fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
  Österreich | 22.2.2007 | 05:30   

 
 
Schwangerschaftsabbruch in Österreich
  von Veronika Weidinger

Bis in die 70er Jahre war in Österreich ein Schwangerschaftsabbruch unter Strafe gestellt, geregelt mit dem §144 aus der Zeit Maria Theresias, der nach dem Zweiten Weltkrieg wieder eingeführt worden war.
 
 
 
Mein Bauch gehört mir!
  Eine Legalisierung der Abtreibung war schon in den 1920er Jahren eine zentrale Forderung der Arbeiterinnenbewegung. Dieses Recht der Frauen auf Selbstbestimmung war Anfang der 70er Jahre das Thema einer internationalen und sich in Österreich gerade formierenden Frauenbewegung. Mit Slogans wie "Mein Bauch gehört mir" oder "Ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine" haben sie für das Recht von Frauen auf Abtreibung protestiert.

Bis dahin war es auf Grund der konservativen Mehrheit nicht möglich, diese Forderung durchzusetzen, und auch Anfang der 70er gibt es harte Kontroversen, als die SPÖ-Alleinregierung den §144 schließlich kippt.
 
 
 
 
 
Fristenregelung
  Seit 1975 ist die Abtreibung durch die sogenannte "Fristenregelung" geregelt. Ein Schwangerschaftsabbruch ist in Österreich seither bis zum 3. Monat straffrei gestellt. Straflos bleibt ein Abbruch auch dann, wenn eine zu befürchtende "ernsten Gefahr" für das Leben von Mutter oder Kind besteht, bei der Gefahr, dass das Kind geistig oder körperlich schwer geschädigt sein würde oder wenn die Schwangere zur Zeit der Zeugung unmündig war.

Nur in wenigen Ausnahmefällen übernehmen die Krankenkassen die Eingriffe, die jeder Arzt, jede Ärztin vornehmen kann. Allerdings ist kein/e dazu verpflichtet, es sei denn, es besteht unmittelbare Lebensgefahr für die Frau.

Auch heute noch ist es vor allem für Frauen in ländlichen Gebieten nicht leicht, Abtreibungsmöglichkeiten zu finden, und es existiert ein Ost-West-Gefälle. So gibt es in Wien neun Ambulanzen und Krankenhäuser, die Abbrüche anbieten, in Vorarlberg lediglich ein Ärztehaus in Bregenz.

Eine offizielle Statistik über die Anzahl von Schwangerschaftsabbrüchen liegt nicht vor, laut Schätzungen kommt es zu rund 30.000 - 40.000 Abtreibungen pro Jahr.
 
 
 
 
 
International
  In den meisten EU-Staaten ist ein Schwangerschaftsabbruch ähnlich wie hierzulande geregelt. Nur in Malta, Polen, Irland und Portugal gelten strengere Abtreibungsgesetze. Dort ist ein Abbruch zur Zeit nur erlaubt, wenn eine Frau vergewaltigt wurde, ihr Leben in Gefahr ist oder das Kind schwer behindert zur Welt kommen würde. In Portugal zeichnet sich allerdings eine Liberalisierung ab, dort hat am 11. Februar bei einer Volksabstimmung die Mehrheit für eine Gesetzesänderung ausgesprochen.

Restriktive Gesetze gelten auch in den meisten Ländern Afrikas und Südamerikas sowie in weiten Teilen Asiens. Frauen, die sich gegen eine Schwangerschaft entscheiden sind dort auf illegale, oft unsachgemäß durchgeführte Abtreibungen angewiesen, die für die Frauen oft katastrophale Folgen haben: Alle sieben Minuten stirbt eine Frau auf dieser Welt an den Folgen eines illegal und medizinisch nicht korrekt durchgeführten Schwangerschaftsabbruchs. Eine unsichere Abtreibung ist weltweit die häufigste Todesursache schwangerer Frauen.
 
 
 
  Beratungsstellen:

www.oegf.at
www.firstlove.at
www.fem.at
www.geilundsafe.at
www.fgz-linz.at
 
 
 
  Infopages zu Verhütungsmitteln:

www.prowoman.at
www.verhuetung.at
www.pille.at
www.pille-danach.at
 
 
 
  Geschichte der Fristenlösung
aufgearbeitet im Rahmen der Ausstellung "frauen sichtbar machen" - Grundlagentexte zur Ausstellung von Li Gerhalter und Heidi Niederkofler.
 
 
 
  "Und was wenn doch?"
Ein Spezialtag auf FM4 zum Thema Verhütung und Schwangerschaftsabbruch
am Donnerstag, 22. Februar 2007

Das Programm zum Spezialtag.
 
fm4 links
  Schwangerschaftsabbruch in Österreich
Bis in die 70er Jahre war in Österreich ein Schwangerschaftsabbruch unter Strafe gestellt, geregelt durch den §144 aus der Zeit Maria Theresias.

"Der Embryo ist zum Superstar geworden."
Ein Interview mit der Bio-Ethikerin Katharina Lacina über die Definition von menschlichem Leben, reproduktive Autonomie und den Fetisch-Charakter des Embryos.

Und was wenn doch?
Am Donnerstag, 22. Februar widmet sich FM4 einen ganzen Tag lang dem Thema Verhütung und Schwangerschaftsabbruch.

Zuhören.
"Als ob ich zu blöd wäre, auf eine andere Art und Weise zu verhüten." - Statements zum Thema
   
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick