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  Österreich | 27.5.2007 | 14:15   

 
 
Im sicheren Hafen
  von Kathrin Kaufmann

Bei der Ankunft an der Seewiese im oberösterreichischen Kleinreifling waren wir zwar schweißgebadet, aber dafür sehr entzückt vom Anblick: ein kleiner See mit Steg inmitten grüner Berghügel, daneben ein fast familiäres Festivalzelt und Sonne, Sonne, Sonne. Es hat so ausgesehen, als hätte sich der Wunsch nach einem Nichtregendeal mit den Wettergöttern, den Kollegin Nina Hofer letztes Jahr geäußert hat, erfüllt. Die Eröffnungsband Shakadelix hatte es noch schwer, die Leute mit Reggae vom See wegzulocken.
 
 
 
 
 
  Aber nur der frühe Seewiesenbesucher fing den Sonnenstrahl: Wer um vier erst angereist ist, kommt genau richtig zum ersten Regenguss. Aber auch zu Killed by 9V Batteries, der neuen österreichischen Lieblingsnachwuchsband in Sachen energetischer Noisegitarren. Nach dem Eröffnen für Maximo Park und dem Auftritt am Donaufestival sollte die Seewiese für die Band eigentlich eine "gmahte" sein, aber Sänger Wolfgang Möstl konnte das noch spärlich vorhandene Publikum noch nicht so recht zum Mithüpfen bewegen. Der rohe Sound passt halt doch besser in den Nachtclub als in ein nachmittägliches Partyzelt.
 
 
 
 
 
  Someone Still Loves You Boris Yeltsin aus Missouri starteten mit poppigen Klängen und waren erst ziemlich brav unterwegs. Ihre durchdachten Songs wurden aber zusehends rockiger, die Jungs setzten auf Publikumskontakt und hüpften von der Bühne, und während sie spielten, füllte sich das Zelt. Gegen Ende des Auftritts tanzte das Publikum sogar mit zum Indiepop der symphatischen Amerikaner und es gab zum ersten Mal Jubel an diesem Abend -zumindest im großen Zelt.

 Someone Still Loves You Boris Yeltsin
 
 
Dazwischen ist the new main
  Denn außerhalb, unter einem 2x2 Meter Partyzelt am See, spielte sich ein völlig anderes Auftrittskonzept ab: Fuzzmann und Crazyhorse lieferten Zwischenspiele und fanden auf Anhieb ihre Fans. Immer wenn auf der großen Bühne umgebaut wurde, packten die beiden Gitarre und Posaune aus und gaben Fuzzmanstücke und Coverversionen zum Besten. Auch öfter mal die gleichen am Abend, immer unterbrochen von Diskussionen mit den Umstehenden, Ansagen und Schmähs.
 
 
 
Fuzzman
 
 
Im Wohnzimmerzelt
  Das Konzept ging auf, verschiedenste Leute schauten vorbei, klinkten sich ein, versammelten sich im Kreis um die zwei Musiker und nahmen Teil an der intimen Party. Das kleine Wohnzimmerzelt war dekoriert mit selbstgemalten Bildern von Crazyhorse, die Pferde aus allen Perspektiven zeigten, mit Rahmen im Fuzzman-Mützenstyle, gestrickt von Mama Funny Fan. Beim letzten Auftritt des Abends konnten die Stammgäste bei der neuen Single "Fold your Hands for Love and Peace" schon mitsingen und "It's the End of the World" ging in die fünfte Improvisation. Fuzzmans Party schwankte zwischen Schmäh und Melancholie: Denn nach dem siebten Bier ist man traurig, so ist das Leben. Sagt Fuzzman. Den letzten Song des letzten Zwischenspiels singt er dann auch für Hannes, den verstorbenen Gitarristen. Nämlich Ihrer beider Lieblingssong von Sebadoh.
 
 
 
  Während Fuzzman draußen lo-fi berührt, setzen Plus/Minus aus New York auf der Hauptbühne den gestriegelten US-Indiepop der Vorgänger S.S.L.Y.B.Y. fort, aber nicht ganz so erfolgreich. Zu ihrer braven Collegerockmanier schlief die Stimmung wieder etwas ein. Erst zu den noisigeren Passagen und als die Jungs, die zum ersten Mal in Europa touren, mehr Selbstbewusstein entwickelten, sprang der Funke zum Publikum über.

Geholfen hat wohl auch der wieder stärker einsetzende Regen, der mehr Leute ins Zelt zu den Unbekannten zwang. Sänger James Baluyut versuchte mit etlichen Deutschphrasen zu beeindrucken, aber auf Fragen, wie denn das Käsekrainer schmecke und wie spät es sei, erhielt er leider keine Antwort. Eigentlich schade, denn Potential hat diese Band, sie sind nur live noch etwas poliert und schüchtern.
 
 
 
Plus/Minus
 
 
Junge Römer
  Bei Garish war die Stimmung dann wieder top, die Burgenländer haben auch beim Seewiesenpublikum eine breite Fanbasis. Vor allem das Falco-Cover "Junge Römer" brachte die Menge zum Jubeln.
 
 
 
Garish
 
 
Flamenco und New Wave
  Das Highlight im großen Zelt waren Apostle of Hustle. Andrew Whiteman, Lead-Gitarrist bei Broken Social Scene, brachte Rhythmen und Klänge aus der ganzen Welt nach Kleinreifling. Der mit Flamenco, äthiopischen Basslinien und New Wave versetzte Gitarrenrock gefiel auf Anhieb. Was all die bits und pieces an Folkloreeinflüssen und Rhythmuswechseln zusammenhält, ist Whitemans Gitarrespiel, das über jeden Song herrscht und mit dem er den restlichen Musikern den Kurs vorgibt. Tanzbaren Beats, vertonten spanischen Gedichten und Noiseausbrüchen verleiht der Gitarrenmeister so einen Bogen, eine gemeinsame Richtung. Dazu gabs seltene Percussioninstrumente wie den Cajon, eine Art Holzkasten mit Nägeln, auf dem Percussionist Dean Stone sitzt und draufschlägt. Das Publikum kriegt nicht genug der meisterhaften Mischung, aber nach einer Zugabe, dem flamencolastigen "Haul Away", ist Schluss.
 
 
 
Apostle of Hustle
 
 
Heim in den Hafen
  Die Stimmung bei Jeans Team erreicht dann doch schon zeltfestähnliche Zustände. Mehr torkelnde als tanzende Fans, Euphorie allerorts und ein passendes Ende für ein äußerst nettes Festival. Für das Jeans Team war der Abend da noch nicht zu Ende, als DJs beehrten sie noch den FM4 Klub am Linzfest.
 
 
 
Jeans Team
 
 
  Mit den Klängen der letzten Jeans Teams Nummer im Ohr, segeln die Besucher über den kleinen See heim in einen sicheren Hafen, und freuen sich aufs nächste Mal Seewiesen.

Alle Fotos: Christoph Zachl
 
 
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