fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Wien | 14.2.2004 | 21:00 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Journal de la CAN. Le Vainqueur.
  Jedes Turnier hat das Finale, das es verdient. Der Africa-Cup 2004 deshalb ein aufregendes und schönes.
 
 
 
  Nur bei wirklich fortgeschrittenem Fußball kann es vorkommen, dass ein großes Turnier so ausgeht, wie es der tatsächlich aufgewendeten Stärke und Leistung der Teams entspricht.

Der CAN 2004, die Afrika-Meisterschaft war ein solches Turnier, eines, das große Freude und großen Spaß gemacht hat, hohes Niveau hatte und auch einiges für die EM im Sommer erwarten lässt (schließlich hängt ja auch im Weltfußball alles mit allem zusammen).

Das heutige Finale (das auch der Blatter-Sepp besucht hat) wurde wieder (wie fast alle Spiele in diesem Coup) vom besseren Team gewonnen: Tunesien wurde erstmals in der Geschichte Afrika-Champion und konnte damit die Scharte von '96, als man als möglicherweise besseres Team den Cup gegen die emphatische Heimmannschaft von Südafrika verlor, auswetzen (zumindest Bouazizi und Godhbane konnten das).

 die pokalübergabe: vorne badra und bouazizi, die captains, dahinter der tunesische präsident, links CAF-chef Hayatou, rechts hinten david pfister
 
 
  Gegner Marokko, durchaus die zweitbeste Mannschaft des Turniers, war in der Spielanlage zu vorsichtig und unsicher, wechselte in der überraschenden und überraschend defensiver Grundaufstellung für dieses Spiel wieder zu einer 5er-Abwehr, schwächte ohne Not sein kreatives Mittelfeld (Moha raus, Mokhtari links versteckt) und kam nur mit einer Gewaltleistung (angetrieben von Kissi) nach einer halben Stunde zurück in ein von Tunesien sofort dominiertes Spiel.

Das ist durchaus auch der Marschroute von Coach Lemerre (als Assi mit Frankreich Weltmeister, als Chef-Coach Europameister, bei der WM 02 jedoch peinlich gescheitert) zu verdanken, der in jeder Lage beinhart an seinem 4-4-2 festhielt und - wie in Frankreich - einen ziemlich gleichwertigen Kader zusammengezogen hatte, der sein System blind spielen konnte.

Bestes Beispiel: Hagui, der zunächst Rechtsverteidiger, dann defensiv im Mittelfeld, dann kurzfristig Linksverteidiger spielte und im Finale als Innenverteidiger für den gelbgesperrten Kapitän Badra einspringen konnte.
Neben ihm: Der Mann dieses Spiels, Jaidi, der als Turm in allen Schlachten den Luftraum beherrschte.

Lemerre stellte sein Team offensiv auf, wo der Gegner vorsichtig war.
Und, wie im Märchen, wo das Gute immer siegt, gewann bei diesem Märchen-Turnier (fast) immer das Team das mehr Risiko nahm.
Insofern war der 2:1 Sieg verdient.

 
 
  Marokko hatte (auch wegen nicht ganz so guter Tagesform von Hadji und dem zu spät eingewechselten Zairi) dann nichts mehr zuzusetzen.
Tunesien spielte sich gut über die Zeit.

Und die müssen gelobt werden:
Boumnijel, der alternde Tormann, nur die Nummer 2 des Landes, der kurzfristig für die beleidigt zurückgetretene Legende Shokri El Ouaer eingesprungen war.

Die schon erwähnten Innenverteidiger Badra und Jaidi, der Allrounder Hagui, der eigentlich verletzte Trabelsi, der ein paar fantastische Läufe sehen ließ, das Linksverteidiger-Supertalent Ayari, der sich irgendwann den Arm brach und sein Nachfolger, der arrivierte Clayton, der beide Final-Tore seines Teams mit bösen, scharfen Schüssen einleitete.

Das kompakte, sich intelligent verschiebende Mittelfeld mit dem Antizipations-König Nafti, dem enorm schuftenden Bouazizi, den in ihrem blitzschnellen Umschalten zwischen Abwehr und Angriff beeindruckenden Mnari und Chedli und auch dem in seinen Leistungen massiv schwankenden Lenker Benachour.

Und natürlich der eindrückliche Sturm: der früh im Turnier verletzte Jedidi, der junge Brecher Brahem, der sture, immer etwas glücklos wirkende Jaziri, der in seinem kurzen Finalauftritt beeindruckende Mdhebi und natürlich der neue Superstar Tunesiens, der eingebürgerte Brasilianer Dos Santos.
Der, ein Wusler der Marke Oliver Neuville, aber mit einem tollen Torinstinkt gesegnet, hat dieses Team in punkto Siegeswillen angeführt.

 benachour mit französischer tv-reporterin
 
 
  Santos spielt (wie Chedli) bei Sochaux (und warf unlängst Dortmund aus dem UEFA-Cup, was ja nicht jeder kann...), die anderen tunesischen Teamspieler bei Ajax (Trabelsi), Santander (Nafti) bei PSG (Benachour) oder in den Niederungen der französischen oder türkischen Ligen.

Über zehn aus diesem Kader sind aber in der tunesischen Liga, der vielleicht stärksten Afrikas, daheim, vor allem bei Esperance Tunis, dem Rekord-Meistercup-Sieger Afrikas.

Diese gute Mixtur (Klasse-Legionäre, aber eine starke heimische Meisterschaft) ist mit ein Grund für den aktuellen Erfolg. Die IFFHS führt die tunesische Liga im übrigen vier Plätze vor der österreichischen.

Morgen noch: mein CAN-Dreamteam, Ausblick auf die Quali-Chancen der afrikanischen Teams für 2006 und der beinharte Fight um die WM-Austragung 2010, ebenhier in Afrika.

 jubelrunde
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick