fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Wien | 15.2.2004 | 21:00 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Journal de la CAN. Das Dream Team.
  Die 11 besten Spieler des African Nations Cup.
 
 
 
Tor
 

Im Tor steht der Mann, der bei afrikanischen Champions-League-Sieger spielt und der vor jedem Spiel seines Teams - wie einst Madonna vor jeder Live-Show - so etwas wie einführende Worte im Kreise seines Team sprach: Vincent Enyeama von Enyimba, Nigeria.

Er war der beste von vielen recht guten Tormännern, bisher einem Manko des afrikanischen Fußballs.


 Enyeama
 
 
Abwehr
 

Die Innenverteididung steht felsenfest: Abdeslam Ouaddou und Radhi Jaidi.

Der Marokkaner Ouaddou, ein großer, schlacksiger, eleganter, technisch für einen Verteidiger ungemein feinsinniger Techniker, spielt bei Rennes in Frankreich.

Der Tunesier Jaidi, ein etwas bulligerer, aber nichtsdestoweniger versierter, fantastischer Stellungsspieler beim besten Klub, quasi dem Real Madrid Afrikas, nämlich Esperance de Tunis.

Bei jedem Corner im Finalspiel neutralisierten diese beiden einander durch enge Bewachung, und es war schön, den gegenseitigen Respekt dieser Muster-Abwehrrecken zu beobachten.

Interessanterweise spielen sie beide neben wahren Denkmälern ihrer Länder, nämlich Naybet resp. Badra, die beide ihren Zenith überschreitend nur noch nominell die Chefrolle innehaben.

Auf meinem Notizzettel stand außer diesen Namen sonst nur noch ein anderer alternder Abwehr-Chef, Rigobert Song, der Turm von Kamerun.

 
 
 

Bei den Außenverteidigern hab ich mir schwer getan: Überangebot ohne wirklich entscheidende Präferenzen.

Mein rechter Verteidiger heißt nach langer Überlegung Karim Hagui, Tunesien. Er war einfach effektiver als sein großer marokkanischer Konkurrent Walid Regragui von Ajaccio, der Lieblingsspieler von Eurosport-Kommentator John Duncan.

Hagui von Etoile du Sahel, einer anderen guten Mannschaft der tunesischen Liga, ist defensiv wie offensiv gleich gut und zudem in jeder anderen Abwehr und Mittelfeld-Position einsetzbar, offenbarte nie Schwächen.

Natürlich wäre ein Trabelsi in Bestform auf der rechten Außenposition unschlagbar, aber bei diesem Turnier konnte er aus Verletzungs-Gründen nicht mithalten.

Mein Links-Verteidiger des CAN 04 heißt Anis Ayari, spielt bei Stade Tunisien und war bis zum Viertelfinale ein wichtiger Faktor und eine Augenweide. Dann saß er mit einem geschienten Arm auf der Bank und musste dem alten Clayton den Vortritt lassen.

Ayari ist 21, Hagui 20.
Respekt.

Auf dieser Position haben mir noch der Marokkaner Kharja (auch erst 21) und der Jacob Lekgetho (Lok Moskau, Südafrika) gut gefallen.

Außerdem fiel der selbstverständlichen Umgang mit der Viererkette und auch der nahtlose Umstieg zu einer 3er- bzw. 5er-Abwehr auf, der auf eine taktisch einwandfreie Grundschulung der afrikanischen Kicker (dieser Klasse) schließen lässt.

 und der große Jaidi
 
 
Mittelfeld
 

Für keine andere Position gab es beim CAN 04 so viele Kandidaten wie fürs defensive Mittelfeld.

Ich könnte hier fast alle Tunesier (Nafti, Bouzizi, Mnari, Chedli) nominieren, Kaissi aus Marokko, den Ägypter Taber, den Algerier Kraouche, Diao (Senegal), Diarra (Mali) oder auch den vorher nicht so bekannten Nigerianer Olofinjana, der bei Brann Bergen in Norwegen spielt.

Mein Mann für diesen Job ist aber Eric Djemba Djemba (Kamerun), dessen Dienste sich Manchester United gesichert hat. Ohne Djemba, sage ich, wäre Kamerun schon viel früher als erst im Viertelfinale auseinandergefallen. Er hielt die Reste des Mittelfelds mit seiner präzisen Arbeit, seinen Wegräumer-Skillz und seinen Passes noch zusammen.

Rechts im Mittelfeld gab es keinen besseren als Sibusiso Zuma, den gelbhaarigen südafrikanischen Legionär beim FC Kopenhagen. Wenn auch nur drei andere seines Teams seine Form und seinen Willen gehabt hätten, wären sie ins Halbfinale gekommen. Zuma interpretiert seine Position, egal, wo er hingestellt wird, als Verantwortungsträger, und das imponiert mir.

Er ist sich für die defensive Drecksarbeit nicht zu schade, rochiert aber bei jeder sich bietenden Gelegenheit, geht in die Spitze, attackiert plötzlich links, ist also unberechenbar. Auch wenn das bei diesem Turnier zuwenig war, um sein Team weiterzubringen.


