fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Wien | 7.7.2008 | 10:58 
Maßgebliche Musiken, merkwürdige Bücher und mühevolle Spiele - nutzloses Wissen für ermattete Bildungsbürger

Sonja, Pinguin, Rotifer

 
 
Torch Songs
  Anlässlich des politischen Rosenkrieges der Regierung, der sich nun zur endgültigen Bruch zuspitzt: Lieder über Trennung, eine kleine Compilation.
 
 
 
Bessie Smith - Down Hearted Blues
  "Er hat mich verlassen, ich bin total heruntergekommen", etc. - Ein ganzes Genre, der Sogenannte "Torch Song" handelt vom Verlassenwerden und Sitzengelassenwerden und allein sein und traurig die "Fackel" des Verflossenen hochhalten. Diese Nummer steht für einen ganzen Katalog dieser größten Torch-Sängerin des letzten Jahrhunderts (Billie Holiday Fans verzeiht), der zu einem beträchtlichen Teil aus Liedern über dieses vielleicht zweitgrößte Thema des Pop besteht.
 
 
 
John Cale - Heartbreak Hotel
  Der Knittelvers des liebeskranken Katers Elvis Presley (dwell-Hotel) beschreibt den Rückzug nach dem Scheitern einer 'Beziehung' (obwohl das gar nicht so klar ist, was für eine Art der Beziehung ihm da entgangen sein sollte, mit seinem 'Baby') als eine Art Zwangsumzug in ein grausliches Altersheim, die letzte Station vor dem Sterben aus Liebeskummer. Voll ist es dort und stickig und trotzdem gibt es immer einen Platz und der Portier ist immer in schwarz gekleidet. John Cale nimmt die Sexiness und den Drive des Originals heraus, halbiert das Tempo und macht die Nummer zu der ewigen Totenmarsch-Gruft Hymne, die der Text und das Sujet vorschreiben.

 
 
Nirvana - Where Did You Sleep Last Night
  Die klassische Männervariante des Torch Songs: Die Reue bezieht sich nicht etwa auf die Einsamkeit, die aufgelöste Beziehung oder die entdeckte Untreue, sondern auf die Reaktion des Betrogenen. Leadbelly hat seine Liebste, nachdem er erfahren hat, dass sie die letzte Nacht mit einem Anderen verbracht hatte, in dem Lied doch tatsächlich ermordet. Ein Blues-Topos, der in einer der berühmtesten Bluesfiguren seinen Höhepunkt hatte: Das Genie Robert Johnson fand dem Mythos zufolge sein junges Ende, nachdem er von einem eifersüchtigen Ehemann mit Strichnin vergiftet worden war. Kurt Cobain transportiert das in einem berühmt gewordenen Heuler auch ein bisschen mit.
 
 
 
The Jam - So Sad About Us
  "Apologies mean nothing when the damage is done", lalala ... Von den Who übernommenes Cover von deren 'Quick one', vielleicht Robert Rotifers Choice eines Torch Songs. Hier versteckt sich die Schuld, die den Autor womöglich am Nichtfunktionieren der Beziehung trifft', hinter den süßesten Mod-Chören. Dass man traurig ist, wie alles gekommen ist, ist nie schöner harmoniegeträllert worden.
 
 
 
Elvis Costello & The Attractions - I Hope You're Happy Now
  Der bitterste aller bebrillten Legendenfiguren (trotz Randy Newman) darf bei dem Thema des unschönen Auseinandergehens nicht fehlen, vor allem wenn er, wie bei diesem Stück von 'Blood & Chocolate' die Message rüberbringt: Der Neue ist ein fester Trottel und sie wird schon merken, was sie an ihm gehabt hat ... Er kann froh sein, dass die Farce zu Ende ist denn: if "I knew then what I know now I never loved you anyhow" ... das glaubt man ihm wieder nicht ganz, weil dazu die Orgel allzu katzenjammerig jault.
 
