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Wien | 9.2.2004 | 21:00 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Journal de la CAN. Une huitaine, part 2.
 
 
 
 
Die letzten Acht halbieren sich, Teil 2.
 

Und wieder war es nervenzerfetzend und wieder hat sich - ganz selten in großen Turnieren im Viertelfinal-Stadium - das Gute und Richtige durchgesetzt.

Nichts gegen Algerien - die haben gegen Marokko ein großes Spiel geliefert; und schon gar nichts gegen Kamerun - die haben ihr Viertelfinal gegen Nigeria bis zuletzt offengehalten; trotzdem ist beider Scheitern zutiefst richtig und das Weiterkommen ihrer Gegner nachvollziehbar und auch in seiner Wirkung nachhaltig.

 
 
Algerien
 

Das algerische Team, eigentlich der Underdog unter den nordafrikanischen Fußball-Großmächten, war durch einen erbittert erkämpften Sieg über die eigentlich besseren Ägypter und aufgrund eines völlig verdienten Unentschieden gegen den Cupholder Kamerun so weit gekommen.

Das durchaus zurecht: sie waren zwar die einzigen, die aus Prinzip die Defensive auf ihre Fahnen geheftet hatten, aber nie aufs Toreschießen vergessen wollten (was sich im strikten Gegensatz zum letzten CAN 2002 verhielt, wo man das Gefühl hatte, alle Teams legen es letztlich nur aufs Elferschießen an).

Das war bei den ausgeglichen besetzten und konstant über ihrem Niveau spielenden Algeriern nie der Fall.
Sie waren immer imstande, quasi zweigleisig zu denken, und sich nach der Verhinderung und der Ball-Zurückeroberung immer sofort wieder auf den Endzweck des Spiels zu besinnen: dem Toreschießen.

Und wie gegen die unglücklichen Ägypter gelang es ihnen auch zum merkbar günstigsten Zeitpunkt, ein paar Minuten vor Schluss.

 belmadi
 
 
Marokko
 

Marokko jedoch, der algerische Gegner im Viertelfinal, ist nicht Ägypten.
Ihre Klasse hab ich bereits hier gewürdigt.

Und ich bin froh, Recht behalten zu haben: denn in der entscheidenden Phase, als es drum ging, trotz nur noch kurzer Zeit die Nerven zu bewahren und weiterhin ruhig auf ihr (das ganze Spiel über verfolgte) Ziel, nämlich den Torerfolg, zu spielen, setzte so etwas wie eine Automatik der Klasse ein.

Bayern München, Man-U oder Real haben so etwas.
Und gestern hatte es auch Marokko. In der letzten Minute der Nachspielzeit gelang der höchst fällige Ausgleich, und in der Overtime wurden die zunehmend an ihr Limit gedrängten Algerier dann ausgepowert und ausgespielt.

Wieder hat es niemand auf ein Elferschießen angelegt (und ich denke, dass das eine allgemeine Tendenz ist, und ich wette jetzt schon, dass es bei den Viertelfinals der EM im Sommer auch nicht anders sein wird), weil bei diesem (durchaus den Weg weisenden) Turnier einfach die Offensive rulet.

Dass Marokko sich so schwer tat, lag nicht nur an der defensiven Klasse von Algerien, sondern auch daran, dass das Mittelfeld an diesem Tag nicht mit dem richtigen Fuß aufgestanden schien, dass einer der drei bislang umwerfend guten Verteidiger (nämlich El-Karhouri) einen schwachen Tag hatte und der Coach aus unverständlichen Gründen den Powerstürmer Hadji bis zur 86. Minute im Talon hielt.


 ouaddou
 
 
  Just der führte dann die Entscheidung herbei.
Nur das und die blendende Verfassung von Rechtsverteidiger Regragui, die unglaublich lässigen Abwehrhelden Ouaddou und Naybet, der schweißgebadete Mokhtari und der niemals aufgebende Sturm mit dem schicken Zairi und dem jugendlichen Chammakh wogen die Probleme wieder auf.

Insgesamt lässt sich im Vergleich zum anderen Favoriten, den spielanlagetechnisch verwandten Tunesiern, Folgendes resumieren: Marokko hat eine schmale Bank, und letztlich nur 14 gleichwertige Spieler, während die tags zuvor weitergekommenen Tunesier da auf einen gleichwertigen Kader von etwa 18 kommen.
Das kann noch entscheidend sein.

Nichtsdestotrotz war es eine Freude, in diesem spannenden verlängerten Spiel letztlich die offensive, beharrliche und reife Spielanlage Marokkos belohnt zu sehen.
 
 
 
Kamerun
 

Im anderen Viertelfinale war alles möglich: weder Kamerun noch Nigeria hatten sich in den ersten Spielen mit Ruhm überhäuft.
Dass sich letztlich Nigeria durchgesetzt hat und jetzt im Halbfinale am Mittwoch auf Tunesien treffen wird (l'autre match: Marokko - Mali) ist eher auf die größeren Defizite von Kamerun zurückzuführen.

