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Wien | 29.1.2004 | 21:00 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Journal de la CAN. Heros du jour.
  Das Feld ist nun komplett vorübergezogen. Ein paar sind vorneweg, ein paar andere fallen schon raus.
 
 
 
the heart of Africa
 

Der CAN, der Nationen-Cup Afrikas, das heuer wellweit zweitwichtigsten Turnier (wer sich nicht auskennt: hier sind die Basis-Infos dazu) steht in seiner Hochblüte.
Außerdem haben wir endlich alle Teams gesehen - und auch schon die erste verloren.

Zu den bisherigen Thesen, die ich hier und hier verbreitet habe, hat sich im Verlauf der letzten beiden Tage keine neuen gesellt.

Die Anti-Taucher-Verordnung hat sich in beide Richtungen (unberechtigte Strafen für tatsächlich gefoulte aber auch besseres Verhalten bisheriger Schwalbenkönige) entwickelt und die Leistungen der Goalies haben nach dem Pauschal-Lob prompt abgenommen.

 
 
Die Outsider
 

Bei einigen Teams machen sich die schlimmen infrastrukturellen Probleme, die sie und vor allem ihre Verbände (und letztlich ihre Regierungen) haben, bemerkbar.

Wer da näheres wissen will, kann sich zb hier und hier die Hintergründe erlesen, die Mick Wadsworth, der englische Coach des Congo (Democratic Republic of, früher Zaire) über sein Team zu erzählen weiß.

Da stellt es einem alle Haare auf.

Unter anderem deswegen ist die gestrige zweite Vorstellung der Mannschaft gegen den Gastgeber Tunesien auch ein wenig verunglückt.

Zudem hat ihr Chef, der in England tätige Stürmer LuaLua mit einem Platzverweis alle Hoffnungen beendet.
Alain Masudi war zwar am Platz, aber dort wenig präsent, genauso wie Michel Dinzey, den wir aus der deutschen zweiten Liga kennen. Bloß Ersatzmann Oliver Nzuzi (Bankwärmer bei Bregenz) fiel zumindest mit einer vergebenen Chance auf.


 
 
Der Gastgeber
 

Tunesien war für die gebeutelten Congolesen, die zu zweit oder zu dritt ihre Hotelbetten belegen müssen, aber auch einfach zu stark.
Die Karthager sind gut organisiert und derzeit mein Top-Tipp. Bedenken: Bis jetzt hatten sie keinen wirklichen Gegner. Was für sie spricht: dass sie das Spiel allein durch die Hereinnahme des nicht fitten Trabelsi entscheiden konnten.

Der Nationalheld, der bei Ajax Amsterdam spielt und neben Drogba, Eto'o, Okocha und Martins einer der fünf Nominees für den afrikanischen Fußballes des Jahres-Award ist, konnte das Spiel tatsächlich mit zwei Vorlagen entscheiden.
Zudem verfügt Tunesien mit Jedidi, Jaziri, Braham und Santos als einziges Turnier-Teilnehmer über gleich vier starke Scorer.


 
 
und noch mehr Außenseiter
 

Im zweiten (und bisher turnierweit schwächstem) Spiel ihrer Gruppe vernudelte die ein wenig lax agierende Truppe aus Guinea einen sicheren Sieg und überließ Ruanda, dem Zwergstaat-Team der Herzen, in der Nachspielzeit einen Punkt.

Guinea, die im 1. Spiel den Congo glücklich besiegt hatten, fiel durch eine schleißige Abwehr (und das obwohl die Akteure bei Celtic, Metz, Bastia oder Lokeren spielen...) durch den feinmotorischen Cross-Passgeber Feindouno und den sicher über 35-jährigen Titi Camara auf, der seine Leibesfülle torgerecht einsetzen konnte.

Beide Teams können an einem guten Tag die großen ärgern, mehr aber nicht. Und gestern war kein großer Tag für sie.
 