 
 
Feist - So Sorry
  Sie ist schuld, dass es vorbei ist und sie sieht es ein, ihre Aktionen waren so selfish und sie bereut sie so. Sie ist schuld, dass er weg ist und Ozeane zwischen ihnen sind und eigentlich müssten sie gar nicht streiten und weinen, sie könnten sich doch noch einmal in den Händen halten, nur heute Nacht ...
 
 
 
The Smiths - I Know It's Over
  "Und ich kann es fühlen, Mutter, wie die Erde über meinem Kopf zusammenfällt", der Verlassene und Ungeliebte kann schon mal Selbstmordvisionen mit schlitzenden Messern und Gräbern haben, und das kann wohl niemand besser als der alte Zickbock Morrissey. Selbstmitleid, in schillerndes Metall gegossen, so schön kann Liebeskummer und Herzschmerz sein: "Love is natural and real but not for you, my love, not tonight, my love".
 
 
 
Soft Cell - Say Hello Wave Goodbye
  "You and I / It had to be/ The standing joke of the year" ... an diese Liebe hatte schon vorher niemand geglaubt, er ist ein "sleeparound", der mit jeder/m rummacht, und mit so einem kann man keine ordentliche Beziehung führen, weshalb er noch ein letztes mal in ihr Gesicht schauen darf und dann war's das. Punkt.
 
 
 
The Silos - I'm Over you
  Natürlich wird er sie anrufen, ihr schreiben, sie werden Freunde bleiben, sich wie Erwachsene benehmen, "but not today", erstmal ist durchatmen und mit heruntergelassenem Seitenfenster herumfahren angesagt, und dazu dieser Befreiungsakt von einer Stones-Nummer, die nicht von den Stones ist, sondern von der einstmals besten Simpelrockband nördlich von Cuba.
 
 
 
Funny Van Dannen - Weinende Piratenbraut
  "Warum bist du nicht Verkäuferin geworden?"; "Warum hast du nicht einen coolen Rechtsanwalt geheiratet, du hast doch Abitur?"; "Warum musstest du dein Herz ausgerechnet in an den größten Drecksack verlieren?". Jetzt ist alles vorbei und der Jammer groß. Lauter schlimme Vorwürfe, wer das ganze so schlecht plant, ist schließlich selber schuld ... aber Trost im Alkohol mit dem größten Liederdichter deutscher Zunge ist auch ein schöner Trost. (ich schwöre, dass der Mann auf jeder meiner Compilations dabei sein wird, er hat zu wirklich jedem Thema was zu sagen)

 
 
Magnetic Fields - Meaningless
  Die Mutter hat es schon immer gesagt: das Geplänkel hatte ja letztlich keine Bedeutung und Mutter weiß es immer am besten. Auch jetzt, da es vorbei ist, wird es klarer, es war bedeutungslos, alles war bedeutungslos, jedes Flüstern und jede Zärtlichkeit, und es war auf vielerlei Arten bedeutungslos - köstlich bedeutungslos, schön bedeutungslos, übersprudelnd bedeutungslos, schwerwiegend bedeutungslos, prächtig bedeutungslos, endgültig bedeutungslos, umfassend bedeutungslos, unglaublich bedeutungslos, unendlich bedeutungslos, überwältigend bedeutungslos .... obwohl diese Adjektive in der Schlusscoda für sich gesprochen wieder mal andeuten, dass die Bedeutungslosigkeit auch wieder recht beeindruckend gewesen sein muss.
 
 
 
Stuart Staples & Lhasa de Sela - That Leaving Feeling
  Von einer ganzen Platte, die von "leaving" handelt, 'Leaving Songs' vom Tindersticks Frontman. Seine Duettpartnerin, die mexikanisch-kanadische Sängerin Lhasa De Sella hat die schönste Stimme des vergangenen Jahres und sie haucht ihm die Message "Hau doch endlich ab, anstatt immer nur davon zu reden" rüber, er möchte aber lieber zuerst "alles in Ordnung bringen" ...
 
