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Wien | 11.2.2004 | 21:00 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Journal de la CAN. Les Demi-Finals.
 
 
 
 
 

Nach Ende der Gruppenphase beim afrikanischen Nationen-Cup, der Kontinental-Meisterschaft unserer südlichen Nachbarn vor ziemlich genau einer Woche, hab ich mich ordentlich aus dem Fenster gelehnt und meine zwei Favoriten präsentiert und die Gründe dafür auch hier angeführt.

Es ist natürlich ein gutes Gefühl, die richtige Vorabeinschätzung getroffen zu haben, aber es ist auch ein gutes Gefühl, wenn ein Turnier die Teams, die es am meisten verdienen, in seinen finalen Spielen versammelt.

Mittwoch haben sich so und deshalb Tunesien (im Elferschießen gegen Nigeria, verdient) und Marokko (deutlich gegen Mali, zu hoch) durchgesetzt.
Und ich bin zufrieden.

 
 
MLI
  Außerdem hat sich in diesen Semifinal-Spielen auch manifestiert, dass die gewiss nicht schlechte Mannschaft des Mali doch entgegen ihrer realen Stärke soweit gekommen war.
Aufgrund der in den Gruppenspielen schwächelnden Vorstellung der senegalesischen Teams war es zum Viertelfinale Mali - Guinea gekommen, trafen da also die beiden definitiv schwächsten Mannschaften der letzten 8 unglücklicherweise aufeinander, was der Besseren davon den Weg ins Halbfinale ebnete.

Dort waren sie zwar unglücklich und sicher nicht vier Tore schlechter als ihr Gegner aus Marokko, aber eben doch nicht von der Klasse der Top Five, die entweder wirklich gute Systeme spielen, hohe taktische Diszplin haben oder aus grandiose Einzelspieler verweisen können.

Mali hat mit Kanoute oder Soumalia Coulibaly und auch Samy Traore oder Keita zwar wirkliche Klasse-Spieler, für ein eingespieltes Team-Gefüge auf Top-Niveau reicht es (vor allem im Mittelfeld) aber nicht.

Die österreichische Nationalmannschaft würde dieses Team aber jederzeit locker putzen.

 
 
MOR
 

Außerdem sind sie nicht nur wegen der wieder einmal unklaren Aufgaben-Verteilung im Mittelfeld gescheitert, sondern hauptsächlich an der Qualität des Gegners:
Marokko bot eine überraschende taktische Meisterleistung.

Erstmals in diesem Turnier stellten sie von 5er-Abwehr auf Vierkette um und opferten dafür El-Karkouri, der im letzten Spiel ein Schwachpunkt war, und den zu offensiven Linksverteidiger Kharja. Davor wie immer zwei defesensive Mittelfeldspieler und davor wiederum drei offensive: Mohktari zentral, Moha Yaccoubi links und der fabelhafte Youssuf Hadji, mit dem man als Spitze gerechnet hatte, rechts.

Auch der wunderbare Zairi saß nur auf der Bank, aber die Wahl von Chammakh als einziger Spitze war völlig richtig.
Moha und Hadji spielten je nach Bedarf in Mittelfeld oder echte Flügel und verwirrten den Gegner zusätzlich.

Außerdem gelang den Marokkanern alles, was sie z.B. im Spiel gegen Algerien ausließen.
Das 1 : 0 war verdient, das 2 : 0 against the play und die beiden Tore in der Schlussphase mehr als glücklich.

Das Selbstvertrauen, das dieses 4 zu Null fürs Finale bedeutet, ist aber nicht zu verachten.

 
 
TUN
 

Dort wird Marokko auf die ebenfalls psychisch vor Kraft strotzdenden Tunesier treffen, die sich in einem regelrechten Krimi gegen Nigeria durchsetzten, knappestmöglich, aber gerechtfertigt.

Zwar waren Jaidi und Badra, die bärengleichen Innenverteidiger so schwach wie nie, zwar verzichtete man auf den großartigen Linksverteidigerr Ayari und brachte den alten Kämpen Clayton, zwar saß Mittelfeld-Kreativling Benachour nur auf der Bank, aber trotzdem war Tunesien die kompaktere Mannschaft, die einfach stimmiger gespielt hat.

Ein derart gut gerührtes Mittelfeld hat sonst kein CAN-Teilnehmer und die permanente Wühlarbeit von Jaziri und Santos, den Spitzen, ist ebenso einmalig.

Zudem ist - wie schon erwähnt - die starke Bank der Tunesier eindrücklich: der immer noch nicht fitte Trabelsi dominierte nach seiner Einwechslung die 1. Halbzeit der Overtime eigenhändig.

 
 
NIG
 

Fast gleichwertig: Nigeria, die alten schwarzafrikanischen Könige, die ihre großen Konkurrenten aus Kamerun diesmal abhängen konnten.

An den Leitfiguren Okocha und Kanu lag es nicht, eher am mittelmäßigen Spiel der restlichen Offensive und daran, dass mit Lawal ein Spieler eigentlich nur planlos herumirrte, weil die Taktik auf 9 (!) Feldspieler ausgerichtet war (fragt mich nicht wieso...).

Trotzdem könnte dieser African Nations Cup ein turning point in der zuletzt trauriger Turnier-Geschichte von Nigeria werden: Erstmals hat man nach der fast schon üblichen internen Panik und der sofortigen Eskalation die Kurve gekriegt und tatsächlich eine neue sinnvolle Teamstruktur aufgebaut, ohne dass sich diese Spieler zerfleischen.

In Anbetracht dieser sinnlosen Skandalisierung ist der Semifinal-Einzug und der Sieg über Kamerun schon ziemlich super.
Wobei mit Kamerun und Senegal ja noch zwei Teams in dieser Preisklasse auf sehr hohem Niveau unterwegs sind.

 
 
  Im (samstägigen) Finale zwischen einmal-CAN-Sieger Marokko, die jedoch in den letzten zehn Turnieren nur einmal ins Viertelfinale gekommen sind, und dem noch-nie-Sieger Tunesien (96 im Finale gegen Südafrika, 94 beim letzten Heimturnier jammervoll gescheitert) ist alles möglich.

Was das alles mit dem Kampf um die WM-Austragung 2010, die definitiv in Afrika stattfinden wird, zu tun hat, demnächst in diesem Theater.

Aktuelle Fakten zum CAN.

 
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