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Wien | 6.8.2003 | 16:00 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Journal '03. sechsteraugust.
  Ich ist ein anderer (A. Rimbaud). Presseschau zur Halbzeit.
 
 
 
  ORF Pressespiegel

"Falter" Nr. 32/03 vom 06.08.2003 Seite: 15
Ressort: Medien
Von: THOMAS PRLIC

Der Teenieschreck

FM 4. Pointierter Moderator oder besserwisserischer Berufsjugendlicher? Radiotalkmaster Martin Blumenau polarisiert. Seit Jahresbeginn auch mit einem Tagebuch im Internet.

 
 
  Wenn einer bengalische Zwerghamster züchtet, sollte er gefälligst auch wissen, woher die Tierchen stammen. Findet zumindest Martin Blumenau. "Äh, irgendwo unterhalb von Kasachstan", stammelt ein in die Enge getriebener Anrufer, "jetzt fällt mir das Land nicht ein, aber ist ja egal." Dem Radiomoderator ist es das keineswegs: "Wie wärs mit Indien?", brüllt Blumenau zurück, "du hast ja keine Ahnung, was du da züchtest, du Depp!" Und schon fliegt der Hamsterfreund aus der Leitung.

Wer bei Martin Blumenaus mitternächtlicher Talksendung "Bonustrack" anruft, sollte nicht unbedingt mit einem freundlich smalltalkenden Gesprächspartner rechnen. Obwohl der FM-4-Moderator auch das sein kann - wenn ihm danach ist. Mal schimpft und grantelt Blumenau und fällt den Anrufern ins Wort. Wer "Wie gehts?" als Einstiegsfrage stellt, den schmeißt er sowieso gleich wieder raus. Hin und wieder gibt Blumenau aber auch gute Ratschläge. Oder er hört einfach nur zu. "Manchmal bleiben Leute auch dann drinnen, wenns mich gar nicht interessiert", sagt er: "Solange ich merke, da ist jemand, der einen Schmäh hat oder witzig oder traurig ist oder in irgendeiner Hinsicht brennt, dann soll er machen, was er will." Die Anrufer scheinen das Risiko, verbal eines übergezogen zu bekommen, jedenfalls bereitwillig in Kauf zu nehmen. Viele von ihnen sind allerdings auch noch Teenager. Der gestrenge Radioveteran ist hingegen schon 42 Jahre alt.
 
 
 
  Seit Jahresbeginn sorgt Blumenau - neben "Bonustrack" macht er noch die Wunschsendung "Zimmerservice" - auch im Internet für rege Anteilnahme seiner Fans und Kritiker. In einem täglichen Onlinejournal schreibt er tagebuchartige "Geschichten aus dem wirklichen Leben": manchmal private Erlebnisse, manchmal Konzertberichte; Fußball - da ist er ein wandelndes Lexikon - ist genauso Thema wie selbst Gelesenes aus diversen Zeitungen und Zeitschriften. "Im Internet muss ich nicht undedingt polarisieren", sagt Blumenau. Es gehe ihm vielmehr darum, im Gegensatz zu seinen Sendungen selbst die Themen vorzugeben. Was die Leserschaft trotzdem nicht von gelegentlichen heftigen Debatten abhält. Nach einem kritischen Journaleintrag über den Kabarettisten Alf Poier etwa hagelte es dermaßen viele Postings, dass gar nicht mehr alle Wortmeldungen im Internetforum dargestellt werden konnten.

Mit dem Schreiben begann Blumenaus journalistische Karriere auch. Nach seiner Matura studierte er kurz Politik und Publizistik, Anfang der Achtzigerjahre werkte er für Jugend-und Musikzeitschriften wie das Vox und das von seinem späteren Radiokollegen Walter Gröbchen herausgegebene Etc. 1981 kam er zu Ö3. Blumenau stieß bald zur "Musicbox"-Redaktion und wurde später verantwortlicher Redakteur der Sendung "Zickzack". Bis Mitte der Achtziger schrieb er für den Kurier, Ende des Jahrzehnts auch für die damals von ORF-Legende Robert Hochner geleitete AZ.
 
 
 
  1994, Gerhard Zeiler war gerade neuer Generalintendant geworden, beschloss die Geschäftsführung, Ö3 kräftig umzukrempeln und zum heutigen "Hitradio" umzubauen. Gemeinsam mit seinen Kollegen Angelika Lang, Mischa Zickler, Elisabeth Scharang, Werner Geier und Fritz Ostermayer setzte Blumenau beim damaligen Hörfunkintendanten Gerhard Weis die bereits länger gehegten Pläne für einen neuen Jugendsender namens FM 4 durch. Erster Chef von FM 4 - das zunächst nur als Abendleiste nach Blue Danube Radio startete - wurde Mischa Zickler, das Sendekonzept stammte großteils von Blumenau und Lang. Schon bei Ö3 hatte Blumenau zuletzt nur mehr sporadisch moderiert, und weil er ohnehin genug mit der redaktionellen Aufbauarbeit von FM 4 zu tun hatte, gestaltete er zunächst auch keine eigene Sendung. Dafür saß er als Redakteur im Studio und hatte als Telefonmann ständig Kontakt zum Publikum. Irgendwann fanden seine Kollegen, dass das Geplaudere im Hintergrund oft lustiger war als das im Studio, so entstand schließlich die Idee zur eigenen Talksendung.
 