 
 
Die Regierung - Das Mädchen, das jeder will
  "Ihr denkt ihr wollt an meiner Stelle sein, ich denk ich wär lieber wieder allein" ... nicht nur wegen des Bandnamens hier dabei: Tilman Rossmy besingt die Leiden, die auch eine Zweckbeziehung unter Geeigneten und Beneideten erzeugen kann, wenn man nicht zusammen passt, wenn es sich nicht richtig anfühlt, wenn es nicht stimmt.
 
 
 
Lassie Singers - Mein Freund hat mit mir Schluss gemacht
  "... ich kann ihn nicht mehr leiden", wie später bei 'Schade' durchbricht die historische Berliner Urzelle von Frauenband die 'Cosmopolitan'-Klischees, hier wird der Stereotyp bekämpft, man müsste (vor allem als Frau) nach einer Trennung erschlaffen und vergehen. Im Gegenteil: "endlich, endlich wieder frei, bin ich nicht zu beneiden".
 
 
 
Rio Reiser - Junimond
  So wie es die Lassies selbstermächtigend kommentierten, hier das gleiche melancholisch-männlich-selbstmitleidig (mit Sax-Solo): "Es tut nicht mehr weh", obwohl man es nur dem Text, nicht aber der Melodie glauben will. Gibt es auch in einer (echt) guten Version der Kinderband 'Echt', der man solche Texte als 16-Jährige nicht ganz abnehmen wollte.
 
 
 
Smog - All Your Women Things
  Hätte er doch mehr acht gegeben, mehr Sorgfalt und Liebe aufgewendet, als sie noch hier war, jetzt sind nur mehr ihre Frauensachen da, sie liegen genau so da, wie sie sie gelassen hat. Jetzt ist sie weg und er kann nur mehr bereuen. Eine sechsminütige Eloge auf das, was man nicht hätte haben können, hätte man sich vorher nur darum geschert, anstatt danach die Folgen zu beweinen. Vom unterschätzten Düsteralbum 'Doctor came at dawn'.
 
 
 
Soko - I Kill Her
  Der klassische Revenge Song, Teil 1 , spätestens seit "like a rolling stone" gehört die Rache zum Break und die Perspektive, dass die Partnerin sich traut, mit jemandem anderen zusammen zu sein und damit auch noch Hoffnung auf Glück zu verbinden, ist für den Heartbrokenen oft noch schlimmer als die eigene Einsamkeit. Soko war mit dem Angebeteten auch gerade mal einmal im Kino und im Bett, er dann weiter zu einer Blondine, mit der er das gleiche macht. Umgebracht soll aber sie werden, nicht er.
 
 
 
Die Sterne - Ich bring euch beide um
  Der klassische Revenge Song, Teil 2. Ein befreundeter Religionswissenschaftler hat mir versichert, Neid sei die schlimmste der Todsünden, weil sie ausschließlich negativ motiviert ist und - anders als etwa Wollust oder Stolz - nicht einmal dem Sünder Positives einbringt, sondern für alle Beteiligten das Schlechte sucht. Frank Spilker sieht, dass die Seinige und der Neue übertrieben gut funktionieren, sich ergänzen und verbessern ( Zusammen sein heißt vielleicht: das was ihr habt), am Ende sogar ihr Vermögen vergrößern. Womöglich so gut, wie er es gar nicht gekonnt hätte.

 
 
Bright Eyes - You Will. You Will. You Will. You Will.
  Lauter nette Erinnerungen an die Jugendliebe, an Küsse im Dachboden der Eltern, an die Jugendliebe, die nicht woanders hin gegangen ist, sondern sich nur einfach so entfernt hatte. Ein Kapitel im Leben und in der Liebe, für dessen Scheitern niemand der beiden was dafür kann, das das Leben selbst über die Köpfe der Liebenden hinweg geschrieben hatte. Doch mit dem einem insistierenden Refrain geht das Lied erst los: Du wirst zu mir zurück kehren, du wirst, du wirst, du wirst, du wirst ...
 
 
 
Talking Heads - Don't worry about the government
  Eh nicht.
 
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick