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  Österreich | 31.1.2007 | 09:50   

 
 
Österreichs Neonazi-Szene
  Mit der "Foto-Affäre" um FPÖ-Chef Heinz Christian Strache ist die österreichische Neonazi-Szene der 80er, 90er Jahre wieder im Blickfeld der Öffentlichkeit. Namen und Organisationen wie Gottfried Küssel oder Norbert Burger, VAPO oder Langenloiser Kameradschaft.

Die Profil Journalistin Christa Zöchling recherchiert seit Jahren zur rechten Szene, hat auch im aktuellen Profil einen Artikel rund um die Strache-Affäre publiziert.

Im Gespräch mit Veronika Weidinger skizziert Christa Zöchling die Situation und Strukturen der rechten Szene in Österreich rund um 1990.
 
 
 
Bild: APA/ROBERT JAEGER
 
 
  Christa Zöchling: "Die Neonazi Szene zu dieser Zeit stand vor dem Problem, dass da einige Anhänger verurteilt worden sind nach dem NS Verbotsgesetz - wegen Verwendung von Hitler-Symbolen, Hakenkreuz, Flugblätter, in denen der Holocaust geleugnet wird - und es gab einige Anträge von der Staatsanwaltschaft auf Verbot von bestimmten Organisationen wegen Wiederbetätigung. Dazu gehörte zB die Aktion Neue Rechte, die an der Hochschule, ich sag jetzt mal, ihr Unwesen trieb, dazu gehörte auch die NDP vom mittlerweile verstorbenen Herrn Burger, mit dessen Tochter Herr Strache eine Zeit lang liiert war - und andere kleine Gruppierungen. D.h. diese Szene hatte das Problem, dass ihre Organisationen verboten waren, gleichzeitig wollten sie aber ihre Propaganda weiter betreiben, sie mussten also das Verbot umgehen, zu dieser Zeit ist auch der Kühnengruß in Österreich entstanden. Die, die es verstehen wollten, die haben es verstanden. Auch zu dieser Zeit ist die VAPO entstanden, deren Prinzp war, dass es keine offiziellen Mitglieder gab, aber es gab Bereichs- und Gauleiter und Stellvertreter und Verantwortliche für die Wehrsportübungen, die sehr organisiert über die Bühne gegangen sind."
 
 
 
  VW: "Stichwort VAPO oder auch die Langenloiser Kameradschaft, die oft mit Herrn Schimanek in Verbindung gebracht wird. Wie waren die aktiv, was ist da passiert?"

Christa Zöchling: "Es wurde, so Mitte der 80er Jahre, in Orten, wo es eine Neonazi-Szene gab, wo junge Leute ansprechbar waren für sowas, sogenannte Kameradschaften gegründet. Das waren Zirkel von 10-15 Leuten mit einem Leiter. Die haben sich zu Kameradschaftstreffen getroffen, mit ideologischen Schulungen, es gab monatliche Gauappelle und eben diese Wehrsportübungen, also ein Training dafür, wie man Gegner, das heißt Vertreter des verhassten Systems, Linke, Kommunisten, Ausländer, besiegt und niederprügelt."

VW: "Das Ziel von solchen Gruppierungen war ja schon, den österreichischen Rechtsstaat außer Kraft zu setzen oder auch das vierte deutsche Reich, oder?"

Christa Zöchling: "Im Zuge der Briefbomben-Prozesse wurde ja die ganze rechte Szene durchkämmt - und da ist man erst auf sehr viele Geschichten draufgekommen. Es gab vorher immer wieder Anzeigen und da hat man dann auch Unterlagen gefunden, Schulungsprogramme. Und die Philosophie der VAPO, der Truppe an deren Spitze Küssel stand, war die Wiedererrichtung der NSDAP und Machterringung durch die NSDAP".
 
 
 
Verbindungen der FPÖ zur Neonazi-Szene?
  Beim Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands geht man nicht davon aus, dass die Fotos, die den heutigen FPÖ-Chef Heinz Christian Strache in Uniform zeigen, bei den "Langenloiser Wehrsportübungen" entstanden sind. Alarmiert zeigt sich das DÖW trotzdem - Strache selbst hat sich gestern in einer Grundsatzerklärung von allen Formen des Extremismus distanziert und betont, ein "reines Gewissen" zu haben. "Ich war nie ein Neonazi und werde nie ein Neonazi sein." Aber gibt es Verbindungen zwischen der FPÖ und der Neonazi-Szene?
 
 
 
  Christa Zöchling: "Man kennt sich - ich glaube so kann man das am präzisesten ausdrücken. Die Verbindung funktioniert so: Es gibt Burschenschaften, die haben ein sehr nationales Selbstverständnis, wiederum einzelne Leute dieser Burschenschaften sind in Gruppierungen aktiv wie zum Beispiel der "Aktionsgemeinschaft für eine freiheitliche Politik". Die haben sich vor allem vorgenommen, die Wahrheit über Geschichte zu präsentieren, die betreiben Geschichtsrevisionismus und sagen, es gab keine sechs Millionen tote Juden, und das mit der Vergasung ist auch nicht ganz so sicher. Es ist meistens nicht so explizit, dass man es nach dem Verbotsgesetz anklagen könnte, aber es taucht oft in Form einer Fragestellung auf. Über solche kleineren Zeitschriften oder Organisationen, die Veranstaltungen unternehmen sind oft personelle Kontakte auszumachen zwischen FPÖ über Burschenschaften bis hin zum auch ungeregelteren rechten Rand."
 
 
 
Das gesamte Interview im Podcast
  Das gesamte Interview von Veronika Weidinger mit Christa Zöchling gibt es im FM4 Interview Podcast als Download.

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