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New York | 4.9.2008 | 11:03 
Süß/saure Geschichten aus dem Big Apple

Rotifer, Matthews, Ondrusova

 
 
Inflation im Briefkasten
  Es ist wie bei Donald mit dem Nachnamen Duck: Nach Rückkehr aus dem Urlaub wartet haufenweiße Ärger im Briefkasten, Ärger im Zusammenhang mit Rechnungen.

"Important News About Your Electric Bill", unheilverkünden die ersten Zeilen des Beipackzettels zur aktuellen Stromrechnung.

Zuvor, die Koffer noch nicht ausgepackt, hatte der flüchtige Blick auf die Zahlen am himmelblauen Papier namens Bill einen Anstieg um gut 20% gegenüber dem Vormonat vermuten lassen. Dann die Bestätigung im Klartext: "Con Edison anticipates that your August Electric bill will be approximately 20 percent higher than your July bill."

"Ah-Ha", denkt sich unsereins und ist noch nicht am Ende angelangt: "Overall, we expect summer 2008 (June - September) bills to be approximately 22 percent higher than summer 2007".

Nach dieser netten Begrüßung durch den Stromanbieter tappt man zunächst gemütsmäßig im Dunkeln, erinnert sich hell an eine sechprozentige Preiserhöhung im April und lässt die Gedanken zurückschweifen zu im Wortlaut ähnlichen Schreiben anderer Firmen anderer Kontinente derselben Branche.

Es ist Inflation, Baby - und die Globalisierung macht uns zu gleichberechtigten Briefempfängern.
 Donald unter Strom
 
 
Inflation, Baby
  Auch die Begründung des New Yorker Quasi-Monopolisten in Sachen Stromversorgung dürfte inhaltlich vertraut klingen: "You have heard about rising energy costs (haben wir). Sharp increases in the cost of oil, natural gas, and other fossil fuels have driven up the cost of producing the electricity that Con Edison buys for you and delivers to your home (haben wir erst jetzt mit Ausstellung der Rechnung)."

Der Stromgigant sieht sich also als Opfer größerer ökonomischer Zusammenhänge, auf die er scheinbar keinerlei Einfluss hat - höhere Gewalt sozusagen. Da ist es marktwirtschaftlich nur logisch und gerecht, dass sich der zu Schaden Gekommene am Endverbraucher schadlos hält - irgendjemand muss ihn ja tragen, den Schaden.

Ebenfalls logo: trotz deutlichem Umsatzplus im letzten Quartal lindert Con Edison die finanzielle Pein der Kunden um keinen Cent, schließlich ist man den Shareholders verpflichtet und alles andere als eine schnöde Community-Einrichtung.

 
 
Strom & Sparen
  Lumpen lässt sich das Unternehmen dann aber doch nicht: auf der Rückseite des Infozettels sind mehr oder weniger brauchbare Ratschläge für finanziell schwächelnde Kunden aufgelistet.

Man soll sich zum Beispiel nach alternativen Anbietern umsehen (die über die Infrastruktur jedoch direkt abhängig sind von Con Edison und für Privatkunden somit nicht wesentlich günstiger), oder einen zweimonatigen Rabatt in Anspruch nehmen (bei langfristiger Vertragsbindung) oder - ganz schlau - einfach Strom sparen.

Letztere Empfehlung ist in Bezug auf die Energieverbauchsweltmeister, die die US-Amerikaner nun einmal sind, pädagogisch durchaus sinnvoll, wenn auch nicht ganz selbstlos.

So absurd es klingen mag: profitabel wäre die sinkende Nachfrage in erster Linie für Con Edison selbst, da das Anhalten des erhöhten Verbrauchs der letzten Monate langfristig einen unverhältnismäßig teuren Ausbau des Servicenetzes notwendig machen würde, soll es nicht wieder zu einem Blackout kommen wie zuletzt 2003 (Con Edison hat sich erst unlängst offiziell für den flächendeckenden Stromausfall entschuldigt).

Und für eine dritte Strompreiserhöhung innerhalb eines Jahres fehlt den Stromkönigen von New York anscheinend dann doch der Mut.

 Important News
 
 
Donald ist Choleriker
  Und sollte man den treuherzigen Erziehungsmethoden durch den Energizer folgen: beim Stromsparen selbst kann man ordentlich ins Schwitzen geraten:

Laura Cardorette hat es ja versucht. Die ältere Dame wohnt in einem 2 Zimmer-Apartment in Jackson Heights in Queens. Im Sommer diesen Jahres hat sie erstmals auf den Stromfresser Nummer 1, die Klimaanlage, verzichtet, wie sie dem lokalen Boulevard-Blatt 'Daily News' erklärte. Was das für das eigene Wohlbefinden bedeutet, wissen alle, die im Juli oder August schon einmal einige Tage im Big Apple verbracht haben.

Immerhin ist ihre Stromrechnung bloß um 12 Dollar gestiegen ...

Trotz aktuell fallender Ölpreise am Weltmarkt: Über einen Preisnachlass jenseits der üblichen Absenkung nach den Sommermonaten ist aus dem Hause Con Edison noch nichts verlautbart worden.

Warum wohl werde ich bei der nächsten Stromrechnung umsonst auf einen Beipackzettel mit entsprechender Information warten?

 High Voltage Donald Duck
 
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