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Wien | 12.6.2002 | 17:31 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Paradigmenwechsel oder Fahne in Wind?
  So, jetzt fühle ich mich aber wirklich persönlich beleidigt. Das Aus von Argentinien fasse ich als Affront auf, echt. Der Trost vom nachmittag, das spanische B-Team, ist jetzt die letzte Hoffnung.
 
 
 
WM-Log 120602
  Mit Frankreichs Ausscheiden oder mit Deutschlands Weiterkommen, den beiden gestern emotional zu verkräftenden Höhepunkten, konnte ich leben. Denn damit war zu rechnen. Die Geier, die über Zidanes Glatze kreisten, waren Anzeichen genug.
Das argentinische Aus jedoch kam, wiewohl die Ausgangslage auch eher scheiße war, aber absolut unerwartet.
So schwer wär' es auch nicht gewesen. Die armen Vetter der Argentinos, die dicken Buben aus Paraguay haben es am Nachmittag ja dann auch geschafft, ein Spiel noch umzudrehen.
Argentinien, das Team, das man vor der WM getrost als den logischen und verdienten Sieger ansehen durfte: weg.
Bei einem kleinen Blick auf das Warum zeigt sich's aber.
Zum einen hat ein Team, das weder England noch Schweden besigen kann, nix unter den Besten verloren.
Zum anderen leidet auch Argentina an dieser Spinnen-Mittelfeld-Krankheit, die das kreative Potential nach außen versetzt (wie bei ENG, SWE, DAN oder auch FRA) und dadurch auch den Spielwitz an den Rand drängt. Die Seiten-Pärchen Sorin-Lopez und Zanetti-Ortega verfransten sich hoffnunglos und weder von Aimar noch von dem vom Zidane/Figo/Beckham-Fieber befallenen Veron war etwas sinnvolles zu sehen.

 Ersatz-Tormann Burgos stützt Pochettino
 
 
  Andererseits darf ich hier ein paar Zeilen Hass gegen einen bestimmten Team-Typus absondern.
Also, ich hasse sie! Diese Mannschaften, die auf den Platz kommen und signalisieren: 'Hihi, ich muss gar nichts tun! Du musst das Spiel machen, ich stell mich hin und zerstöre, und mach dann einen cleveren Konter und steh dann auch noch als der schlaue und effektive Herr Gut da! Bin ich nicht cool?'
Unsympathler seid ihr, Copycats und unkreative Wichte. Schweden spielt so, Dänemark mit den beiden Glatzen, Irland (die allerdings aus Not, die können nicht anders), Belgien und auch England spielt so (und das ist ein echter Skandal).
Ich hasse euch. Und der Edlinger hasst euch gleich mit.

 
 
  Zwei Fenster weiter bei den schlimmen FM4-Humor-Buben trauert Hannes Duscher immer noch, wägt ab ("Solari wär doch die bessere Wahl links gewesen...") und leidet.
England gegen Nigeria ist ja übrigens nur ziemlich knapp an einem neuen "Gijon" vorbeigegangen.
Die unausgesprochene Einigkeit mit einem Remis zufrieden zu sein (für Nigeria immerhin Gesicht-gewahrt, für England das Weiterkommen) war in der zweiten Halbzeit schon verteufelt nah an der Schiebung. Ein Fußball-WM-Spiel ohne gelbe Karte...
 
 
 
  Nach dem morgendlichen Debakel begann die Sonne dann um halb zwei wieder zu scheinen. Camacho schickte ein spanisches B-Team in die Arena, das (deshalb) sein dritten (eigentlich für sie unbedeutendes) Spiel ernst nahm und auch noch die bislang beste (nicht nur spanische) Leistung dieser WM brachte.
Endlich ein gutes und rotierendes Mittelfeld.
Ein Xavi, der von hinten heraus dirigiert, wie man es von einem Petit, einem Veron, einem Butt erwartet hatte.
Ein Mendieta, der trotz einer beschissenen Saison im Sinn sowohl über links als auch zentral wirklich etwas bewegte.
Und ein Raul, der in eine Art Totti-Rolle schlüpfte und als hängende spielende Spitze einfach Klasse war.
Ich bin ja kein Freund der Spanier, aber nach der recht guten Vorstellung des A-Teams gegen Paraguay und der sehr guten des B-Teams gegen Südafrika MUSS ich sie quasi zu den neuen Helden hochstilisieren.
WEN DENN SONST????

 
 
  In der offenen Frage, wer als Zweiter der Spanien-Gruppe ins Achtelfinale mitgeht und dort die zweifelhafte Ehre hat auf Deutschland zu treffen, war ich dann hin- und hergerissen. Das Faible für die seltsamen Paraguyaos mit ihrer Betonabwehr und Tormann-Presidente "der blade" Chilavert in allen Ehren, im Spiel gegen Spanien wirbelte mich die bislang doch eher mäßig auftretende südafrikanische Elf in freudige Zuschau-Erregung.
Das war lange Zeit wirklich Klasse, was Fortune und Zuma (wieder einmal über außen, weil in der Mitte - wie immer, siehe oben, auch hier - das kreative Vakuum herrschte) da arrangierten. Und das 2:3 schien auch zu genügen, nachdem Slowenien lange Zeit ein 1:1 halten konnte.
Dann ist's sich um ein mehr geschossenes Tor nicht ausgegangen. Schade. In diesem Fall hätt ich meine Vorabwunsch-Prognose noch während des Spiels (ja, ich bin ein Wendehals und ich stehe dazu, wenn es begründet ist, wie in diesem Fall) revidiert.
Immerhin hat dieser offenen Schlagabtausch Spanien - Südafrika zu meinem bisherigen Lieblingsspiel gemacht.

 
 
  Fürs Achtelfinale heißt das schon einmal Deutschland - Paraguay und Spanien gegen Eire. Und Senegal - Schweden und England gegen Dänemark.
Morgen kommt Brasilien und (hoffentlich) Costa Rica dazu. Und Italien muss gegen Geheim-Co-Favorit Mexico gut aussehen und sich dabei auch Kroatien, die gegen Ecuador ungedingt gewinnen müssen, vom Leib halten.
Geht der nächste Weltmeister, der vierte schon in diesem Turnier, vorzeitig ab? Nichts ist auszuschließen.
 
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