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  Österreich | 25.1.2006 | 18:11   

 
 
"Man muss sich selbst treu bleiben."
  Momentan läuft "Inside Deep Throat" in den österreichischen Kinos und zeigt, wie der erste große und der erfolgreichste Pornofilm aller Zeiten "Deep Throat" 1972 rezipiert wurde und Politik und Gesellschaft gleichermassen aufgemischt hat. Die weitere Entwicklung - post-deep throat - wird am Ende der Doku angedeutet - die Pornoindustrie ist seither rasant gewachsen, tausende Porno-Filme werden jährlich gedreht und insgesamt ist das sogenannte "Adultentertainment" ein
großes Business.

Eine, die da mitmischt ist die Österreicherin Renée Pornero. Mit 21 ist Renée ins Geschäft eingestiegen und ist heute die bekannteste österreichische Pornodarstellerin, die jetzt aber plant, die Position zu wechseln und in Zukunft lieber hinter der Kamera stehen will. Heute war Renée bei Claudia Unterweger in Connected zu Gast, um über ihre Erfahrungen in der Pornobranche zu erzählen.
 
 
 
  CU: Warum entscheidet man sich als Frau, Pornos zu machen? Worin liegt für dich persönlich der Reiz da mitzutun?

RP: Ich schätz, dass bei mir das Grundlegende war, dass ich in der Schule das Mauerblümchen war und irgendwie nie die Aufmerksamkeit gehabt habe. Zumindest hab ich nach den ganzen Jahren das Gefühl, dass das schlussendlich das Ausschlaggebende war. Ich hab angefangen mit Fotos, und war von vorneherein immer im Hardcorebereich; das hab ich neben der Schule schon gemacht, um mir ein bisschen Taschengeld zu verdienen. Und ich bin draufgekommen, dass das recht simpel ist, und hab mir auch selbst auf den Fotos irrsinnig gut gefallen. Und es ist dann mehr oder weniger der nächste Schritt, dass man dann zum Film geht. Nachdem ich dann einmal vor der Kamera gestanden bin, hab ich bemerkt: das ist interessant, das macht Spaß. Vor allem, wenn man mit professionellen Leuten arbeitet.

CU: Wenn du sagst, du bist von Vornherein bei den richtigen Leuten gelandet: du hast soweit ich weiß ja vier Jahre lang vor allem in den USA gearbeitet und als Pornodarstellerin in vielen Gonzo-Movies mitgewirkt. Ich muss gestehen, ich hab mich vor unserem Gespräch erst mal informieren müssen: "Was sind Gonzo-Movies?" - Könntest du das in wenigen Worten beschreiben?

RP: Also es gibt die grobe Unterscheidung zwischen Gonzo-Produktionen und Features. Features sind jetzt mehr diese High-Budget-Filme, wo wirklich viel Kohle investiert wird und die Mädels wirklich sehr glamourös aussehen und alles sehr ästhetisch ist. Da gibt es auch eine grobe Handlung, sagen wir mal so. Und bei Gonzo geht es dann wirklich nur um den Sex. Da ist dann 100% Hardcore, da kommen dann die Männer auch nackt in die Szene und dann gehts rund.

 Claudia Unterweger
 
 
  CU: Beeinflusst dein Job deine Beziehungen im Privatleben?

RP: Es hat eigentlich schon recht großen Einfluss - insbesondere auf die Partnerschaften. Ich war in einer langjährigen Partnerschaft, und man kriegt sich dann irgendwann in die Haare. Da gibt es gleich mehrere Gründe. Erstens einmal Eifersucht, den großen Männern gegenüber. Und allgemein, wenn man Erfolg hat, ich sag einmal, das ist in einer Beziehung sowieso schwierig. Es kommt dann noch viel dazu, es verändert sich ja das Sexuelle auch. Weil der Partner dann gewisse Ansprüche hat. Weil er sieht, was ich vor der Kamera alles mache und so von wegen ich müsste dann ja auch privat Lust dazu haben. Aber ich hab jetzt ja keine Gang-Bangs zu Hause, so ist das ja jetzt nicht. Das geht schon deswegen nicht, weil ich zu Hause eben nicht mit zwei, drei Männern rummach. Ich hab da einfach lieber normalen Sex. Einfach guten Sex. Weil den hat man vor der Kamera nicht in dem Sinn. Weil man ja zuviel technisches Rundherum hat und die ganzen Leute, und da wird auch gleich Cut gerufen, sobald du irgendwie Vergnügen dran hast.

 Renée Pornero
 
 
  CU: Ich entnehme deinen Worten, dass das dann doch nicht so auf Lust basiert, wie das inszeniert ist.

RP: Vor allem die Stellungen sind so dermaßen unbequem, das ist ein reiner Zirkus eigentlich. Vor allem in diesen Gonzo-Produktionen halt, wo es wirklich hart zur Sache geht. Da richte ich mich als Darstellerin auch nach dem Mann. Weil wenn's dem gut geht und der gut aufgebaut ist, dann geht die Szene auch wesentlich schneller. Wenn der Schwierigkeiten hat, dann gibt's da gröbere Probleme. Dann gibt's da wieder Wartezeiten, der muss wieder aufbauen und hin und her. [...] Und von da her richte ich mich nach denen und sag, okay, wir machen die Szene jetzt ganz gemütlich durch und dann hab ich vielleicht im Nachhinein Rückenschmerzen oder sonst irgendwas und ich hatte jetzt vielleicht keinen Orgasmus, okay. Den hol ich mir dann halt zuhause.
 
 
 
  CU: Ich muss sagen, persönlich schau ich eigentlich kaum Pornos. Weil mich vor allem die Darstellung von Frauen in diesen Filmen nervt. Das ist halt immer dieses Klischee, vor allem passiv und Sexobjekt. Wie siehst du als Darstellerin die Art und Weise wie Frauen da rüberkommen in Pornos?

RP. Ich hab eigentlich nie ein Problem damit gehabt, auch wenn ich Pornos anschaue; ich hab nie das Gefühl gehabt, dass Frauen unterdrückt werden, weil es gibt auch Frauen, die das mögen. Ich mag persönlich auch diese Rollenspiele. Ich versteh das schon, dass das ein bissl hart gesehen wird und dass die Leute das Gefühl haben, dass die Frauen unterdrückt werden. Aber ich seh da auch eine Wandlung mittlerweile, es gibt auch diese ganzen Femdom-Filme, wo Frauen die Überhand haben. Lustigerweise wird auch das von den Männerns sehr gern gesehen. Ich hab einige von diesen Streifen gemacht und hab sehr gutes von Männern Feedback bekommen. Also auch die Männer haben eine leicht devote Ader.

 
 
  CU: Du siehst also einen wachsende Markt für Pornos für Frauen.

RP: Absolut, ja. Es gibt auch einige Regisseurinnen mittlerweile, bei uns ist das noch nicht so im Kommen, aber in den Staaten. Man merkt da auch schon, dass die das mit viel Gefühl machen und sich überlegen, was könnte frau wollen, weil ich hab von vielen Frauen mitbekommen, dass sie mehr diese Andrew Blake, Michel Ninn Schienen mögen, dieses sehr ästhetische, wo viel Slow-Motion ist und die Frauen immer sehr schön aussehen. Da findet eigentlich kein wirklicher Sex statt, das ist ein reines Teasing. Ich find die Filme sehr schön anzusehen, aber das ist jetzt nichts, wo man sich aufgeilen kann. Ich weiß jetzt nicht, warum Frauen sich Pornos anschauen, aber ich schätz mal, aus den gleichen Gründen, wie die Männer - und wenn ich mir jetzt was raussuch, wenn ich mit meinem Freund im Bett bin, dann will ich mir auch was ansehen, wo wir dann Spaß danach haben und was irgendwie inspirierend ist und wenn, dann mag ich persönlich auch die ganz harten Sachen. Also nicht die, wo die Frau unterdrückt wird, aber wo man merkt, dass sie richtig bei der Sache sind und dass das wirklich mit Leidenschaft ist.
 
