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Wien | 6.9.2003 | 16:00 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Journal '03. sechsterseptember.
  Killt die Billig-CD die Indie-Labels und die Shops?
 
 
 
Keine Schönheit ohne Gefahr.
 

In den letzten Tagen ist im wirklichen Leben draußen das Thema des Journals von vorgestern doch heftiger diskutiert worden als ich gedacht habe - aber schließlich macht sich doch jeder, der mit Musik zu tun hat (und das sind doch viele Menschen in meiner Umgebung) da verstärkt seine Gedanken drüber.

Für alle Zuspätkommer:
Universal USA verbilligt ab 1.10 seine CDs (12 EUro), Universal Europa schreckt noch zurück, will erst abwarten ob diese Maßnahme die scharenweise zum Gratis-Download davonrennenden Musik-Fans wieder zurück zum regulären Verkauf zu holen, funktioniert.

Diese Heftigkeit hat mit zwei Dingen zu tun:
erstens hat kaum jemand damit gerechnet, dass die handlungsstarre und ideenklamme Musik-Industrie noch irgendwie reagieren wird; und deshalb bricht gerade mit diesem Beschluß ein Damm, hinter dem schon lang aufgestaute Meinungen blubbern.

Und zweitens betrifft dieses Szenario alle auf höchst unterschiedliche Art und Weise. Und nicht jedem ist alles klar ersichtlich.
Also gilt es diese Positionen lautstark darzubringen, damit sie nicht untergehen.

 
 
... bei den Labels...
 

Die neue Billig-CD, die in jedem Fall - ob jetzt per legalem oder illegalem Parallel-Import oder durch einen Nachzieher der Euro-Companies - innerhalb der nächsten Jahre den Konsumenten erreichen wird, ist natürlich die Charts-, die Mainstream-CD der Major Companies.
Dort wird weltweit in großen Auflagen produziert, was günstige Preise leicht möglich macht.

Klein-Labels, egal ob weltumspannende oder lokale, haben diese Vorteile nicht. Sie sitzen deshalb derzeit recht gut in ihren Nischen, weil sie spezielle Qualität auf hohem Service-Niveau anbieten (Artwork, Booklets, Special Editions, Vinyl-extras etc) können.
Selbst wenn die Indie-Label-CDs derzeit billiger sind als die (überteuerte) Normal-CD im Shop: in der Herstellung kommt sie teurer.

Gestern abend treffe ich zufällig KLein-Label-Chef S. und er rechnet mit anhand eines aktuellen Beispiels vor, dass er die CD einer mittelgroßen österreichischen Band (Auflage von ein paar wenigen tausend Stück) zu diesem 12 Euro-Preis nur dann aus den roten Zahlen kommt, wenn er fast alle verkauft.
Obwohl bei Studio, Artwork oder Promotion ohnehin schon gespart und selbstausgebeutet wird ohne Ende.

Und heute sagt Klein-Label-Chef H. on air auf FM4 sinngemäß das gleiche.

Die Indie-Labels, vor allem die kleinen, lokalen, kämen mit einem Preis-Sturz in die Zwickmühle: wer würde, wenn er um 12 EU die Coldplays, Blurs oder Chili Peppers dieser Welt kaufen kann, für die heimische Nachwuchs-Band freiwillig ein paar Euro mehr zahlen?

Da kommt einiges an Gefahren auf die lokalen Szenen zu.

 
 
... und den Shops.
 

Heute zu mittag war ich dann im CD-Shop des Händler meines Vertrauens.
Unser Thema: eh klar.

Und G. sagt dann - wie es seine Art ist - etwas ganz realistisch-abgeklärtes: dass diese Aktion natürlich auch der Startschuß dafür sein könnte den Handel indirekt abzuschaffen.
Denn beim Zwischenhändler, den CD-Verkaufsstellen, bleibt traditionell viel Geld liegen, mehr als bei den Direkt-Bestell-Services.

Wenn die großen Companies diesen Zwischenhändler einsparen wollen und es zynisch angingen, dann würde er ihnen, sagt G., genau das empfehlen was sie jetzt tun: mit dem Billig-Angebot und einer völlig unübersichtlichen Situation von Parallel-Importen alles so unübersichtlich machen, bis die CD-Shops die Wichtigkeit von Büchereien oder Greißlern haben.

Weil man seine Musik entweder direkt (und dadurch noch billiger) ordert, oder sie wie bisher (und natürlich technisch noch besser) piratös gratis woauchimmer runtersaugt.

Für Bewegung ist also gesorgt: die Zukunft der Musik-Branche beginnt hier.

 
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