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Graz | 16.4.2007 | 11:59 
Ex-Nomadin, nun fix eingenistet in Graz. Von dort aus kulturell und subjektiv.

Gollackner, Hedi, Schoenswetter

 
 
Arm und reich
  Dass Armut auch in den reichsten Ländern ein aktuelles Thema ist, wird gerne verdrängt. In Österreich gilt trotz steigender Gewinne von Unternehmen und dem Wachsen von Einkommen der SpitzenmanagerInnen jede/r Zehnte als armutsgefährdet oder akut arm. Lokal und international klafft die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander.

In den meisten medialen Auseinandersetzungen mit dem Thema wird "arm sein" ausschließlich mit einer "unteren und bildungsfernen Schicht" bzw. mit MigrantInnenschicksalen assoziiert. Damit verbunden sind manchmal unbewusst, oft bewusst gesetzte Hinweise, die Betroffenen seien selber schuld an ihrer Situation, da es ihnen nur am Willen zur Arbeit fehle. Zum Wort "schmarotzen" ist es dann nicht mehr weit, was zu einer zusätzlichen Stigmatisierung der Betroffenen führt.
 
 
 
Kassieren und verlieren
  Gerne wird ausgeblendet, dass aufgrund von Ereignissen und Einschnitten im Leben jede/r von Armut betroffen sein kann, sei es durch Arbeitslosigkeit, Trennung, Krankheiten uvm. Ausgeblendet wird auch gerne die immer größer werdende Gruppe der working poor, diejenigen, die in prekären Arbeitsverhältnissen ihr Auskommen finden müssen und trotz vieler Bemühungen kaum Aussicht auf dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse und angemessene Gehälter haben. Dies betrifft heute unter anderem SupermarktkassiererInnen oder ArzthelferInnen genauso wie JungakademikerInnen.

Armut ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern vor allem eine Frage von Macht und von Verteilung der vorhandenen Ressourcen.

Das diesjährige Festival des Forum Stadtpark Graz trägt den Titel "Gold - Armut war gestern". Es hat sich zur Aufgabe gestellt, künstlerisch-spielerisch und jenseits von Jammerei den Ursachen und Folgen von Armut auf den Grund zu gehen. Wie aus dem Titel ersichtlich wird, soll nicht nur die Realität gespiegelt, sondern Utopien entworfen werden. Die parallele globale "Goldgräberstimmung", die sich vorallem auf die vom Turbokapitalismus "gefundenen" und zu "erschließenden" östlichen und südöstlichen Nachbarstaaten Österreichs bezieht, ist dabei weiterer intensiver Blicke wert.

 Sejla Kameric, 30 Years After, 2006
 
 
Müllen und golfen
  Zehn Tage lang wird dichtes Programm quer durch alle Sparten im Forum und im öffentlichen Raum geboten.
Das Thema "Lohnarbeit im Kulturbetrieb", eigentlich schon ein Widerspruch in sich, wird zum Beispiel durch die "Peep Ateliers" von Arnold Graggaber und Matthias Hafner angesprochen: KünstlerInnen stellen sich und ihre Tätigkeiten in kleinen Kabinen zur Schau. Mittels Münzeinwurf bezahlen die BesucherInnen für einen bestimmten Zeitraum für künstlerische Produktion und erhalten im Anschluss das entstandene Werk.
Die Künstlerin Alexandra Müller wird sich für eine Woche unter dem Titel "Don't cry. Work! FmbH (Frau mit beschränkter Haftung)" als Arbeitssklavin zur Verfügung stellen. Sie verlangt dafür keinen Lohn aber Verpflegung. Arbeitsanträge werden im Gold Forum Stadtpark entgegengenommen.

Öffentliche Räume zeigen sehr direkt, welche Macht und Bedeutung ihnen zugesprochen wird und sind ein unmittelbarer Ausdruck von Ressourcenverteilung aller Art. Während die Innenstadt von Graz von Müll-Interventionen "heimgesucht" wird, wird der Stadtpark rund um das Forum zu einem Golfplatz "umgewidmet".
Ob und wie das alles funktioniert - davon werde ich mich selbst überzeugen und demnächst berichten.

Eröffnung: Freitag, 20.4.2007, ab 20 Uhr.

 Stadtpark Closed, Aktion von Cäcilia Brown / Katrin Hornek / Miriam Jesacher
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  Gold - Armut war gestern
Von 20. April bis 5. Mai in Graz

Die gesamte Berichterstattung auf fm4.ORF.at

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