 
 
 

Links im Mittelfeld hat nur ein Spiel lang ein langer Kerl gespielt, der danach für andere Jobs weiter hinten zurückgezogen wurde. Die hat er super erledigt. Mir hat er trotzem dort am besten gefallen: Sammy Traore, Legionär bei Nice in Frankreich, war einer der Garanten für das gute Abschneider des vormaligen CAN-Gastgebers Mali.

Offensiv eine böse Flügelzange (gemeinsam mit seinem Rechts-Kollegen Seydou Keita), war er dann ein Klasse-Rechtsverteidiger und nahm in der entscheidenden Begegnung mit dem Senegal dann als Innenverteidiger des Sturm des Gegners komplett aus dem Spiel.

So einen Kerl will ich dort haben, und weil das mein Dream Team ist, bekomme ich ihn auch.

Zentral offensiv gibt es nichts herumzudeuteln: der beste Mann war ganz eindeutig Austin Okocha von Bolton, auch Jay-Jay genannt, ohne den Nigeria frühzeitig nach Hause gefahren wäre. Punktum.

 Okocha, professione: chef.
 
 
Angriff
 

Der Sturm ist schwer zu besetzen, es bietet sich viel Klasse an, und die meisten waren auch auf etwa dem selben Niveau.

Der junge Dennis Oliech aus Kenya, der irgendwo in Quatar spielt, war toll. Der alte Mboma, der irgendwo in Japan im disziplinären Ausgedinge lebt, war beeindruckend.

Der junge Mido von OM, der Ägypten im Alleingang zu führen scheint, kann nicht genug gelobt werden.
Freddy Kanoute zeigte ebenso wie Siyabonga Nomvete Killer-Instinkt, aber die beiden spielen ja schon in England bzw. Italien.

Nwanku Kanu war wunderbar als gereifter, spielender Stürmer und Okocha-Adjudant. Und die immer etwas unglücklich wirkenden Jaziri (Tunesien und Gaziantepspor) und Zairi (Marokko und Sochaux) haben sich in ihren (immer zu kurzen) Auftritten nicht nur in mein Herz gespielt.

Die Dream Team-Plätze gehören trotzdem zwei anderen:
Youssef Hadji (Marokko) und Francicieudo Dos Santos Silva (Tunesien), die wie so viele bei diesem CAN ihr Geld in Frankreichs erster Liga (und zwar bei Bastia bzw. bei Sochaux) verdienen.


 der kleine Hadji
 
 
  Hadji, der kleine Bruder von Marokkos 98er-WM-Helden Mustapha Hadji und nicht nur von der Optik sondern sogar von der Spielanlage her sein Ebenbild, spielte ein exzellentes Turnier, egal ob als Spitze oder rechts im Mittelfeld aufgestellt. Als Joker schoss er das Siegtor gegen Nigeria und rettete sein Team im Viertelfinale gegen Algerien. Als Starter war er (gegen Südafrika oder Mali) ebenso wertvoll.

Der andere ist der Mann, dessen Einbürgerung der tunesischen Ambition dieses Turnier erstmals zu gewinnen den letzten und entscheidenden Push gegeben hat: Dos Santos wurde bei Esperance Tunis groß, gibt sich öffentlich als tunesischer Patriot und hat sich mit seinem gar nicht klassisch brasilianischem Spiel perfekt ins System von Lemerre eingefügt. Santos ist ein Wühler mit Torinstinkt, verbindet also zwei Eigenschaften, die selten zusammengehören.



 und Teamleader Santos
 
 
Apropos Coach
 
Ja, Lemerre, oder? Die Coaching-Qualität war hoch, vor allem Saadane, der algerische Defensiv-Fuchs und Badou Zaki aus Marokko waren Klasse, selbst kleine Teams wie Ruanda oder Benin hatten taktische Rafinesse. Und: die einheimischen Trainer stehen den Franzosen (oder Schäfer) nichts mehr nach.

 König des Mittelmeers: Lemerre.
 
 
Alsdann nochmal:
  Enyeama (NIG)

Hagui (TUN), Ouaddou (MOR), Jaidi (TUN), Ayari (TUN);

Zuma (RSA), Djemba (KAM), Okocha (NIG), Traore (MLI);

Hadji (MOR), Santos (TUN).

Das bedeutet: vier Tunesier, zwei Marokkaner, zwei Nigerianer und je ein Mann aus Kamerun, Süafrika und Mali.
Leer ausgegangen: Senegal (wer diesmal auch, bitte? Fadiga, komm wieder!), Ägypten (zu Mido-fixiert) und Algerien (mannschaftlich dicht).

Schöne CAN-Infos gibt's hier, auch einen Link zum offiziellen Allstar-Team.
 
 
 
Coming up (weil ich heute nimmer kann) ...
  ... der Ausblick auf die Quali-Chancen der afrikanischen Teams für 2006 und der beinharte Fight um die WM-Austragung 2010, die ja in Afrika stattfindet.
 
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick