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Wien | 3.3.2004 | 16:00 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Neues Datum.
  Der Versuch einer österreichischen Monats-Zeitschrift. Gestern als Nullnummer vorgestellt, ab Mai dann am Markt.
 
 
 
  Nun ist die heimische Print-Branche nicht gerade gesegnet mit umfassenden Qualitäts-Produkten; vor allem, was das sogenannte Magazin betrifft, also die vertiefende, kritische journalistische Beschäftigung mit den gesellschaftspolitisch relevanten Themen.
Die diesbezüglichen Produkte lassen sich an einer Donald Duck'schen Hand abzählen.

Datum versucht hier eine Lücke zu schließen, muss dies aber mit zahlreichen Start-Nachteilen tun, die allesamt mit der Lage korrespondieren: kleiner Markt, schmale Intelligenzija, schwache Mediennützung, vornehmliches Bassena-Interesse sowie ein von Monarchie, Ständestaat, Nazi-Terror und Proporz zerstörtes Bewusstsein für bürgerliche Rechte und demokratische Pflichten.

Vor all dem kann man kapitulieren, sich damit arrangieren und News machen oder etwas dagegensetzen.
Die Datum-Macher haben sich für letzteres entschieden und allein dafür gehört ihnen Respekt entgegengebracht, allen Einwänden und Kinderkrankheiten zum Trotz.

 
 
  Datum wird von Menschen gemacht, die bei Tageszeitungen wie Standard, Kurier oder Presse, bei Wochenblättern wie Falter oder Profil arbeiten. Der Wien-Korrespondent der Süddeutschen schreibt drin oder der Gap-Chefredakteur.

Die Vorbilder sind überdeutlich: die Schweizer Weltwoche, die sich im letzten Jahr zum optisch und strukturell vielleicht interessantesten Wochen-Magazin im deutschsprachigen Raum gemausert hat (wiewohl der Einwand von Ex-Weltwochlerin D., die auf die widerliche pro-Blocher-Haltung und anderes grauslich Konservatives dort hingewiesen haben möchte, natürlich stimmt) und das schnieke deutsche Wirtschafts-Magazin Brand Eins.

Datum legt es hintergündig an, mit großen Text- und Bild-Flächen und verspricht in der gestern im Ra'an vorgestellten Probe-Nummer (ein paar Tausend Stück für die Szene, Anzeigenkunden etc, eine klassische öffentliche Null-Nummer eben) ein durchaus entwicklungsfähiges Heft zu werden.
 
 
 
  Für ein Jahr haben Klaus Stimeder (Redaktion) und Johannes Weyringer (Finanzen) ihr Heft abgesichert. Allerdings müssen in dieser Zeit alle Autoren umsonst schreiben; und seinen Brotberuf darf auch keiner aufgeben.
Klassische Selbstausbeutung also für die gute Sache - der scheinbar einzig mögliche Gegenentwurf zum aufgeblasenem Marketing-Nichts, das bombastisch und mit Riesen-Aufwand präsentiert wird und - nachdem man flotte 2 Monate zuwartet - wegen Erfolglosigkeit sofort und ersatzlos eingestampft wird; neoliberaler Vorzeige-Blödsinn also.

Bei Datum gehen die Uhren anders. Ob dieser leicht mausgraue Ansatz das seltsame, sich mir irgendwie rein gar nicht vorm geistigen Auge manifestierende Publikum findet, weiß ich nicht. Ich denke, dass hierzulande ja niemand wirklich Zeitungen/Zeitschriften liest. Fünfzehn Prozent der Leute die ich kenne, maximal; und sicher unter zehn Prozent von euch.

Deswegen werde ich mich dem gestern aufgetauchtem Detail-Genörgel und Richtungs-Gepitzel auch nicht anschließen.
Datum ist ein guter und interessanter Versuch, und es ist wichtig, sich das anzuschauen.

 Die Datum-Herausgeber: mutige Menschen.
 
 
  Auf der Webpage datum.at kann man sich durchs Heft klicken.
Die Nullnummer ist in Wien noch im Handverkauf erhältlich. Die erste reguläre Ausgabe kommt Ende Mai.
 
 
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