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Wien | 8.6.2000 | 13:50 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Luis Figo hat sorgen
  Luis Figo zappelt nervös durch das abgeschirmte trainingsgelände im pahlplatz-hotel in zwijndenburg. Sobald er einen seiner kollegen, einen betreuer, pressemenschen oder sonstigen ansprechpartner erblickt, hellt sich seine miene auf, er verliert ein paar freundliche worte, klopft auf schultern, muntert auf, lacht. Sobald er in einer der dünkleren hotel-gänge abzweigt, mit sich allein ist, passen sich miene, gang und stimmung der umgebung an.

Luis Figo hat sorgen. Er weiß, daß er der beste aktive fußball-spieler des planeten ist. Und er weiß, daß die meisten menschen das nicht wissen, weil sie fußball an toren und offensichtlichkeiten messen. Er weiß, daß er sich im besten, im allerbesten fußball-alter befindet. Er weiß, daß sich sein team, Portugal, laut vorhersagen von experten, in seiner gruppe vor england und deutschland, diesen beiden giganten, diese krokodilen des weltfußballs durchsetzen wird. Und er weiß, daß dieses ziel zu schaffen ist.
 
 
  Luis Figo weiß jedoch auch, daß dieser job, der schwerste job der welt, nämlich ein team zu führen, ein team durch einen strudel komplett unvorhersehbarer ereignisse zu leiten, durch einen malstrom an eigendynamik, daß dieser job ihn an die grenze seiner belastbarkeit führen wird.

Beim fc barcelona, dieser großen club-mannschaft, die er ebenso führen muß, das ganze jahr über, hat er zumindest rivaldo, pepe guardiola und die holländische mafia um die de boer-brüder, an die er die verantwortung manchmal delegieren kann.

Bei portugal, seinem nationalteam, das sich zehnmal im jahr trifft, die alten erfolge aus den jugendtagen feiert und sich über neue frauen und autos austauscht, sind die künstler wie paolo sousa oder rui costa und die hitzköpfe wie sa pinto von seinen leisen worten, seinen dirigiereden blicken, seinen dominanten gesten abhängig. Wenn das portugiesische team das spiel aus der hand zu geben droht, dann muß sich Luis Figo mit einem seufzer daran machen, es wieder zu ordnen, zu sortieren.
 
 
 
  Luis Figo seufzt, während er durch das pahlplatz-hotel streift, weil er diese situation wieder einmal in gedanken durchgeht. Die nächste EM, 2004 dann, findet in portugal statt, seiner heimat, er wird dann, wenn er gesund bleibt, wieder dabeisein. Aber er ist dann 32, und dazwischen wird es eine Wertmeisterschaft geben, zu der ER portugal wird führen müssen, und ob er dann noch die kraft hat.

Luis Figo hat den Trainingsplatz erreicht. Er strahlt. Die zaungäste winken, die kollegen machen witze, die presseleute tratschen, die betreuer gschafteln herum, alles läuft rund.
Luis Figo trägt das gewicht der welt auf seinen schultern.
 
 
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