 
 
  "Er hat die Begabung, den Nerv zu treffen und manchmal auch unangenehme Dinge zu bringen", sagt FM-4-Textchef Martin Pieper. "Die Leute fühlen sich dadurch aufgefordert, selbst ihre Meinung kundzutun." Als Blumenau heuer mit seinem Onlinetagebuch begann, hätte niemand geglaubt, dass er das tägliche Schreiben durchhalten würde, erzählt Pieper: "Mittlerweile wärs eine Katastrophe, wenn man es einstellen würde. Er ist im Netz ein echter Quotenbringer." profil-Chefredakteur Sven Gächter hat die Kolumne sogar schon als "ein Stück Literatur" bezeichnet - was beim Autor selbst aber nur Kopfschütteln hervorruft.

Der Radiomacher hat hausintern nicht nur Freunde: "Er ist der einzige beim ORF, zu dem ich ein prekäres Verhältnis habe", sagt ein FM-4-Kollege. "Martin Blumenau ist tatsächlich so etwas wie der personifizierte Reibebaum von FM 4", meint Walter Gröbchen, langjähriger Weggefährte bei Ö3 und heute in Deutschland als A&R-Manager bei der Plattenfirma Universal tätig. "Aus meiner Sicht ist das jedenfalls eine gewagte und grundsätzlich positive journalistische Position. Das erfordert Mut, Ungeniertheit und Konsequenz, denn einerseits stellt man sich ziemlich ungeschützt in den öffentlichen Raum. Andererseits wirds genug Nörgler geben, die a priori Eitelkeit, Selbstdarstellungsdrang, Besserwisserei und Berufsjugendlichkeit unterstellen. Man darf da keine allzu dünne Haut haben." Früher flogen aber auch hinter den Kulissen die Fetzen. Ein Streit zwischen Gröbchen und Blumenau endete einmal sogar mit einer Schlägerei.
 
 
 
  Martin Pieper findet, dass sein Moderatorenkollege "eigentlich eh ein offenes Buch ist. Das Journal und seine Sendungen spiegeln sein tatsächliches Leben sehr gut wieder." Blumenau selbst meint auf die Frage, wie sehr sich seine "mediale" Persönlichkeit von seiner "echten" unterscheidet: "Diese eine Stunde in der Woche ist natürlich eine extreme Verdichtung und Zuspitzung von Aspekten, die mir innewohnen. Wenn sich irgendwo an einem Tisch ein Streitgespräch ergibt, kann es ganz leicht sein, dass ich in dieser Dichte dann auch so bin. Aber das ist dann auch keine normale Situation."

Laut Pieper ist Blumenau "derjenige in der Redaktion, der am öftesten im Flex ist". Einen Berufsjugendlichen will sich der 42-Jährige trotzdem nicht schimpfen lassen: "Da gehts ja nicht um Beruf, sondern um - hehres Wort - Berufung. Es geht ja nicht um eine aufgesetzte Ich-muss-mich-an-die-Trends-ankrallen-Jugendlichkeit, sondern um einen Lebensstil. Den kann ich auch nicht künstlich führen." Zumindest seine Phone-in-Sendung, räumt Blumenau ein, habe aber natürlich ein Ablaufdatum. Über seine Zukunftspläne will er nichts verraten. Walter Gröbchen hätte jedenfalls eine Idee: "Ich halte ihn für einen der besten Sportjournalisten des Landes. Die ORF-Chefetage muss da aber erst draufkommen."

Bild: Beschimpft ahnungslose Zwerghamsterzüchter, haut "Wie gehts?"-Talker sofort raus: "FM 4"-Moderator Blumenau
Bild: Martin Blumenau: "Da gehts um Berufung"


Eingelangt am: 06.08.2003 um: 8:00 Uhr
 
 
 
  ORF Pressespiegel

"profil" Nr. 25/03 vom 16.06.2003 Seite: 121
Ressort: Kultur

Leseturm

A Day in the Life

Kolumnen.
Allein der Anspruch, Literatur zu produzieren, würde Martin Blumenau wohl schon affig erscheinen. Außerdem gibt es Blumenau nicht in Buchform zu kaufen, sondern bloß im Netz zu lesen, das allerdings gratis: auf der Website des ORF-Jugendsenders FM4, wo Blumenau seit Jahresbeginn täglich sein "Journal '03" online stellt - "Geschichten aus dem wirklichen Leben" nennt er es im Untertitel. Kraft einer soliden Pop-Sozialisation hat Blumenau, 42, gelernt, die Heterogenität des modernen Alltags ohne intellektuelle Verspannungen zu bewältigen. Joni Mitchells Werk erscheint ihm ebenso journalwürdig wie die Champions League, eine FM4-Party oder Frauenbäuche. Manchmal wird der Radiomann auch ganz persönlich und berichtet etwa von einem nächtlichen Spaziergang durch den Wiener Resselpark, wo er von einem "Giftler" angepöbelt wurde. Unerschrocken setzt sich Blumenau mit seiner eigenen Spießigkeit auseinander und schafft damit, was er selbst schon aus Gründen der Selbstironie nie für möglich halten würde: ein Stück Literatur.
S. G.

Martin Blumenau: Journal '03

http://fm4.orf.at/blumenau

 
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