Mir hat gestern wie bei jedem Auftreten von Kamerun Trainer Schäfer einerseits leid getan, andererseits war ich mir nie sicher, inwieweit er nicht massiv die Schuld mittrug.

Wie in noch jedem Spiel klaffte zwischen dem an sich großartigen Sturm (Eto'o und Mboma, wunderbare Ergänzung, der schnelle leichtfüßige Quirl und der feiste, bullige Tank, exzellente Mischung...) und der Defensive eine Riesen-Lücke.

Das Mittelfeld fand bei Kamerun, wie schon im gesamten Turnier, nicht statt.
Und sowas geht auf die Dauer nicht (außer man heißt Deutschland und mogelt sich ins WM-Finale, etwas was - siehe oben - es heuer bei der EM aber nimmer spielen wird) bzw. nicht gut.

Schäfer hat auf der Position hinter den Spitzen alles ausprobiert was er hat, es ging nix.
Mbami zog sich im gesamten Spiel wie eine beleidigte Leberwurst (wahrscheinlich hatte ihm der Trainer gesagt, dass auch er Defensivarbeit leisten müsse) NEBEN den zentralen Defensiv-Spieler, den gestern großartigen Djemba-Djemba, zurück und war so komplett ineffektiv.

Atoube auf links ist ein guter Läufer, aber brachte keine Flanke zustande, und Geremi auf rechts verschwand nach einer guten Halbzeit in der zweiten, als es drauf ankam, völlig.

Dazu kam, dass der wieder fitte Billy Tchato als Links-Verteidiger eine reine Vorgabe war.
In der 62. Minute nahm ihn Schäfer raus und stellte auf ein 3 - 4 - 3 um, da aber auch dann die Mittelfeld-Achse nicht besser ins Spiel kam, nutzten auch drei Spitzen nichts mehr - wiewohl Kamerun in der Schlussphase ein paar ordentliche Chancen ebenso vernudelte.

 
 
Nigeria
 

Im Unterschied dazu hatte Nigeria nicht nur ein funktionierendes Mittelfeld, sondern (an diesem Tag endlich) einen echten Chef in echter Hochform: Augustine Okocha, den man seit seinen Jugendtagen bei Eintracht Frankfurt JayJay nennt.
Sein Freistoß-Tor machte den Unterschied zwischen den beiden Teams aus, die ansonsten nur identische Solo-Konter-Läufe durch Eto'o bzw. Utaka erfolgreich abschließen konnten.

Nigeria, das nach der Auftakt-Niederlage zu zerbröseln drohte und in einer Art Befreiungsschlag drei Bösewichte, die aus dem Trainingslager ausgebüchst waren, um einen zu heben (Babayaro und Yakubu, die in England bzw. Agali, der bei Schalke spielt), aus dem Team geworfen hatte, erholte sich nach einem großen Sieg gegen das desolate Südafrika und einem Pflichtsieg gegen Benin und konsolidierte damit ein zusammengerücktes Team.

Erfolgs-Garanten waren die stabile Abwehr (der universell einsetzbare, WM-erfahrene Lawal, der derzeit nicht einmal einen Klub hat, kam für Babayaro), zudem wurde dem großartigen Defensiv-Mittelfeldler Olofinjana (der bei Brann Bergen spielt) mit Udeze noch ein Adjudant zur Verfügung gestellt, und der dümmliche arrogante Fehler des ersten Spiels, als gleich vier (!) Spitzen in der Anfangsformation standen, wurde nie mehr wiederholt.

Im dritten Gruppenspiel entdeckte man den hellhäutigen Odemwingie (von La Louvriere in Belgien), einen schnellen und unberechenbaren Flügelbrecher, der gemeinsam mit Utaka und dem gestern wieder sehr guten Kanu ein ausgezeichnetes Angreifer-Trio bildete.

Dieses gute Funktionieren ermöglichte einer fast schon klinisch toten Mannschaft den Aufstieg.

 
 
  Im Halbfinale treffen sie, die ihr erstes Spiel gegen Marokko völlig verdient verloren, jetzt allerdings auf die noch besser Marokkaner, nämlich Tunesien.

Die Halbfinals sind am Mittwoch um 16 bzw. 19 Uhr live auf Eurosport zu sehen. Vielleicht auch auf tv5, dem französischem Sender, der auch im Kabel zu finden ist.

An dieser Stelle danke für die tv5-Hinweise, die für mich allerdings zu spät erfolgt sind. Ansonsten krieg ich zu jedem Schas gleich ein Mail, bei etwas terminlich drängendem hingegen scheint die Hemmschwelle, die SMS-Funktion auf der Host-VK zu verwenden, allerdings verblüffend hoch. Ich darf also bitten...

 
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