fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
 | 13.11.2007 | 12:27 
L'Auberge FM4. Erfahrungsberichte zu eurem Auslandssemester aus allen Ecken - hauptsächlich - Europas.

 
 
L'Auberge FM4: Cluj-Napoca
 
Name: Stefan "Ossi" Ossmann

Heimuniversität: Universität Wien
Gastuniversität: Universitatea Babes-Bolyai, Cluj-Napoca, Rumänien
Studium: Publizistik und Kommunikationswissenschaft sowie Internationale Entwicklung
Auslandsaufenthalt: Wintersemester 2006/07
 Alle Städte im Überblick
 
 
"Wo liegt Cluj-Napoca?"
  Ihr seid nicht die einzigen, die sich diese Frage stellen. Von den ca. 70 Städten, in denen noch Erasmus-Restplätze vorhanden waren (klassische Spontanentscheidung: Ich fahr weg), war dies die einzige Stadt, die ich nicht einmal vage einem Land zuordnen konnte. Grund genug, den guten alten Hauptschulatlas aus dem Kasten zu holen und nachzuschauen. Also, Cluj-Napoca heißt zu deutsch "Klausenburg", liegt mitten in Siebenbürgen (Transsilvanien ist wohl der angesagtere Name derzeit) und ist ihres Zeichens mit über 300.000 EinwohnerInnen auch die zweitgrößte Stadt Rumäniens.
 
 
 
Blick auf die historische Altstadt
 
 
"Zum Studieren nach Rumänien?"
  "Rumänien im Ostblock? Da wo alle korrupt sind, die Kinder nix zum Anziehen haben und alle Leute hungern?" Weit gefehlt, liebe Leserinnen und Leser. Begrabt die Klischees der frühen 90iger Jahre und gebt dem neuen EU-Land eine Chance. An die 80.000 Studierende leben in und um Klausenburg, das ist ungefähr ein Viertel der Gesamtbevölkerung. Die Stadt ist hip und modern, man zeigt was man hat. Beispiel dafür ist die Aufstellung der Sessel in den Straßencafes. Selbige sind nicht kreisförmig um die Tische angeordnet, sondern Richtung Straße ausgerichtet. Sehen und gesehen werden ist ganz wichtig, du bist was du herzeigst.
 
 
 
Momentaufnahme der Studierendenheimküche: Man kann Eier auch ohne Wasser kochen
 
 
"Du sprichst doch gar nicht rumänisch"
  Richtig, zum Zeitpunkt meiner Anreise nicht. Macht aber nix, die Universität ist dreisprachig (Rumänisch, Ungarisch, Deutsch), manche Fakultäten unterrichten zusätzlich noch in englischer Sprache. Auf der deutschsprachigen Journalistik studieren insgesamt 39 Personen, auf vier Jahrgänge aufgeteilt. Da kann es schon mal vorkommen, dass man zu dritt in einer Vorlesung sitzt - Vortragende bereits mitgerechnet. Mit Kenntnissen einer romanischen Sprache oder im Idealfall Latein und ein bisschen gutem Willen sind Basiskenntnisse schnell erlernt.
 
 
 
So gemütlich geht's nur im Tierreich zu. Nachts steppt in Cluj buchstäblich "der Bär"
 
 
"Und wie ist es dort?"
  Spannend. Mehr als die Hälfte aller Studierenden wohnt in diversen Heimen. Die Erasmus-Studies zählen zu den "Auserwählten", sie teilen sich jeweils zu zweit ein Zimmer mit Bad. Die "Normalsterblichen" RumänInnen (StipendienbezieherInnen oder bereits Doktoratsstudierende ausgenommen) teilen sich zu fünft ein Zimmer, Gemeinschaftsduschen und Klos sind am Gang.
Als Transportmittel eignen sich die eigenen Beine (nix ist wirklich weit weg), und sollten diese nach durchtanzter Nacht müde sein, kann man für den Gegenwert einer Leberkässemmel in Österreich von ziemlich allen Bars und Clubs mit dem Taxi nach Hause fahren. Ganz Mutige fahren Fahrrad, allerdings mit dem Restrisiko, von aggressiven Autofahrern geschlagen zu werden, sollte man versuchen, sein Recht als gleichwertiger Verkehrsteilnehmer wahrzunehmen. Radfahren in der Nacht wagen nicht einmal die Edelharten.
 
 
 
Blick aus dem "Kamin A1", dem Wohnheim für internationale Studierende
 
 
"Was macht man dort den ganzen Tag?"
  Ausschlafen, auf die Uni gehen, Sport machen (Möglichkeiten dazu existieren genug), in eine der beiden Opern gehen, Museen besuchen, und auf den Abend warten. Cafés und Bars gibt's für alle "Schichten" und Musikrichtungen. Schwieriger wird es, wenn man einen Club sucht, der Musik abseits von Hitparade und Techno / House / Trance / WieDieBasslastigenMusikrichtungenAlleHeißenMögen spielt. "Alternativclubs" gibt's genauso viele wie Fahrradwege - zwei! Die sind dafür vor allem am Wochenende gerammelt voll.

Und wenn man schon mal dort ist: Unbedingt das Land bereisen. Bukarest ist eine Millionenstadt mit viel Flair und Geschichte, innerhalb des Karpatenrings stolpert man immer wieder über Relikte der K.u.K.-Monarchie, der Norden besticht durch landschaftliche Schönheit und Unberührtheit, und nicht zu vergessen die Küste am Schwarzen Meer.
 
 
 
Eine gute Autostunde von Cluj entfernt: Karpaten so weit das Auge reicht
 
 
"Würdest du da noch mal hinfahren?"
  Werde ich. Klar gibt's Kleinigkeiten, die stören, weil Dinge anders laufen als man es in Österreich gewohnt ist. Dass es zum Beispiel in der Hauptbibliothek mit 3.600.000 Titel nur einen Kopierer gibt und pro Person und Tag nur 50 Kopien erlaubt sind (Präsenzbibliothek, ausborgen nicht möglich), erscheint im ersten Moment mühsam. Aber man lernt viele Leute in der Schlange kennen, und hat so genug Zeit, mit hübschen Mitstudierenden ins Gespräch zu kommen ...

Wo waren wir? Ach ja, hinfahren: Bitte, unbedingt. Schaut euch das Land an. Es ist nicht weit, Cluj liegt ja so quasi ums Eck, von Wien sind es gute 700 Kilometer. Dass man dafür im Schnitt 12 Stunden Fahrzeit einrechnen muss (egal, ob mit Auto oder Zug), liegt in der Natur der Sache und macht Rumänien eben so sympathisch.
 
 
 
Deine Erfahrungen - Dein Text!
  Du warst selbst für längere Zeit in Cluj-Napoca, oder hast dort sogar studiert? Willst dem hier noch etwas hinzufügen, einen ganz speziellen Tipp loswerden oder vor einem gern gemachten Fehler warnen? Das Forum hier unten ist der richtige Platz dafür!

Und falls du zumindest ein Uni-Semester in einer anderen Stadt verbracht hast: Schick uns doch einen eigenen Text mit deinen Erfahrungen! Alle Infos dazu findest du [hier].
 
fm4 links
  Wikipedia: Cluj-Napoca

Universitatea Babes-Bolyai, Cluj-Napoca

Universitatea Babes-Bolyai, Cluj-Napoca: International Cooperation

fm4.orf.at/auslandssemester
L'Auberge FM4 - Alle im FM4 Auslandssemester porträtierten Städte auf einen Blick
   
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick