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Wien | 29.12.2008 | 15:00 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Rewind 08: Best of TV-Series.
  Teil 1: Platz 10 bis 6.
 
 
 
Die Top Ten der Fernsehserien von '08.
 
TV-Serien haben seit bereits einigen Jahren (und hier vordringlich gecovert) den Platz eingenommen, den das Qualitätskino vormals hatte. Auch weil die besten dieser Serien den filmischen Anspruch von Bildern und Geschichten übernommen haben, den der Film (in seiner Jagd auf Box Office-Erfolge) aufgegeben hat.

Das was Meisterwerke wie die Sopranos oder Six Feet Under an erzählerischer Qualität anbieten, ist mittlerweile von kaum einer Kino-Produktion zu toppen: Wer pro Season deutlich über 10 Stunden Zeit hat seine Charaktere und Storylines zu entwickeln, kann tatsächlich Welten erschaffen.

 
 
Im folgenden nun Teil 1: Platz 10 bis 6.
 
Es geht um Produktionen, die heuer öffentlich zu sehen waren - das schließt auch Serien ein, die mit Verspätung im deutschsprachigen TV gelandet sind.

Re-Runs von bereits klar abgefeiertem, wie der großartigen Reihe Weeds hab ich ebenso weggelassen, wie Serien, deren zuletzt gezeigte Staffeln ein wenig geschächelt haben, wie das bei The Closer der Fall war.

Auch nicht dabei: Life on Mars, heuer als beste Nicht-Ami-Reihe ausgezeichnet - da ist 2007 eine Staffel gelaufen, auf Kabel 1, und seitdem leider nix mehr.

Klassisch keinen Platz haben die von mir aus rein subjektiven Gründen verachteten Mystery/Fantasy-Reihen wie Lost oder Heroes. Das stinkt mir im Vergleich zum entsprechenden Genre-Kintopp allzu sehr ab.
Und leider geht sich auch für tolle HBO-Reihen wie The Wire nichts aus - das läuft zwar gerade auf einem digitalen UPC-Kanal, ich hab aber zuwenig (genau 15 Minuten einer Folge) gesehen.

 
 
Platz 10: House (New Jersey)
  Obvious, eh klar.

Eines unterscheidet House allerdings zu deutlich vom restlichen 20.15-Angebot, von der von den TV-Zeitschriften hochgepitschen Serien-Masse (und ich meine damit nicht die Person von Hugh Laurie allein): nämlich die kaum existente Beleidigung der Intelligenz des Zusehers. Selbst Krankenhaus-Fachpersonal kann sich über die Grundzüge nicht beschweren (sie murmeln bestenfalls etwas von "konstruiert") und die manchmal hakenschlagenden Storylines brauchen so gut wie nie einen lächerlichen Notausgang um wieder die Kurve zu kriegen.

Außerdem ist das durch fast eine gesamte Staffel lang durchgeführte Casting für neue Assi-Sklaven zwar ein gewisser Overkill, andererseits aber auch neuer Raum für neue Charaktere und Spannungsfelder entstanden, was das Gesamt-Niveau der Reihe im Gleichgewicht hielt.
Und das war ja nicht unbedingt zu erwarten.

Aktuell laufen allenthalben Wiederholungen - die neue 5. Staffel läuft in den USA bereits (am bösen FOX-Kanal), kommt danach auch zu uns.

 
 
Platz 9: The Shield (Los Angeles)
 
Die siebtente und letzte Staffel läuft gerade in den USA - und sie ist die Nummer 1 in der Time-Bestenliste.
Hierzulande ist die 3. Staffel zu sehen, derzeit auf Puls4 - die beiden ersten Staffelns sind (teilweise) im deutschen Fernsehen gelaufen, auf einem der kleinen Privatsender, der mittendrin aufgehört hat (Quote...).

The Shield ist bitter, böse und hoffnungslos. Es spielt in einem Polizeirevier in einer Problemgegend in L.A. - Gang-Wars, Drogenhandel etc. - und spielt alles aus: politische Verwicklungen, Polizei-Brutalität, Korruption, Unfähigkeit, Ressourcen-Probleme vermengt mit einer Latte persönlicher Alltags-Probleme der Protagonisten.

The Shield wird trotzdem nicht zynisch in der Darstellung, sondern bildet - recht brutal - ab.
Der ehrgeizzerfressene Latino-Captain, der völlig korrupte Strike-Team-Leiter, die unter ihrer Doppel-Benachteiligung (Frau, schwarz) resignierte Vize-Chefin, der selbstgefällige und gleichzeitig an seiner Außenseiterrolle leidende weiße Detective, der seine Homosexulität leugnende schwarze Cop, die zermürbenden Rivalitäten der Sondereinheit (die für die Bandenkriminalität und Undercover-Aktionen zuständig sind) mit den Detectives, die ständige Einmischung der Community-Vertreter von Schwarzen und Latinos - in jeder Szene jeder Folge ist jede Sekunde lang klar, dass alles, was hier unternommen wird, zur Lösung des Gesamtproblems (ebenso wie zum privaten Weiterkommen der Protagonisten) genau gar nichts beiträgt.

Diese generelle Hoffnungslosigkeit ist die Weiterentwicklung zu klassischen Copserien-Vorbildern wie NYPD Blue, der ungeschönte, fast schon naturalistische Zugang erhebt The Shield über Vorbilder wie Miami Vice.
Ob sich irgendeine Anstalt deutscher Zunge erbarmt diese kleine Meisterstück komplett zu senden darf bezweifelt werden.

 striketeam-leiter mackey
 
 
Platz 8: Ex (Wien)
 
Hat keiner gesehen, weil die Reihe (fast könnte man sagen: geschickt) versteckt wurde, Freitag nacht - nicht direkt nach der durchaus artverwandten US-Reihe Californication, sondern erst später, nach ein paar eingeschobenen Wiederholungen.
Wollte auch keiner sehen, weil es im Vorfeld in einem medialen Umfeld präsentiert wurde, das ein bisserl grausig war - mit Badewannen-Fotos, die keiner brauchte.

Dabei war Ex (Untertitel: eine romatische Komödie) die seit Menschengedenken erste heimische TV-Reihe mit Potential: ein ausgesprochen witziges Drehbuch rund um einen klug formulierten Grundgedanken (siehe Platz 7), erstaunlich unverkrampft auftretende Schauspieler jenseits von Verbildung durch Theater oder herkömmliche TV-Produktionen aus der Elfieschke-Ecke, unpeinliche Settings und eine Bildsprache, die nicht nach Provinzialität riecht.

Regisseur und Hauptdarsteller Michael Niavarani mag ebenso nicht jedermanns Fall sein: seine Simpl-Programme sind oft allzu einfach, seine anderen Serien-Rollen (wie die des einen Zahnarztes in dieser Zahnarzt-Reihe) waren eher Larifari.

Und zudem roch die Ausgangs-Position von "Ex" streng nach "Sex & the City" oder - noch schlimmer - nach dessen unbeholfenem und extra-oberflächlichem Aufguss Polly Adler.

Verheerende Ausgangsbedingungen, die ihre Wirkung nicht verfehlten: Kein Mensch schaute sich "Ex" an.
Dabei war das, teufelnochmal, wirklich sehr sehr lustig, ohne dabei knieklatschend oder brachial zu werden, ohne dabei zu sehr bei Woody Allen oder sonstwem zu klauen - der Witz von Niavarani in Ex war genuin.
Und das ist das allerbeste, was sich über etwas im Genre-Bereich "TV-Serie" sagen lässt.

Eine zweite Staffel wurde von den Nicht-Sehern und anderen Seh-Schwachen verhindert.

 nia
 
 
Platz 7: Californication (L.A.)
 
Ja, ich weiß, Männerhumor.
Aber es gibt auch Frauen die über gespieltge Witze in denen Frauen die ejakulieren vorkommen lachen können.
Und außerdem beschränkt sich die Reihe mit David Duchovny of X-Files-Fame ja nicht auf Gags aus dem Sex-Bereich - sie zeigt vielmehr glasklar was die Spezies "moderner Mann" so beschäftigt in den Nuller-Jahren. Eh dasselbe wie immer: die Zerissenheit zwischen wildem freiem Leben und der Sehnsucht nach dem Nest.

Das in einer zeitgemäßen Aufführung mit einer Menge an gänzlich ungeschönten Gesichtern mitten in Tinseltown vorzuzeigen, ist nicht epochal - aber eine der zeitgemäßtesten Annäherungen ans Hier und Jetzt. Und das ist die Aufgabe von Kunst (auch im weiteren Sinn), und genau deswegen ist z.B. "Pushing Daisies" nur ein aufgeblasenes Ornament, die eine nichtssagende Fingerübung in Zeitlosigkeit darstellt - während Californication ein Zeitdokument im besten Sinn ist.

Die ersten beiden Staffel war heuer in ORF und RTL2 zu sehen, eine dritte ist für nächstes Jahr angekündigt, mehr wird draus nicht werden - die Branche ist kurzatmig.

 hank, in der ecke.
 
 
Platz 6. Dr. Psycho (Köln)
 
Halbzeitsieger: Dr. Max Munzl, der Psycho eben, dargestellt von Christian Ulmen (hier um Ecken besser als in Herr Lehmann), einer Soko für organisierte Kriminalität zugeteilt (es wird also niemand umgebracht, auch sehr angenehm, weil ja viel eher das echte Leben spiegelnd, da wird ja in echt im Jahr nicht soviel gemordet wie in Soko Kitzbühel in einer Folge) um die ein wenig aufzupeppen, wegen der Psychologie des Verbrechens und so.

Was eine pure Comedy sein könnte, mischt ein grandioses Team aus Schreibern, In-Szene-Setzern und Akteuren zu einem Hybrid aus ernstem Spaß und schrillem Realismus.

Dr. Psycho ist sehr sehr komisch und sehr sehr traurig zugleich - und zwar in praktisch jeder Figur und fast jeder Szene, egal ob es sich um die von einem letztlich doch schrecklichen Beruf gebeutelten Fahnder oder um das private Umfeld des Psychos (wie etwa seinem würdelosen Vater) handelt.
Die Reihe macht keinen Fehler: Die behandelten Fälle haben gesellschaftliche Relevanz, die Auflösungen sind realistisch, das Personal entwickelt sich konstant und stringent, die Komödie drängt sich nie in der Vordergrund, die Schwere nimmt nie Überhand.
Zudem handelt es sich im Gegensatz zum gerne über Gebühr gelobten (bereits deutlich abgeschlafften) Stromberg um eine Eigenentwicklung (von wegen genuin und so) und nicht um eine bloße Adaption.

Nach zwei Staffeln und trotz entsprechenden öffentlichen Auszeichungen hatte Pro7 nicht den Mumm für eine Fortsetzung.

 ulmen
 
 
Morgen in Teil 2: die Top 5.
  Spekulieren ist erlaubt: es sind einmal Europa und viermal die USA dabei, und die mit vier Reihen in vier verschiedenen Städten.
Und es wird wieder streng objektiv sein, klar.

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