 
 
Kamerun und Zimbabwe
 

Da waren die Teilnehmer am Donnerstag allesamt einen Kopf größer (bildlich gesehen...) - obwohl der Immer-Noch-Favorit Kamerun auch bei seinem 5:3 Sieg gegen Zimbabwe eklatante Schwächen gezeigt hat.

So werden sie den Titel nicht verteidigen können. Die diesmal agierende Dreierkette (die aus Captain Song und zwei Zwergen besteht) wurde von den defensiv ausgerichteten ehemaligen Rhodesiern (bei denen ich eigentlich wie immer Bruce Grobelaar im Tor erwartet habe, aber nein, der hatte ja diesen Bestechungs-Prozess und darf nicht mehr, kleiner Scherz am Rande...) und ihrem 1-Mann-Sturm Ndlovu lachhaft oft überwunden.

Dazu spielte Geremi (Ex-Real) einen derart aufreizenden Topfen, dass Winnie Schäfer die erste Häflte veitstanzend an der Outlinie verbringen musste.
Sein Mittelfeld hatte kein Interesse daran auf irgendeine Art und Weise mit dem Angriff zu kommunizieren.

Nur die unglaubliche Tagesform von Mboma, dem fülligen Veteran (siehe auch bei Camara, Titi), der drei Tore machte und eines unfassbar lässig servierte, bewahrte Kamerun vor einer Peinlichkeit sondergleichen.

Zimbabwe hingegen war die erste und auch einzige Mannschaft dieses Turniers, bei der so etwas wie eine interne Struktur auf dem Platz nicht erkennbar war - sie spielten "flexibel", was bei schwachen Gegnern super ausschaut und bei Guten automatisch in den Untergang führt.

 
 
Ägypten und Algerien...
 

... bestritten ein hasserfülltes Nord-Derby, bescherten uns aber auch das bislang spannendste Spiel des CAN.

Der 2:1 Sieg der Algerier führte den Spielverlauf ein wenig ad absurdum. Aber auch über den Spannungs-Effekt hinaus war dieses Spiel besonders interessant.

Algerien versucht anfangs die gleiche Taktik wie gegen Kamerun zu fahren: solide Verteidigung und dann ein paar trickreiche Angriffe.
Aus irgendwelchen Gründen scheiterte das Vorhaben: die Abwehr, die Mboma und Co zur Verzweiflung gebracht hatte, schlitterte gegen Mido und Co herum wie auf einem Eislaufplatz.

Dazu war das Mittelfeld samt den in ersten Spiel guten Außenspielern nicht vorhanden, von einem Sturm gar nicht zu reden.
Trotzdem was es Algerien, das mit einem Kopftor nach einem Corner das Zitterspiel früh zu einem Reißer geraten ließ.
Ab dann spielte nur noch Ägypten. Die hatten im ersten Spiel Zimbabwe glücklich niedergefightet, und auch hier gelang ihnen der Ausgleich noch in der 1. Hälfte.


 
 
  In der Folge hat etwas namens Eigendynamik die Regie übernommen und für ein Powerplay der ägyptischen Offensive, für eine verzweifelte Anwehrschlacht der immer konfuser werdenen Algerier, für einen Ausschluß und für ein Konter-Solo-Tor in letzter Minute gesorgt.
Die glorreichen Ägypter lagen verzagt am Boden, ihre Gegner hüpften, nicht wissend wie ihnen geschah, als Gewinner vom Platz.

Ägypten (mit einer verschliffenen Dreier-Abwehr und einer nicht optimalen Raumaufteilung in der Offensive) stand sich selber auf den Füßen.
Mit der Tatsache, dass sie die einzige hier antretende Nation sind, die den Großteil des Kaders aus der eigenen Liga schöpft, weil diese wirkliche Klasse aufweisen kann, hat das, denke ich, nicht zu tun.
Diese Mannschaft steht auf einem Niveau mit Marokko oder Tunesien, ist ein Stückl besser als Algerien und wird trotzdem am Dienstag im letzten Gruppenspiel gegen Kamerun gewinnen müssen, um nicht rauszufliegen.

Fußball ist manchmal echt lässig absurd.

 
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