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Wien | 16.12.2008 | 15:00 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Das Fußball-Journal 08. Eintrag 65.
 
 
 
 
Bilanz der Herbst-Saison, Teil 3.
 
Über die Ausgangsposition und die Krisen des Jahres ist bereits vieles gesagt - deshalb jetzt zum alleseits beliebtesten: der Personal-Diskussion.
Denn da glauben immer alle mitreden zu können, auch jene, die sich bei strukturellen Fragen gerne zurückhalten, weil das "zu komplex" ausschaut und man das "lieber den Experten" überläßt, wohingegen dieselben auf Vorurteilen und Unüberlegtem basierenden Aussagen über Einzelpersonen dann plötzlich allen zulässig erscheinen.
Dieses ach so menschliche Verhalten nützen Populisten gerne aus, um damit das "gesunde Volksempfinden" zu kanalisieren.

Aber, weil es eine gewisse Tradition hat, kommt halt auch heuer wieder ->

 
 
- Die Mannschaft des Jahres -
 
die heute hier im Journal präsentiert wird, unterscheidet sich (und da waren bereits im Frühjahr und auch im letzten Herbst Tendenzen zu erkennen) nicht drastisch von den Teams, die derzeit in allen Medien (hier zb bei den sport.orf.at-Kollegen, oder hier bei der laola1.at-Wahl) oder bei Experten wie Prohaska und Co gehandelt werden.
Da wie dort werden gerne alte Erbhöfe mitgeschleppt und risikolose Allerwelts-Lösungen präsentiert. Ich versuche das zu vermeiden.

Die Mannschaft wird so aufgestellt, wie Peter Pacult gerne spielen möchte, nämlich 4-5-2. Dafür verzichte ich auf einen Tormann (die Gründe dafür stehen eh bereits hier) - dann passts ja wieder mit der 11.

 
 
Abwehr:
  Rechts Lazslo Bodnar von Salzburg. Kein Back-Up, weil Dober geschändet wird, weil Standfest zu schwach war, und weil Hackmair/Hadzic zwar gute Spiele ablieferten, letztlich aber doch Mittelfeldspieler sind.

In der Abwehrzentrale heißt mein Paar Dominique Taboga und Manuel Ortlechner, und zwar, weil sie jeweils Garanten ihrer Teams sind. Natürlich ist die KSV-Abwehr oft ein Hühnerhaufen. In einem wesentlich besseren Team würde aber der Kapfenberg-Kapitän belegen, dass er ein Prototyp der neuen Verteidiger-Generation (der mit Hirn, der Anti-Typ zur Generation Pecl/Schöttel) ist.

Da steht ihm Ortlechner um nichts nach. Er (und nicht Chaile oder Riedl) hält die Kärnten-Abwehr zusammen, die das Backbone einer guten Gesamtleistung bildete.

Natürlich ist Sekagya von Salzburg der an sich bessere Spieler - aber wie selten ließ er das sehen? Sicher sind auch Feldhofer-Sonnleitner oder Schiemer und Hoheneder zumindest gleichwertig - aber wo waren die formtechnisch im heurigen Herbst. Den jungen Herrn Dragovic seh ich nicht als Verteidiger, ja und eine Erwähnung verdient sich noch Thomas Burgstaller von Ried, dem der vielleicht deutlichste Leistungssprung gelang.

Links ist alles klar: Andreas Ulmer. Als Back-Up sehe ich noch Markus Suttner. Ronnie Gercaliu muss schleunigst ins Ausland, sonst versackt er.

Und, weil es diesmal so symbolträchtiug klar war: der Unverteidiger des Halbjahres ist Daniel Sereinig von Altach, der Mann bei dem Pech und Unvermögen Zwillinge sind.

 
 
Mittelfeld
  Rechts ist Andi Hölzl erste Wahl, knapp gefolgt von Back-Up Stefan Lexa. Die Begründung kann ich mir sparen - das war wohl eindeutig.

Interessanter ist die defensive Zentrale. Meine beiden Spieler der Halbsaison sind da Anis Boussaidi, der Tunesier bei Salzburg und (endlich, hallelujah!) Florian Mader von Ried.
Boussaidi hat Kovac den Rang abgelaufen, ist ein Aufbauer der neuen Schule - tut also alles, um die altbackene Staubsauger-Ideologie wegzufegen. Denn auf dieser Position braucht man den spielintelligentesten, den Strategen schlechthin, keinen Wegputzer.
Flo Mader (neben Hölzl noch eines der vormaligen Tiroler Krispindln, das sich nach Jahren der Hoffnung durchsetzt) ist das, der Stratege, er hat als Zehner begonnen und konnte dem Druck, der dieser zentralen Kreativ-Position nicht nur in Österreich aufgehalst wird, nicht begegnen und hat jetzt im Gludovatz-System als zentrale Drehscheibe seine Position gefunden.
Back-Ups (und fast genauso gut) sind Manuel Weber (von mir eh schon in den letzten Monaten, ja Jahren, dauergelobt) und Mario Kienzl, die personifizierte Beständigkeit bei Sturm.

