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Wien | 13.6.2004 | 23:31 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
EM-Journal '04. Tag 2, review.
  B: CRO - SUI 0:0; FRA - ENG, nein Zidane - Beckham 2:1.
 
 
 
CRO - SUI 0:0
 

Es gibt Spiele, die machen mich aggressiv.
Zum Beispiel dann, wenn die eine Mannschaft einreitet wie eine grindige Schläger-Truppe vom Schwedenplatz (die eh hauptsächlich mit dem Maul stark ist); oder, wenn sich ihre Gegenspieler, die wirken wie die Zöglinge eines Elite-Internats, dann auf einen Schlagabtausch auf diesem Niveau einlassen.

Es passiert dann nämlich, was immer passiert: Der Musterschüler der Elite-Buben stolpert und muss blutend raus und die anderen gewinnen.

Gut, diesmal hat es für die kroatischen Hools nicht gereicht, aber natürlich hat sich der Schweizer Chef, Johann Vogel, zu zwei deppischen Fouls (mit gelb-roter Karte und Abgang) hinreißen lassen, was dem Spiel seiner Mannschaft die letzte Chance genommen hat.

Spiele wie diese machen mich aggressiv, weil ich dieses Muster kenne und satt habe.
Offenbar hat man meinen Hals bis in den portugiesischen Süden gespürt: Das Böse hat nicht gewonnen.
Gut so. Danke.

 da hat kovac (der sterbende schwan vorne) den braven vogel soweit gebracht, dass er ihn foult und vom platz fliegt... grmbl...
 
 
  Das Ganze jetzt weniger melodramatisch:
Eine Mannschaft, die mit 6 Verteidigern und 4 Stürmern antritt, darf man wohl zurecht als Fehl-Konstruktion bezeichnen.

Das, was Otto Baric da aufs Feld geschickt hatte, war eine Parodie.
Zwar alles ganze Männer, aber bar jeder Kreativität.

Mornar und Olic waren zwar wie geölte Blitze auf den Außenbahnen unterwegs, aber dahinter und in der Mitte: nada.
Zudem waren die beiden Stürmer (Sokota, der das ganze Spiel keinen Ball berührt hat, und der leicht versetzt agierende Prso, der am Rande des Ausschlusses wankte) daneben.
NUR Körper, das ist eben zuwenig.

Da die Schweizter Nationalmannschaft eine sehr dünne Personaldecke hat und offenbar außerhalb der heimischen Stadien ängstlich agiert, war der Weg für ein NullzuNull geebnet.

Wären die Schweizer Feldspieler auch nur halb so schön spinnert wie ihr Tormann Stiel, der sich bei einem Fast-Eigentor wunderbar selber verscheißerte, dann wäre das schon die halbe Miete.

Mit einer fast schon österreichisch zu nennenden Angst (dem berühmten, ich glaube, von Ernst Happel erfundenen "Strich in der Hose") geht eben nix.

 hier kriegen sich olic (den baric völlig grundlos vom platz nahm, hat ihm wohl zu "schwul" gespielt...) und der fürs eigene tor immer gefährliche haas (der in wien geboren ist, und fast österreicher wurde, schade...) in die wolle.
 
 
  Immerhin können sie den Punkt als "gewonnen" abhaken - schließlich haben sie auch zu zehnt wenigstens die Ordnung nicht verloren und kein Tor reingekriegt (auch wenn Haas oder die Yakin-Brüder mehrfach drum gebettelt haben).

Bei den kroatischen Holzhackern war keine klare Marsch-Route zu erkennen, die über "Raus und alle umhacken und gewinnen, ugh!" hinausgehen kann.

Kapitän Zikcovic spielte zwar links, wusste aber nicht so recht wie jetzt genau, weil vor ihm ja Olic kurbelte. Rechtes Pendant hatte er nicht, weshalb das kroatische Spiel schief hing wie Bier in der Hand eines Besoffenen.

Diese Mannschaft muss das Turnier nach drei Spielen verlassen.

Die Schweizer werden sie begleiten, weil ihr gemeinsames Spiel an Niveau und Klasse etwa 20.000 Seemeilen hinter dem folgenden herhinkte.

 noch zwei rauhbeine: der alte chapuisat und der rüde mornar.
 
 
FRA - ENG 2:1
 

Da neutralisierten sich nämlich zwei Weltklasse-Teams eine Halbzeit lang auf extrem hohen Niveau.

Die allseits als Top-Favoriten ausgelobten Franzosen (haben alle die letzte WM vergessen?) waren zwar spielerisch ein wenig besser, die überrraschend gut organisierten Engländer hatten es jedoch zum Torerfolg gebracht.

Es gab keine herausgespielten Chancen in dieser ersten Hälfte, also nutzte Beckham seinen einzigen Freistoß aus guter Distanz, zirkelte und Frank Lampard profitierte von Silvestres Unsicherheit. 0:1.

England war ja taktisch doch etwas überraschend, nämlich viel vorsichtiger und defensiver als erwartet angetreten. Im Mittelfeld gab es nicht die hochgelobte Raute mit Scholes hinter den Spitzen, sondern eine zweite Viererkette, bei der Gerrard in eine oft sehr ineffektive Defensiv-Position zurückgezogen wurde (anstatt links zu kurbeln) und stattdessen Scholes ebendort losgelassen wurde.
Das war defensiv gesehen erfolgreich, offensiv ging da nix weiter.

Frankreich überraschte mit einer Risiko-Abwehr: der schnelle Gallas rechts (aber: wen sollte er überraschen? Gerrard, Scholes?), der alte Thuram, sonst rechts, diesmal zentral, wofür er (ebenso wie der angeschlagene Desailly) einfach schon ein wenig zu langsam ist, daneben Silvestre.

Hm, gefiel mir schon vorgestern nicht.

 becks tätschelt lampards kopf, der seine geniale flanke zum tor gemacht hatte.
 
 
  Irgendwie gab es dann ein Patt, weil die Franzosen beschlossen hatten im Luftkampf gegen die Engländer keine Chance zu haben (aber: warum sollte Henry Ledley King nicht überspringen?) und deshalb gleich schon einmal mutlose Flanken schlugen und somit nur noch durch die Mitte drängten.

Die Engländer beschlossen, dass ihre technischen Möglichkeiten limitiert seien und die tapfere Gegenwehr gegen die kreislaufenden Franzosen alles sei, was gehe (aber: wieso sind Beckham, Scholes, Gerrard und Lampard plötzlich keine Spielgestalter mehr?!?).

Diese Kopfigkeiten führten zu einem immer verkrampfteren Spiel, das seine Spannung aus seiner Dichte bezog.

Und aus der Tatsache, dass man die Minute, in der Wayne Rooney, ein veritabler Hool, vor dem auch die Kroaten Angst hätten, vom Platz fliegt.
Leider beendete Eriksson den Spaß durch eine taktische Herausnahme des kindlichen Tölpels.

 das dumme rooney und der unglückliche silvestre.
 
 
  Die entscheidenden Sequenzen waren dann alle sehr vielsagend, weil es 1) um kleinste Fehler ging und 2) die Hauptdarsteller allesamt prototypisch agierten.

Zuerst läuft Rooney, the Rotzbub, Thuram einfach auf und davon (zu langsam eben) und wird von Silvestre (zu wenig Personality) dummdreist gefoult.
Dann schießt Beckham den Elfer mittelgut, Tormann Barthez, auch so ein Spinner wie Stiel, wehrt ihn aber supergut ab.

Dafür bekommt Barthez, dem der Irrwitz aus der Glatze blitzt, zwei Minuten später einen ganz leichten Ball aus eigener Unfähigkeit so deppert auf die Nase, dass er blutet. Was für ein Narr.

Dann begeht der grobschlächtige Stürmer Emile Heskey, der den Trottel-Buben Rooney ersetzen musste, in der 90. Minute ein ganz tölpelhaftes Foul an Makelele, 20 Meter vor dem eigenen Tor, halbrechts.
Ideale Distanz für einen Gott wie Zidane, der die Nerven behält und den Ball mit seiner ganzen technischen Eleganz und all seiner brutalen Effizienz dort hineinstößt.

Dann, nur zwei Minuten später, in der Nachspielzeit, die man beim Stand von 1:1 mit einem eben erhaltenen Tor so sicher wie möglich runterspielt, reitet den falsch besetzten Gerrard der Teufel und er hebt einen Rückpass in Richtung eigenes Tor. Henry ersprintet den Ball und muss von Torwart James gestoppt werden.
Wieder Elfmeter.

Und dann kommt der Unterschied zwischen Beckham und Zidane zu tragen.
Beckham schoss gut und wurde übertrumpft; Zidanes Elfer war unhaltbar.
Nach dem Tor, nach dem 2:1, nach dem in der Nachspielzeit herausgeschossenen Sieg, nach dieser Nervenanspannung, nach diesem ans legendäre CL-Finale zwischen Man.U und Bayern gemahnendem Finish, vermochte kein Lächeln Zidanes Antlitz zu kräuseln.

Er behalt all die Spannung in sich; und wird sie wohl erst nach dem Spiel und in den nächsten Tagen rauslassen.

 grade noch...
 
 
  Seine Mitspieler sollten jetzt schon Angst vor dieser Manöver-Kritik haben.
Frankreich war lange auf dem Weg den Wahnsinn von vor zwei Jahren, als sie den Auftakt gegen Senegal verloren und dann torlos aus der WM gingen (und das als Top-Fav), zu wiederholen.

Der Unterschied zu damals war ausschließlich Zidane, der damals angeschlagen war und heute topfit ist.

Nach diesem kleinen Irrsinn zwischen 22.30 und 22.35 Uhr hat Frankreich natürlich das Zeug dieses Turnier zu gewinnen. Jetzt ist für sie nichts mehr unmöglich.

England muss weiterkommen, da hab ich keine Zweifel.
An dieser Niederlage werden sie leiden, vor allem die Tabloids morgen, aber nicht zerbröseln.
Übernehmen Sie, Rotifer!

 zinedine "ich habe das spiel im alleingang gewonnen, und bin ziemlich angefressen auf euch pisser" zidane.
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