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Wien | 23.6.2005 | 19:18 
Bits, Beats and Breaks.

Gerlinde, Glashuettner, Trishes

 
 
Checkpoint Bierdose
  Wer auf dem Flex-Gelände sitzen, aber sein Geld fürs Bier lieber beim U-Bahn-Kiosk lassen will, soll in Zukunft draußen bleiben. Die Änderung einer zehnjährigen Tradition des Flex erregt Unmut.

Knapp 10 Jahre Flex am Wiener Donaukanal: für viele ein Club, wo man Konzerte und DJ-Sets auf höchstem Niveau hört und dazu tanzt. In der warmen Jahreszeit aber sammeln sich Nacht für Nacht auch hunderte Menschen vor dem Gelände des Clubs. Konsumieren mussten sie bisher nichts und man durfte auch das eigene Getränk mitbringen. Damit ist jetzt aber Schluss: seit einigen Tagen stehen Sperren auf der Promenade und Flex-Personal kontrolliert nach mitgebrachtem Alkohol. Nicht jeder ist mit der neuen "Dosenbierkontrolle" einverstanden. Besucher beschweren sich über die Einschränkung eines liebgewordenen Freiraums.
Tom Eller, Gründer und Betreiber des Flex: "Diese Maßnahme ändert eigentlich nichts am grundsätzlichen Charakter des Flex. Es ist nach wie vor ein Freiraum, der allen offensteht. Es darf jeder durchgehen. Der einzige Unterschied ist, dass wir die Dosenbierschwemme, die zuletzt eskaliert ist, eingedämmt haben."
 
 
Treibstoff
  Vor kurzem hat in der U-Bahnstation über dem Flex der dritte Kiosk eröffnet, der sich auf den Verkauf von billigem Alkohol spezialisiert hat. Tom Eller: "Wir haben die Mitnahme eigener Getränke zehn Jahre lang toleriert, was sicher einzigartig ist. Doch in den letzten Wochen ist die Situation eskaliert. Es hat Tage gegeben, an denen von den 100 Tischen über 50 mit Selbstversorgern besetzt waren. In der Früh war alles voller Dosen. Doch Bier ist der Treibstoff des Flex, wir finanzieren alles mit Bier. Wenn uns dieser Treibstoff ausgeht, dann können wir nicht mehr existieren, dann müssen wir zusperren. Und dann können auch diese Dosenbier-Community-Leute nicht mehr kommen, denn sie benutzen ja unsere Infrastruktur, sie benutzen unsere Klos, unsere Bänke und auch unsere Securitys, wenn es mal Wickel oder sonst ein Problem gibt. Der Donaukanal ist 20 Kilometer lang, aber sie sitzen genau beim Flex - also hat es einen Grund, dass sie hier sind, und der ist das Flex - seine Infrastruktur und sein Image, und eben dieser tolle Freiraum. Aber Freiräume müssen erhalten werden, es ist ein Geben und Nehmen. Wenn man nur nimmt und nichts gibt, dann fuckt man Freiräume ab."

 
 
Wie definiert sich "Freiraum"?
  Als kulturelle Spielwiese, in der Musik gemacht und getanzt werden kann? Als öffentlicher Platz, an dem man einfach sitzen darf? Oder - für manche - als Alternative zum in Lokalen sonst üblichen Konsumzwang. "Schade, dass es so kommerziell geworden ist", sagt Flex-Besucherin A. "Ich geh ja nicht einmal rein ins Flex, ich will nur davor sitzen und mein Bier trinken."
Rechtlich gesehen ist auch der Bereich vor dem Lokal Teil des Flex, mit Ausnahme des Rad- und Fußweges. Bernhard Engleder, Donaukanal-Koordinator der Gemeinde Wien: "Der Bereich vor dem Flex ist eine Fläche der Donauhochwasserkommission. Daran sind beteiligt einerseits die Stadt Wien, und andererseits der Bund, und die beiden sind auch die Vertragspartner des Flex."

 
 
Wem gehören die Bänke und Tische?
  Tom Eller: "Die Bänke und Tische gehören dem Flex, über die Jahre finanziert aus Bier-Einnahmen. Wäre die U-Bahnbaustelle nicht da, dann wäre der Platz vor dem Flex wieder eine Durchgangsstraße und ich könnte den Dosenbier-Checkpoint in der jetzigen Form nicht machen, das ist klar. Dann würde ich auf die Flex-Tische Schildchen montieren, auf denen steht: 'Reserviert für Flex-Gäste'. Wir haben mit dem Grundeigentümer einen Vertrag, dass wir das Gelände betreiben dürfen, und wir haben natürlich auch Pflichten. Das heißt die Reinigungspflicht, die Aufsichtspflicht und die Pflicht, die Gewerbeordnung und die österreichischen Gesetze einzuhalten."
Zu diesen rechtlichen Verpflichtungen gehört auch das Verbot, Alkohol an unter Sechzehnjährige auszuschenken. Eller: "Einer der Alkoholhändler in der U-Bahnstation verkauft das gleiche Flaschenbier wie wir. Wenn ein Vierzehnjähriger vor dem Flex sitzt und das Bier von oben trinkt, kann ich meine Ausschankkonzession verlieren. Dazu kommt, dass die Alko-Kids sich das Bier oben um 1,50 Euro kaufen, und sich dann im Flex die 50 Cent Einsatz holen, was Betrug ist."

 
 
Security
  Bei manchen Besuchern herrscht nicht wegen der neuen Dosenbier-Kontrolle Unzufriedenheit: Einige beklagen sich über unseriöses oder aggressives Verhalten des Security-Personals. Der Flex-Betreiber räumt selbst ein, dass einige seiner Securities Kommunikationsdefizite beim Umgang mit Gästen haben. "Security ist immer ein Scheiß-Job. Wir haben fünf Securitys, aber oft 10.000 Besucher pro Woche auf dem Gelände. Das Personal macht Fehler. Ich bekomme sehr viele Mails. Ich verfolge jedes Mail, drucke es aus, gehe zu den Securitys hin, ich lade den Beschwerdeführer ein und versuche die Situation zu klären. Die Securitys haben also eine ständige Supervision. Sie haben Kommunikationsdefizite, das kommt aus einer anderen Geschichte: wir haben türkische Securitys, das kommt daher, dass wir vor 10 Jahren eine Belagerung von türkischen und jugoslawischen Dealern hatten.
Diese Defizite, die unsere Securitys haben, versuchen wir jetzt eben auszugleichen durch die Supervision. Beim Dosenbier-Checkpoint steht zum Beispiel immer ein/e Flex-MitarbeiterIn dabei, der/die kein Security ist."

 
 
Clubqualität
  Einerseits könnte man sagen: Die Qualität eines Clubs definiert sich über mehr, als nur die Möglichkeit, mitgebrachte Getränke vor dem Lokal zu konsumieren. Andererseits steht und fällt der Erfolg eines Clubs auch und vor allem mit der Qualität seiner Türsteher. Dem Flex, das am 1. Oktober sein zehnjähriges Bestehen am Donaukanal feiert, ist zu wünschen, dass es seine Beliebtheit auch in den nächsten zehn Jahren halten kann.
 
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  www.flex.at
   
 
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