15:22 
L'Auberge FM4. Erfahrungsberichte zu eurem Auslandssemester aus allen Ecken - hauptsächlich - Europas.

 
 
L'Auberge FM4: Lausanne
 
Name: Franz Edlmayr

Heimatuniversität: Universität Wien
Gastuniversität: Université de Lausanne
Studium: Vergleichende Literaturwissenschaft
(Komparatistik) und Philosophie
Auslandsaufenthalt: Wintersemester 2007
 Alle Städte im Überblick
 
 
Die Stadt, der See, die Berge
  Lausanne sei schön, habe ich von vielen Seiten gehört. Was soll ich sagen: es stimmt! Ist man erst einmal hinter dem Arlberg und hat auch Zürich hinter sich gelassen, wird es spannend. Für die Zugfahrt, spätestens ab Neuchâtel und Yverdon-les-Bains muss ein Fensterplatz her.
Und dann: das Panorama in Lausanne. Von unterschiedlichsten Plätzen aus kann man auf den See und die meistens schneebedeckten Berge sehen und dabei immer wieder staunen. Wer, wie Otto Mühl einst in seinem Programm "Zock", die Berge abreißen will, weil er diese für allerhand verantwortlich macht, sollte also besser nicht nach Lausanne kommen.
 
 
 
 
 
  In der Stadt ist alles klein und beschaulich, für an Großstadt gewohnte Menschen ist Verirren eher schwierig. Die Häuser haben Fensterläden, ein sicheres Indiz dafür, dass sich Lausanne am Süden orientiert. Der Großteil der Leute macht keinen gehetzten Eindruck, eher tranquille, nicht wie in so mancher Hauptstadt.

Die "Metro" in Lausanne besteht aus einer Linie und ich musste an Element of Crime denken, als ich sie zum ersten Mal sah: "Weil es nämlich irreführend und gefährlich ist wenn etwas U-Bahn heißt, das über unsren Köpfen rattert, schließlich steht das U für Untergrund". Für mich war klar, ich brauche früher oder später ein Rad. Das Radfahren wird einem hier allerdings nicht leicht gemacht, Lausanne besteht aus mindestens sieben Bergen. Zur Universität geht es steil bergab, da braucht es nicht so viel Motivation - aber mein Rückweg ist super anstrengend. Wohnt man also, so wie ich, im Stadtzentrum und nimmt sich vor, jeden Tag zur Uni zu radeln, kann man auf sonstige Ausgleichsposten getrost verzichten.
 
 
 
 
 
Schafe und Studenten, eine friedliche Koexistenz?
  Die UNIL liegt etwas außerhalb des Zentrums. Die Gebäude im 70er- und 80er-Stil formen einen großen Campus, alles rundherum ist sehr grün und Schafe weiden auf dem Gelände, ein studentisches Arkadien! Auf dem Campus gibt es allerhand: nette Mensen und Cafés, ein Uniradio und überraschenderweise auch einen Frisör. Es lässt sich also problemlos den ganzen Tag dort aushalten. Sitze ich im Lesesaal der Bibliothek, dann meistens mit Blick auf den Genfersee, nicht schlecht!

Die Organisation auf der Universität ist gut, man wird nicht alleine gelassen und hat das Gefühl, die Leute wollen gerne helfen. X-change UNIL kümmert sich darum, dass den Erasmusstudenten nicht fad wird und organisiert kleine Exkursionen und PubNights, die allerdings bestimmt nicht jedermanns Sache sind.
 
 
 
 
 
Ausgehmäßig, es geht.
  Lausanne bietet einige gute Locations, in "Les Docks" gibt es zum Beispiel größere Konzerte. Sehr nett ist "Le Romandie", hier war eben Miss Kittin zu Gast und im November kommen noch Gravenhurst und The National. Außerdem finden dort sehr gemütliche Filmabende statt, alles zu relativ vernünftigen Eintrittspreisen.

Es gibt auch nicht zuwenige Erasmusleute in dieser Stadt, die auch während der Woche nicht zuhause bleiben wollen. Wer ausgewählte Clubs und Konzerte sucht, sollte eventuell nach Genf oder Basel ausweichen - oder selbst Zusammenkünfte organisieren. Eine andere Möglichkeit ist, ernsthaft das Studium zu betreiben.
 
 
 
 
 
Schweiz unleistbar? Schweiz ist nicht gleich Schweiz!
  Wer Horrorgeschichten bezüglich Wohnungsmiete und Lebenskosten in Zürich kennt, sollte nicht die gesamte Schweiz in einen Topf werfen. Mein Zimmer hier ist günstiger als in Wien, es ist nicht unmöglich, eine leistbare Bleibe in Lausanne zu finden. Beim Essen ist das schon etwas schwieriger. Während man in den Supermärkten Lebensmittel zu vernünftigen Preisen erstehen kann, fallen selbst die billigsten Restaurants und Imbisse nicht wirklich in die "budget"- Kategorie. Alkohol ist ebenfalls ziemlich teuer. Ich trinke deshalb bis jetzt auch weniger, mein finnischer Mitbewohner trinkt allerdings mehr.

Die Öffis hier sind preislich gut. Was sich in jedem Fall auszahlt, ist ein Halbtax-Abonnement (auch: demi-tarif) der Schweizer Bahn zu machen. Damit kann man relativ billig die Umgebung erkunden. Zusätzlich gibt es noch "Gleis 7" oder französisch Voie7, das einem erlaubt, nach 19.00h immer gratis Bahn zu fahren.
 
 
 
 
 
Hinter dem Röstigraben.
  Schweiz ist nicht gleich Schweiz, damit kann ich auch hier beginnen. Der Röstigraben trennt die frankophone Schweiz von der deutschsprachigen Bevölkerungsmehrheit. Das, was man an den Schweizern im Allgemeinen vielleicht nicht so schätzt, die Tendenz zur Engstirnigkeit und der Drang zur Isolation, ist hier vielleicht nicht so stark ausgeprägt wie bei den Deutschschweizern, die hier auch den Spitznamen "Neinsager" haben. Von Christoph Blochers SVP und deren "Ausschaffungsinitiative" hat man sich hier mehr distanziert als in anderen Teilen der Schweiz. Die Menschen hier sind bunt gemischt, beträgt doch der Anteil der Ausländer an der Gesamtbevölkerung über 36%. Den Stadtgesprächen lauschend, muss ich dann auch oft überlegen, was das jetzt für eine Sprache gewesen sein könnte.

Eine Distanzierung von xenophober Politik kam dann im Ergebnis der Wahl von diesem Oktober aber nicht besonders gut zum Ausdruck. So titelte die NZZ nicht ganz zu unrecht: "Auch die Romandie gehört jetzt definitiv zu 'Blocher-Land'". Vielleicht ist der Röstigraben, politisch gesehen, also bald Vergangenheit.
 
 
 
 
 
  Da ich nicht als Politologe hier bin, lieber noch ein paar Worte zur Uni und der Stadt: Das Niveau der UNIL ist gut, auch wenn sie nicht so bekannt ist wie die EPFL-Lausanne, eine der zwei schweizer ETHs. Geld für Personal scheint vorhanden zu sein, die Gebäude und Hörsäle sind in einem guten Zustand. Apple scheint ein besonderes Auge auf die Studenten hier geworfen zu haben und hat ganze Computerräume mit Macs ausgestattet.

Durch den etwas außerhalb gelegenen Campus spielt sich das Studentenleben eher auf der Uni und der Bibliothek ab. Ich finde das angenehm, ein studentisch-verbindendes Gefühl.

Wer Großstadt sucht, ist hier wohl fehl am Platz, aber ansonsten lässt es sich sehr gut leben und studieren. Wer einen Austausch in Lausanne will, findet frankophone Stadt plus Schweizer Eigenheiten.
 
 
 
Deine Erfahrungen - Dein Text!
  Du warst selbst für längere Zeit in Lausanne, oder hast dort sogar studiert? Willst dem hier noch etwas hinzufügen, einen ganz speziellen Tipp loswerden oder vor einem gern gemachten Fehler warnen? Das Forum hier unten ist der richtige Platz dafür!

Und falls du zumindest ein Uni-Semester in einer anderen Stadt verbracht hast: Schick uns doch einen eigenen Text mit deinen Erfahrungen! Alle Infos dazu findest du [hier].
 
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