Den da oft genannten Leitgeb hat man in dieser Position kaum wirklich je gesehen, ebensowenig wie in einer anderen - den läßt Adriaanse ein wenig zu sehr rotieren; es war nicht sein bestes Halbjahr.

Links spielt in meinem Dreamteam Somen Tchoyi, ja, obwohl er verheerende Partien hatte und abseits des Platzes vielleicht sogar die Pest ist. In den 5, 8, 10 tollen Spielen, die der Mann aus dem Kamerun in der Liga gemacht hat, war er wohl besser als fast alle anderen hier genannten es in einer ganzen Saison sein können.
Sein Backup ist Marco Stankovic, der zurecht zu seinem ersten Teameinsatz kam

 
 
In der Zentrale
  führt kein Weg an Samir Muratovic vorbei. Sein Ersatzmann ist Steffen Hofmann, auch damit er endlich einmal auch wirklich und nominell dort spielen darf, wo er letztlich eh dauernd spielt: in der Mitte.

Hier im Mittelfeld gibt es die meisten Namen zu nennen.
Junuzovic wurde nur durch seine lange Verletzung ausgebremst, und wenn man im dauergetauschten Salzburger Team den Saisonbeginn von Öbster und das Saison-Ende von Vonlanthen zusammenrechnet kommt man auch auf einen Fixplatz.

Schade für die Talente-Zange Klein/Saurer, dass ihre Mannschaftsführung sie so in die Scheiße ritt, und komisch, dass einige ernsthaft den derart limitierten Matt Hattenberger auf der Rechnung haben.

Eine Option auf die Zukunft sind die Herren Karatay und Koch, Wolf und Bukva, sowie Jantscher und natürlich Christophger Drazan.

 
 
Vorne drin
  ist recht schnell alles klar.
Die Nummer 1 ist Mark Janko, der es sogar (danke an endlessnameless) in die NYT geschafft hat, wenn auch mit einem Spielausschnitt ausd em Mittelalter, der ihn mit Jara und Ivanschitz zeigt)
Dei Nummer 2 ist Rubin Okotie, die Nummer 3 Mario Haas und die Nummer 4 das Kollektiv Maierhofer-Hoffer. Zusatzhoffnung macht Daniel Beichler
Auch bemerkenswert: Nacho und Salihi, die ebenso wie Nelisse und Mahop der ausländische Beitrag zur Sturmreihe sind.

 
 
Nachtrag zur 1. Liga,
  der vernudelten zweiten Leistungsstufe: da gibt es zwei Spieler der Halbsaison, beide nicht vom FC Stronach und dem FC Trenkwalder - wiewohl die beide jeweils sehr gut und jung besetzte Mannsczhaften haben, die sich allerdings als richtige Teams noch finden müssen.

Der eine ist Lukas Thürauer, das junge Genie bei St. Pölten, das seine Mannschaft sensationell auf Platz 3 brachte, der andere ist der bei Rapid völlig falsch eingesetzte Fabiano bei Wacker Innsbruck, der - solange er fit war und nicht mit dem überflüssigen Markus Anfang kombinieren musste - der entscheidende Spieler im hervorragenden 4-3-3 der lange führenden Wackerianer war.

 
 
Die Mannschaft des Jahres
  spielt also ohne Tormann, und sonst mit Bodnar, Taboga, Ortlechner, Ulmer; Hölzl, Boussaidi, Mader, Tchoyi, Muratovic, Janko und Okotie. Dazu auf der Bank noch Sekagya, Suttner, Lexa, Manuel Weber, Kienzl, Stankovic, Hofmann und Haas.

Klar kann man mit so einem Team gegen niemanden weltweit gewinnen - aber das entspricht ja auch genau dem internationalen Standard der heimischen Liga, die sich zwar gerne mit lustigen Zahlen brüstet und sich per selbstreferentieller Statistik abfeiert, aber nicht konkurrenzfähig ist.

Ich empfehle folgenden Herrschaften sofortige Liga-Flucht, sofern sie nicht versacken und ihr Talent verschleudern wollen: Dober, Hoheneder, Gercaliu, Kavlak, Okotie, Karatay, Atan, Junuzovic, Saurer, Hadzic, Schiemer, Madl und Dragovic und jedem, der sich noch traut. Egal was Baumgartlinger hier sagt
Apropos:

 
 
Das Legionärs-Ranking
  das jetzt hier daherkommt, ist ein Erst-Versuch.
Da einem selbst wenn man Scout mit Gratisflugmeilen-Rekord wäre, eine genaue Sichtung aller im Ausland tätigen Österreicher unmöglich ist, erfolgt diese Einteilung für den Herbst 08 nach Erfolgen, Einsatzzeiten, losen Berichten und Gefühl.

