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New York | 6.9.2008 | 14:13 
Süß/saure Geschichten aus dem Big Apple

Rotifer, Matthews, Ondrusova

 
 
McCain im Österreichischen Wahlkampf?
  Flaggenwechsel bei den Republikanern. Und: die rührende Geschichte eines Kriegshelden.
 
 
 
Republican Red Meet
  Vier Tage Republican National Convention in St. Paul, das war eine Art Überlebenstraining für die Zuseher zuhause. Während der Fernsehübertragung sausten einem derart viele martialische Worthülsen um die Ohren, dass ich spaßhalber in Erwägung zog, hinter dem Wohnzimmersofa in Deckung zu gehen.

Die Reps präsentierten sich vor allem zwischen den Hauptrednern angriffslustig und servierten der Basis "Republican Red Meat". Rotes Fleisch, so nennen die Parteigranden nicht ohne Stolz die aggressive Bewerbung konservative Werte unter Schmähung des politischen Gegners und seiner liberalen Weltanschauung.

 
 
Country First
  Und dann diese eine Geschichte. Zwischen dem bellenden Pit Bull mit Lippenstift, den geworfenen Strohhüten, kollektiven "Drill, Baby, Drill" Rufen, den Feuerwerken und Salven von Convetti und Ballons, der Beschwörung von Gott, der Fahne und dem guten Land ("Country First"), dem Wechsel von Rock & Roll-Klassikern, Mainstream-Country und Heavy Metal, immer wieder die Erzählung vom selbstlosen Helden, der fünf Jahre Gefangenschaft in Vietnam überlebte, sich mehrmals für seine Kameraden aufopferte und allein schon deshalb der denkbar beste Kandidat für den Job des US-Präsidenten wäre: John McCain, a true American hero.

Die mantraartig wiederkehrende Erzählung vom Dschungel - in Reden, Clips und Kommentaren - sollte tief ins Bewusstsein sickern und die Visionslosigkeit der McCain-Kampangne in den Hintergrund schieben.

In dieser bösen Zeit, in dieser bösen Welt - so erfuhren die Zuseher auch tatsächlich in diesem Wortlaut - könne nur ein kampferprobter Held ein true leader sein.
 
 
 
Captain Koons
  Die Vehemenz, mit der dieser Narrativ den Teilnehmern und Zaungästen des Konvents eingebläut wurde, hat mich an eine Episode in Pulp Fiction erinnert. Es ist die rührende Geschichte von dem Jungen und der goldenen Uhr. Der von Christopher Walken dargestellte US-Offizier Captain Koons überbringt einem kleinen Jungen die Nachricht vom Tod des Vaters in Vietnam und offenbart zugleich ein sehr dunkles Familiengeheimnis.

Wer weiß, vielleicht hat McCains Geschichte Quentin Tarantino tatsächlich zu der Episode in Pulp Fiction inspiriert, schließlich war die Story des aus einer Soldatenfamilie stammenden McCain schon vor dem Wahlkampf weidlich bekannt.

Aber seht selbst:


 
 
Rotweißrote Reps?
  Für den Auslandsösterreicher gab es aber noch mehr zu staunen: Im Hintergrund der Bühne des XCell Centers in St. Paul befand sich ein riesiger Screen. Darauf wehte in regelmäßigen Abständen eine US-Flagge, teilweise auch in Naheinstellung.

So waren während der Reden zwar häufig keine Stars, aber zumindest einige Stripes zu sehen. Drei, um genau zu sein. "Ton ohne" konnte man so den Eindruck gewinnen, auf einer seltsamen Wahlveranstaltung in Österreich zu sein. Was da nämlich munter im Nacken von McCain und Co. flatterte, war die Rotweißrote Fahne.
 
 
 
 
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