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Wien | 18.5.2004 | 18:06 
Bits, Beats and Breaks.

Gerlinde, Glashuettner, Trishes

 
 
Vom Aufpassen und Abbrechen
 
Auf dem Türschild steht "Gynmed - Ambulatorium für Schwangerschaftsabbruch und Familienplanung". Die Möbel sind stilvoll, das Licht angenehm. Viele Patientinnen sind junge Mädchen, fast immer befinden sie sich in einer psychischen Notsituation.
Leiter des Ambulatoriums ist Dr. Christian Fiala, Facharzt für Gynäkologie: "Erst vor zwei Wochen hatten wir hier ein 15-jähriges Mädchen, das erzählt hat: ja, sie hätte die Pille, doch sie wäre in der Schublade versteckt, denn der Vater dürfe es auf keinen Fall wissen". Fiala hält es für einen Skandal, dass in Österreich Jugendliche erst einen Krankenschein von den Eltern erbitten müssen, sich dann ein Rezept vom Arzt holen, in die Apotheke pilgern und dort auch noch teures Geld für die Pille hinlegen müssen. "In manchen EU-Ländern ist die sogenannte 'Pille Danach' für Jugendliche rezeptfrei, und oft sogar gratis!".
 Beratungszimmer
 
 
Logik
  Als Facharzt für Gynäkologie sieht es Fiala als seine moralische Verpflichtung an, Schwangerschaftsabbrüche zu verhindern - und zwar präventiv, durch Aufklärung zur Verhütung. Diese Aufklärung ist vielen Menschen aber ein Dorn im Auge.
Als Fiala heuer Inserate zur Empfängnisverhütung in Zeitschriften schaltete, begann etwa die katholische "Human Life"-Gruppe, die Zeitschriftenverlage mit Beschwerden einzudecken. Ein Magazin gab dem Druck nach - das ÖAMTC-Clubmagazin "auto touring". Die Anzeige, in der von Pille, Kondom und Spirale die Rede ist, darf dort nicht mehr erscheinen. Der Stein des Anstoßes für ÖAMTC und Human Life: unter der Anzeige befinden sich Telefonnummer und URL von Gynmed.
Dass ausgerechnet ein "Tötungsarzt" - Zitat Mag. Dietmar Fischer von Human Life - sich dafür einsetzt, Menschen über Verhütungsmethoden aufzuklären und somit ungewollte Schwangerschaften zu verhindern, passt nicht in die Logik der radikalen Abtreibungsgegner.

 Vor dem Behandlungsraum
 
 
Engel oder Bengel
  Fiala: "Ausgerechnet in Holland, wo die Aufklärung über Verhütung am stärksten betrieben wird und Verhütungsmittel sehr leicht erhältlich sind, gibt es am wenigsten Schwangerschaftsabbrüche". Für Dietmar Fischer, den langjährigen Gegner Fialas, ist das jedoch kein glaubwürdiges Argument. Denn der Gynäkologe Fiala war es auch, der die "Abtreibungspille" Mifegyne von Frankreich nach Österreich gebracht hat. Fischer: "Tötungsärzte wie Dr. Fiala stellen sich immer gerne als Lichtengel dar, die weitere Tötungen verhindern und den Frauen helfen wollen. In Wirklichkeit sind sie nur darauf aus, noch mehr Geld zu verdienen." Verhütungsinserate wie jenes, das jetzt aus dem "auto touring"-Magazin geflogen ist, seien in Wirklichkeit nur Werbung für Abtreibungskliniken.

 The Chair
 
 
Halbwissen
  Problematisch ist für Human Life auch die Empfehlung des Gynmed-Ambulatoriums für die "Pille Danach". Von vielen wird die "Pille Danach" mit der "Abtreibungspille" Mifegyne verwechselt. Der Arzt Fiala erklärt: "Die 'Pille Danach' ist eine völlig andere Sache als Mifegyne. Sie wird einige Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen und verhindert dann den Eisprung. Ganz im Gegensatz dazu das Medikament Mifegyne, bei dem tatsächlich ein Schwangerschaftsabbruch stattfindet."
Die oftmalige Verwechslung ist für Fiala ein typisches Beispiel für gefährliches Halbwissen: "Einzig und allein mehr Verhütung und bessere Verhütung bringt am Ende weniger Schwangerschaftsabbrüche", so Fiala. Doch Österreich hinke in seiner Entwicklung bezüglich Verhütungsaufklärung der restlichen EU hinterher.

 Blick vom Behandlungsstuhl auf die Zimmerdecke
 
 
Geld her
  Führend in Europa ist Österreich dafür in Sachen Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch. In Salzburg etwa, wo einer von zwei Ärzten von Abtreibungsgegnern in den Ruin getrieben wurde, gibt es jetzt nur noch eine Arztpraxis, wo der Eingriff durchgeführt wird - um sagenhafte 650 Euro. Fiala kritisiert: "So teuer ist das nirgends sonst in der EU."

 Aufwachraum
 
 
Aufpassen
  In einem Punkt sind sich die katholischen HumanLife-Aktivisten und das Team des Gynmed-Ambulatoriums dann doch einig: Sexualität sei etwas Schönes und der Umgang damit solle verantwortungsvoll sein. Verantwortung aber ist für beide Seiten etwas Anderes: Human Life propagiert als einzig zulässiges Verhütungsmittel das Aufpassen (und zwar aufs Datum im Kalender).
Gynmed-Chef Dr. Fiala hat in den letzten Monaten statistisch erfasst, wie viele ungewollte Schwangerschaften auf welche Weise zustandegekommen sind: "Das erschreckende Ergebnis: mehr als die Hälfte der Patientinnen hatten kein Verhütungsmittel verwendet. Ich finde das unerträglich", sagt Fiala. "Natürlich könnten wir hergehen und sagen: 'wir verdienen das Geld mit den Abbrüchen, fertig.' Doch wir müssen etwas tun, so kann es nicht weitergehen."

 Dr. Christian Fiala
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  www.gynmed.at
Gynmed

www.hli.at
Human Life Österreich
   
 
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