1. Alex Manninger (Juve, ITA) - ein Fixplatz beim Kaffekränzchen der alten Tante, bistdudeppert!

2. Marco Arnautovic (Twente, NED) - ein Fixplatz, Erfolgsmeldungen und eindeutiger Entwicklungsschub, braves Burschi!

3. Michael Gspurning (Xanthi, GRE) - vom Nobody bis zum "besten ausländischen Tormann alles Zeiten" in Griechenland? Arg!

4. Emanual Pogatetz (Boro, ENG) - Kapitän bei einem Premier League-Club, vogelwild!

5. Andreas Ibertsberger (Hoffenheim, DEU) - ein Stammplatz beim sensationellen deutschen Winterkönig, ollaweu!

6. Paul Scharner (Wigan, ENG) - trotz Hoch/Tief immer fest dabei in der besten Liga der Welt.

7. Christian Fuchs (Bochum, DEU) - der einzige Österreicher in der D-Bundesliga, der ausschließlich gut auffiel (wenn auch nicht oft)

8. György (oder Gyuri) Garics (Atalanta, ITA) - noch nicht in Napoli-Form, aber fast fixe Größe in der Serie A.

9. Sebastian Prödl (Werder, DEU) - Stehaufmanderl in einer verhexten Werder-Saison, auch als Rechtsverteidiger.

10. Jürgen Säumel (Torino, ITA) - noch im Wechselbad der Einsatzgefühle.

 
 
  11. Roland Linz (Braga, POR) - die einzige echte Skandalnudel, die Österreich in der Ferne aufzubieten hat, Skandale aber auch Spielpraxis.

12. Ekrem Dag (Besiktas, TUR); Turgay Bahadir (Kayseri, TUR); Robert Olejnik (Falkirk, SCO) und Roman Kienast (Helsingborg, SWE) - alle etwa gleichauf mit je einem Dutzend Einsätzen in gutklassigen Ligen/Teams.

16. Andi Ivanschitz (Panathinaikos, GRE) - auf dem Weg raus aus der Mannschaft.

17. Thomas Pichlmann (Grossetto, ITA) - dem geht der Knopf vielleicht in der 2. Liga auf.

18. Gernot Plasnegger (Ergotelis, GRE) - der spielt immerhin; auf welcher Position eigentlich?

19. Rambo Özcan (Hoffenheim, DEU) - kurzes Aufflackern, immerhin.

20. Andi Lasnik (Aachen, DEU) - grad noch..

Der Rest war entweder verletzt (Ümit Korkmaz - Frankfurt/DEU, Martin Harnik - Werder/DEU, Daniel Wolf - Piacenza/ITA, Mario Hieblinger - Ergotelis/GRE) oder auf der Bank (Jürgen Macho - AEK/GRE, H.P.Berger - Leixões/POR; M.Berger - Academica/POR; Johnny Ertl - Palace/ENG) oder echt sehr wenig im Einsatz (Julian Baumgartlinger - 1860/DEU) oder man kann die Leistung aufgrund Unkenntnis (Akagündüz - Manisa/TUR) der Liga nicht bewerten oder traut sich nicht die neue deutsche 3. Liga (mit Vujanovic - Magdeburg und Sikorski - Bayern II) richtig einzuschätzen.
Oder man steht wie Martin Stranzl bei Spartak Moskau auf einer Todesliste (wobei auch hier Hoffnung besteht)
Legionärsschicksale sind eben vielfältig.

 
 
Noch ein Zukunfts-PS
  In einer außergewöhnlichen Rechercheleistung hat der heutige Kurier 29 österreichische Fußball-Teenies, also alle im Stichjahr 1989, dh U20-spielberechtigt, aufgelistet.

Da stimmt fast alles.
Nur ein Talent aus der zweiten holländischen Liga, Dino Medjedovic und ein paar Burschen aus deutschen Oberligen (am interessantesten ist da sicher Nicholas Hasslacher bei Germania Schöneiche tief im Osten) fehlen - wohl auch zurecht.
Zudem wurde der als Hoffnung affichierte Ashley Barnes nach bereits einem Versuch bei der U20 fallenglassen wie die berühmte heiße Kartoffel und die Herren Bodul und Mitrovic bei Ajax sind für Österreich verloren, weil sie sich bereits für Kroatien bzw Serbien entschieden haben.
Außerdem ändert sich da ständig was, wie das in diversen Teilen bereits veraltete Legionärs-Journal aus dem August belegt. Das nächste Update folgt dann nach Ende der Wintertransfer-Zeit.

Wichtig ist nur zu sehen, dass sich doch über zwei Dutzend sehr hoffnungsfrohe junge Menschen in sehr guten Ligen bei sehr guten Vereinen tummeln.

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