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New York | 20.9.2008 | 18:27 
Süß/saure Geschichten aus dem Big Apple

Rotifer, Matthews, Ondrusova

 
 
McCain und die Golden Girls
  Wie die zickige Damenrunde der Fernsehshow The View die Ehre des amerikanischen TV-Journalismus zumindest vorübergehend gerettet hat.
 
 
 
Der Dude in mir
  Der Dude in mir bekommt bei einer TV-Sendung wie "The View" nicht nur auf der Haut Pusteln. Da kann sich der moderne Mann, der doch wohl hoffentlich auch in meiner Persönlichkeit wohnt, noch so aufgeklärt und anti-sexistisch abmühen (und diesbezüglich eh immer wieder versagen).

Diese Zickenrunde von einem Kaffeekränzchen, das der US-Sender ABC wochentags am späten Morgen in Millionen Haushalte sendet, lebt vom vertratschten Umschlag heißer politischer Themen und jeder Menge Gossip jene Klischees der Stutenbissigkeit und Catfights vor, die der Feminismus-freundliche Mann in mir als als Stereotyp des Patriachats zu enttarnen gelernt hat; der Dude aber fürchtet wie Milch ohne Wodka.

Dass die beiden Facettenmänner in mir letztens brüderlich zusammensaßen - nein, nicht vor dem Fernseher sondern am Computer - hatte mit Ausszügen einer Episode von The View zu tun.

Ich und er und er waren über das liberale Politportal Huffingtonpost.com auf die Zusammenfassung einer Sendung der Vorwoche gestoßen.

 Dude!
 
 
Die Ladies von The View in der Modefarbe dieses Herbstes, Dude!
 
 
The View & McCain
  Angeführt von der gouvernantenhaften Barbara Walters, die als erste TV-Morningshow Moderatorin der USA Fernseh-Geschichte schrieb und The View mitbegründete, nahmen die Co-Hosts (darunter Whoopi Goldberg) den in die Sendung geladenen Präsidentschaftskandidaten John McCain ordentlich in die Mangel.

Da krachte es so richtig im Gebälk der Wahlkampffloskeln.

Die Ladies waren alles andere als unparteiisch. Doch das tat ohnehin nichts zur Sache, denn sie fragten nach Grundsätzlichem. Die Damen vom Grill wollten zum Beispiel wissen, wer denn jetzt mit "Change Washington" eigentlich genau gemeint sei. Der Kriegsheld McCain, der Jahre lang im Senat die Mehrheit der republikanischen Beschlüsse mitgetragen hat, kam da sichtbar ins Lavieren - nicht nur, weil er sich den Slogan vom politischen Gegner ausgeborgt hat.

Was den Dude und den Modernen gleichermaßen entzückte, war die Hartnäckigkeit mit der die Golden Girls dem mittlerweile heftig gestikulierenden McCain in bester Journalistenmanier zusetzten und eine hohle Nuss nach der anderen zu Tage förderten.

Diese Suche nach der Substanz, dem politischen Gehalt, ist eine Bringschuld, die TV-Kollegen der Damenrunde immer seltener bereit sind zu leisten.
 
 
 
McJournalismus
  Oft hat man in den letzten Wochen vom Downfall des erzkonservativen Senders FoxNews und dem Comeback von CNN gelesen und gehört. Vom Erfolg des CNN-Election Center und seinem "Best Political Team on Television", das mithilfe modernster Studiotechnik einen schwindelerregenden Wirbel an Features, Statistiken, Meinungen und Clips über den Zuseher ausbreitet und ästhetisch an ein dynamisches Webportal mit Untermenüs und Featuers zum Durchklicken erinnert.

Dieses "beste politische Team" setzt sich aus Parteisprechern, CNN-Journalisten, Statistikern, Moderatoren und Politberatern zusammen, die bunt durcheinandergemischt und zeitweise über Monitore zugeschalten tagespolitische Themen des laufenden Wahlkampfes diskutieren.

Was sich selbt den Anschein gibt, ein Mehr an meinungsbildender Information und kritischer Aufklärung zu liefern, gerinnt in der TV-Praxis jedoch zu einer zähen politischen Auseinandersetzung zwischen Sympathisanten der Republikaner und Demokraten, in der es weniger um politische Inhalte als um wahlkampfstrategische Fragen und der momentanen Öffentlichkeitswirkung der Kandidaten geht.

 Best Political Team?
 
 
McCain in der Zange, Dude!
 
 
CNN- Best Political Team?
  Das Problem dabei ist weniger, dass die darin involvierten Journalisten parteiisch sind, also auch eine eigene Meinung vertreten, sondern, dass sie im Sog dieser geschwätzigen Lagerbildung zunehmend in die Rolle von Parteisprechern schlüpfen und die Argumente von Wahlwerbern wiederkäuen anstatt sie kritisch zu hinterfragen.

Das erinnert frappant an eine CNN-Sendung namens Crossfire, die ein gewisser Jon Stewart mit diesem Auftritt hier sprengte (die Show wurde kurz darauf abgesetzt). Doch bei Crossfire war zumindest allen Beteiligten klar, dass es sich um eine Debattier-Show mit Entertainment-Charakter handelte.

So werden im Format des "besten politischen Teams" aus Wahrheitssuchenden Konstrukteure einer eigenen Wirklichkeit, die vor allem eines nicht ist: von journalistischen Interessen geleitet.

Morgen dann als Franchise in aller Welt. Weil's ja immer so ist, mit Erfolgsgeschichten aus dem US-Guckkasten.

Da verneigen sich der Duke und der Aufgeklärte vor der Frauenrunde von The View und danken völlig unironisch für diesen kurzen und lichten Restmoment Journalismus in einer Kaffeetratschrunde, die gar keine Polit-Show sein will.

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  Auszüge von McCain bei The View
   
 
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