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Wien | 2.2.2004 | 21:00 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Journal de la CAN. Les Inconvénients.
  Die ersten Viertelfinals stehen. Oder: warum ich mich über das Team aus dem Senegal ärgern muss.
 
 
 
  Nicht, dass ich etwas gegen Überraschungen habe, dem Kleinen das Haxelstellen bei den Großen nicht gönnen würde: trotzdem sind einige Favoriten-Leistungen beim CAN, der bestmöglichen Einstimmung auf die Fußball-Europameisterschaft, nämlich ihrer Afrika-Entsprechung, ein Ärgernis.

Ich werde gleich erklären, warum.
Vorher noch zweimal ordentliches Lob.

Lob 1 für Marokko. Die sind bei Weltmeisterschaften ja schon durchaus auffällig gewesen, haben aber bei den letzten 7 Afrika-Meisterschaften (weiter hab ich grad nicht zurückgeblättert) katastrofale Ergebnisse eingefahren. Man könnte sie also durchaus mit Spanien vergleichen - innerhalb Europas eine Großmacht, die weltbeste Liga, ein Klasse-Nationalteam, aber wenns drauf ankommt: nada.

Dieses Turnier im klimatisch nicht so entfernten Tunesien könnte die Wende bringen: das marokkanische Team macht bislang den sicherstmöglichen Eindruck.
Klarer Sieg gegen den Außenseiter Benin, der Südafrika in Panik versetzte, so gut wie fix im Viertelfinale.

 ein Hadji.
fragt mich nicht welcher...
 
 
  Lob 2 dann an den Gastgeber: Tunesien spielte den Gruppensieg locker heim. Ihrem Gegner, den weiterhin enttäuschenden Altstars aus Guinea, gelang zwar gegen Ende der für sie wichtige Ausgleich, der sie der Peinlichkeit enthob, dass das Los entscheiden hätte müssen, wer aufsteigt, sie oder das Zwerglein Ruanda, trotzdem agierte Tunesien sicher.
Trotz des Verzichts auf Kapitän Badra, den großartigen Linksverteidiger Yaziri und die Mittelfeld-Männer Nafti und Mnari stand ein erstklassiges Team am Platz: Tunesien hat, sage ich einmal, zwar nicht die besten Namen, aber den besten Kader aller Mannschaften hier.

Von den anderen drei Mannschaften dürfen wir uns verabschieden: Ruanda und der DRCongo (vormals Zaire) spielten in ihrem Schluss-Spiel mit stark veränderten Teams durchaus lustvollen Fußball. Für Ruanda war die erste CAN-Teilnahme ein Achtungserfolg, und die Congolesen haben als derzeitiges Armenhaus des Kontinents einfach zu sehr unter den schlimmen Bedingungen gelitten.

Ich sage auch tschüß zu Guinea, die zwar im Viertelfinal stehen, aber dort keine Chance haben werden. Das war eine lahme Vorstellung: glücklicher Sieg über den Congo, peinliches Remis gegen Ruanda und ein erwurschteltes Tor gegen Tunesien, naja...

 
 
  Alles war also im Lot, als sich heute Turnier-Co-Favorit Senegal, seit der letzten WM Liebling des Kontinents, zum drittenmal aufs Feld quälte und die dritte schlechte Leistung ablieferte. Ich hab sie schon nach dem peinlichen 0:0 gegen Burkina Faso und dem matten Sieg gegen Kenya beschimpft, und auch gegen den Tabellenführer Mali kam keinerlei Reserve-Energie, es gab bloß die gleichen Fehler.

Wie schon beim letzten CAN und der WM agierte Senegal mit einer sicheren und breiten Defensive und ein paar Freigeistern vorne. Die beiden Mannschafts-Teile haben aber zwischenzeitlich die Kommunikation eingestellt.

Hinten wurde schon wieder umgestellt und aufgestockt, letztlich gab es vor der Viererabwehr gleich drei defensive Mittelfeldspieler, von denen zwei eigentlich gar nichts taten (auch der gute Papa Bouba Diop...).

Vorne hatten Camara, Niang und Diouf entweder keine Lust oder keinen Esprit.

Nun waren sowohl sie als auch Gegner Mali fürs Viertelfinale qualifiziert, weil im Parallel-Spiel das bisher underratete Kenya einen demütigenden Sieg über Burkina Faso feierte.
Nur: der Gruppenzweite würde dort auf Tunesien, den von der home-crowd nach vorne gepeitschtem Gastgeber treffen, der Gruppenerste hätte das Freilos gegen das schwächelnde Guinea.

 
 
  Nach der völlig verdienten 1:0 Führung von Mali raffte sich das vielgelobte senegalesische Team langsam und mühsam auf, ernudelte sich den Ausgleich (Beye von O. Marseille), agierte dann in der 2.Hälfte aber so, dass man ihnen getrost zutrauen würde, bis morgen durchzuspielen ohne jemals ein weiteres Tor zu schießen.

Das war, mit Verlaub, eine Bankrott-Erklärung, die durch die Viertelfinal-Paarung, die sie nach sich zieht, umso ärgerlicher ist.

Denn, bei aller Umsicht, auch das Team aus dem Mali hat, trotz seiner beiden Siege und dem locker heimgespielten Remis heute, alles andere als überzeugt.
Die Abwehr ist extrem unstabil, bekam jedoch heute durch die überraschende Nominierung von Flügelspieler Sammy Traore als Zentral-Verteidiger einen wichtigen Impuls.
Zudem überzeugte das ansatzlos ebensogute Flügelspiel von Seydou Keita.
Dafür irrte Supertalent Sissoko über eine Stunde orientierungslos auf dem Feld umher, ehe er endlich ausgetauscht wurde. Stürmerheld Kanoute (Tottenham) und Mittelfeld-Chef Coulibaly (Freiburg) wurden sowieso geschont.

Andererseits ist auch hier wieder ein Lob (Nummer 3) fällig: das Aufeinandertreffen dieser beiden taktisch und technisch natürlich überdurchschnittlich guten Mannschaften war ein optischer Genuss, weit über die hierzulande gern als "eh ned schlecht" benannte Kickerei zu stellen.
Nur sind die Ansprüche hier natürlich höhere.

 Coulibaly chez Freiburg
 
 
  Die ersten beiden Viertelfinals heißen also
Tunesien (Gastgeber, bislang sehr gut) - Senegal (Eigentlich-Favorit, bisher enttäuschend)
beziehungsweise
Mali (ja, eh...) - Guinea (naja...).

Morgen und übermorgen kommen dann die unkämpfteren Gruppen dran. Dienstag ab 14 Uhr kämpft Ägypten gegen Kamerun um die letzte Chance, während Algerien es gegen Zimbabwe leichter haben wird.
Und Mittwoch gilt gleiches für Marokko - Südafrika, bzw. Nigeria vs. Benin.
In diesen Gruppen wird also zumindest je ein großer Name scheitern. Damit hab ich mich angefunden. Mehr sollte da aber nicht schiefgehen: ich hab ja nichts gegen Überraschungen, aber eben nicht, wenn sie auf Ärgernissen fußen.

 
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