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  Österreich | 2.2.2003 | 10:27   

 
 
Lesestoff: 'S.C.U.M. Manifesto'
  von Martina Bauer
 
 
 
  Feminismus in seiner radikalsten Form, das ist das S.C.U.M. Manifest. 'S.C.U.M.' steht für Society For Cutting Up Men - zu deutsch: 'Gesellschaft zur Vernichtung der Männer'. Und wie so oft bei derartigen Abkürzungen verbirgt sich noch etwas anderes hinter dem Wort 'SCUM'. Im Englisch-Umgangssprachlichen verwendet bedeutet es nämlich soviel wie "Abschaum".

"Das Leben in dieser Gesellschaft ist ein einziger Stumpfsinn, kein Aspekt der Gesellschaft vermag die Frau zu interessieren, daher bleibt den aufgeklärten, verantwortungsbewussten und sensationsgierigen Frauen nichts anderes übrig, als die Regierung zu stürzen, das Geldsystem abzuschaffen, die umfassende Automation einzuführen und das männliche Geschlecht zu vernichten."

Mit diesen Worten beginnt Valerie Solanas 'S.C.U.M. Manifest'. Und damit lässt sich wohl auch schon ziemlich genau erahnen, was auf den kommenden rund 70 Seiten folgen wird.

Wer aber verbirgt sich eigentlich hinter S.C.U.M.? Im Grunde nur eine einzige Frau. Valerie Solanas selbst. Sie ist zugleich Gründerin und alleiniges Mitglied dieser Vereinigung.

 
 
I shot Andy Warhol
  So auch der gleichnamige Titel des Films von Mary Harron, in dem Lili Taylor die Solanas spielt.
Berühmt geworden ist Valerie Solanas nämlich nicht durch ihr Manifest, sondern dadurch, dass sie auf Andy Warhol geschossen hat.

Als sie eines Tages in New York auf Andy Warhol traf, witterte sie in seiner 'Factory' eine Chance - ihre Chance zum Durchbruch. Doch Warhol wurde die Radikalfeministin mit ihren Theaterstücken und dem S.C.U.M.-Gerede bald lästig. Valerie wurde aus der "Factory"-Gemeinschaft ausgeschlossen.

Schließlich kaufte sie sich von 50 geliehenen Dollar eine Pistole und feuerte am 3. Juni 1968 ihre Kugeln auf den Vater der Pop-Art ab. Er - ausgerechnet dieses Super-Neutrum - sollte der erste in einer langen Reihe von Männern - Politiker, Industriemagnaten, Wissenschaftler, Militärs, Journalisten, Börsenmakler - sein, die es auszuschalten galt. Denn das S.C.U.M.-Manifest proklamiert die reine Frauengesellschaft. "Ich habe eine Menge schwerwiegende Gründe", sagte Valerie Solanas bei ihrer Festnahme, "lesen Sie mein Manifest, und Sie wissen, wer ich bin."
 
 
 
Wer also war Valerie Solanas?
  Eine Männerhasserin, eine Irre? Vielleicht.
Basis des S.C.U.M.-Manifests jedenfalls ist die Überlegung, dass der Mann eine biologische Katastrophe sei. Eine unvollständige Frau, da das männliche Y-Gen ja nur ein unvollständiges weibliches X-Gen ist. Oder, wie Solanas es formuliert: Mann sein heißt kaputt sein.

"Er ist ein vollkommen isoliertes Einzelwesen, unfähig zu irgendwelchen Beziehungen mit anderen. Seine Reaktionen kommen aus den Eingeweiden, nicht aus dem Gehirn; seine Intelligenz ist lediglich Werkzeug seiner Triebe und Bedürfnisse; er ist unfähig zu geistiger Leidenschaft, geistigem Kontakt. Für ihn gibt es nichts außer seinen eigenen physischen Sensationen."

Ein Leben lang - so Solanas - versucht ein männliches Wesen also zu kompensieren, dass es keine Frau ist. Und mit diesem Frau-sein-Wollen geht auch die Unterdrückung des weiblichen Geschlechts Hand in Hand.

 Valerie Solanas
 
 
  Das S.C.U.M.-Manifest - dieses misanthropische Evangelium der Valerie Solanas - ist ein hasserfülltes, wütend hingefetztes Pamphlet. Satirisch? Verrückt? Pathologisch? Eines sicher: lesenswert.
 
 
 
  Valerie Solanas: Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer
Aus dem Amerikanischen von Nils Lindquist
Maro Verlag, 1996
(109 Seiten)
 
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