 
 
  CU: Jetzt gibt es zum Beispiel Annie Sprinkle, die eben früher auch Pornodarstellerin war und dann begonnen hat, selbst Pornos zu drehen - quasi feministische Pornos und sie sagt, Pornos für Frauen machen, ist ein befreiender Akt. Du selber produzierst jetzt gerade selbst deinen ersten Porno.

RP: Ja, ich mach zur Zeit eher Auftragsproduktionen, um selbst mal die Erfahrung zu machen, wie das ist, wenn man produziert Es geht auch viel um den Soundtrack, das war mir immer schon ein Anliegen, dann, dass die Frauen nach dem Sex auch immer noch gut aussehen und dass man die richtige Mischung findet, zwischen Ästhetik und gutem Sex. Und das ist nicht so einfach, wie man sich das vorstellt, v.a. muss man auch die entsprechenden Darstellerinnen haben, die das auch rüberbringen können. Aber ist ist halt auch das Problem, dass die Mädels immer jünger werden.

 
 
  CU: Wie alt warst du, als du bekonnen hast?

RP: Ich war 21, ich war spät dran, eigentlich. Die meisten fangen schon mit 18 an, wobei die sind dann auch mit 20 schon verbraucht, weil die irrsinnig viel drehen und irgendwann ist das dann auch wieder vorbei, weil die neue Gesichter haben wollen. Die kommen dann auch nicht ganz zu Rande mit dem Ganzen, weil sie in der kurzen Zeit so dermaßen viel Geld machen, das aber dann auch ganz schnell wieder weg ist, weil alles ist so toll und klasse jetzt vor allem mit den Leuten in der Branche - die meisten der Mädels sind auch recht naiv muss ich sagen - sie lassen sich viel einreden. Man muss halt schon wissen, wie man seinen Weg da macht in der Branche, weil sonst ist man schnell wieder weg vom Fenster.

CU: Gibt's eigentlich eine Art Alterslimit als Pornodarstellerin, im Sinn von viel fangen sehr jung an und sind nach ein paar Jahren fertig. Hast du das Gefühl, jetzt nach ein paar Jahren, reichts dann bald?

RP: Das kann verschiedene Einflüsse haben, viele hören ja auch auf, weil sie einen neuen Freund haben und der das nicht möchte oder weil sie sich selbst vor der Kamera nicht mehr gefallen oder weil halt keine Buchungen mehr reinkommen. Aus der Erfahrung weiss ich, dass es nach zwei, drei Jahren einfach vorbei ist und es bedenken viele nicht, dass es ja danach weitergeht und man sich was überlegen muss, v.a. wenn das Umfeld weiss, was man gemacht hat, das ist dann nicht unbedingt immer einfach. Ich hab jetzt nie Schwierigkeiten gehabt zum Glück. Die meisten verheimlichen es und dann sehen es die Verwandten und Bekannten irgendwo im Sexshop. Man muss das mit sich selbst vereinbaren und wissen, was man will, das ist das allerwichtigste in der Branche, dass man sich selbst auch treu bleibt.

CW: Danke für das Interview.
 
 
 
"Die Wahrheit über Deep Throat"
  Übrigens, in Sachen "Inside Deep Throat", die Autobiographie von Linda Lovelace, die sie 1980 veröffentlicht hat und damit ein ganz anderes Bild von Entstehung und Umfeld von "Deep Throat" zeichnet, ist neuaufgelegt worden: "Die Wahrheit über Deep Throat", aus dem Amerikanischen von Juscha Zoeller, erschienen bei Heyne Hardcore.

 
 
+++Update, 27. Jänner ++++
  Hier gibt es jetzt das völlständige Interview mit Rennee Pornero zum Nachhören, ebenso den Beitrag zu Linda Lovelace' Buch "Die Wahrheit über Deep Throat".
 

 
audio
 
title: Inside Porn Industry (Teil 1)
length: 11:09
Linda Lovelace - Die Wahrheit über Deep Throat und Interview mit Rennee Pornero (Teil1)
MP3 (10.693MB) | WMA
   

 
audio
 
title: Inside Porn Industry (Teil2)
length: 10:29
Interview mit Rennee Pornero (Teil 2)
MP3 (10.051MB) | WMA
   
 
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