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  Österreich | 29.12.2007 | 15:43   

 
 
Rewind '07: Musikblogs
  von Arthur Einöder

Zwei, drei Sätze zu einem Thema oder einem neu entdeckten Künstler schreiben, einen Song hochladen oder ein Youtube-Video verlinken - fertig ist der Blogeintrag.

2007 haben viele den Weblog entdeckt, um ihre Leidenschaft für Musik auszuleben. Hand in Hand haben sich dabei Hörgewohnheiten, journalistische Rezeption und auch die Strategie der Plattenfirmen verändert.
 
 
 
Hype
  Tausende Blogger liefern täglich verschiedenen Content zur Musik, die sie gerade beschäftigt. Wer dabei leicht den Überblick verliert, kann sich auf der Website Hype Machine diejenigen Weblogs herauspicken, die sich auf die eigene Lieblingsmusik spezialisieren. Die Hype Machine gibt es zwar schon seit ein paar Jahren, so richtig als seriöse Informationsquelle wahrgenommen wird sie erst seit heuer. Jedes MP3-File, das von einem der verzeichneten Blogs gepostet wird, kann hier als Stream angehört werden.

Klar, die Hype Machine ist kein echter Blog, hier werden nur Inhalte von anderen Seiten aggregiert. Der Content, also kleine Geschichten rund um Musiker oder Bands, tagebuchähnliche Aufzeichnungen oder popkulturelle Reflexionen kommen von den bloggenden Musikfanatikern auf der ganzen Welt.

 
 
knicken
  Mit Musikmagazinen kommen sich die Online-Schreiber trotzdem nicht ins Gehege. In der Blogosphäre geht es meist spezialisierter zu: Hier sind weniger die echten Platten- und CD-Releases das Thema, sondern Musik von Künstlern, die nur auf MySpace veröffentlichen, ihre Tracks online oder via Kleinstlabels vertreiben. Weil die meisten Blogs auch Downloadlinks posten, ist es ohnehin schwierig, dafür das Okay von etablierten Artists zu bekommen.

Jan Jasper aus Berlin betreibt den deutschsprachigen Blog Knicken und erklärt im FM4-Interview: "Wir machen aus der Not eine Tugend. Dafür haben wir dann nicht den altbackenen Typen, der auf seinen Tantiemen rumreitet, sondern eben unbekanntes Zeug. Aber das ist dafür interessanter, weil da noch was passiert."

Andere Blogs bieten auch Downloads von etablierten Künstlern an. Die Blogger helfen sich dabei mit einem Disclaimer, der Artists und Labels dazu aufruft, sich doch bei ihnen zu melden, falls sie die Musik nun lieber doch nicht als DRM-freies MP3-File im Netz sehen wollen.

 
 
Gonzo
  Hat man erst einmal seine favourite blogs gefunden, ist es ungleich leichter, sich im wildwachsenden Dschungel der MySpace-Bands zurecht zu finden. Während sich Lily Allen oder die Arctic Monkeys damit rühmen, via MySpace die Popwelt erobert zu haben, ist der Erfolg von Justice und auch der anstehende Hype um das Debütalbum der Teenagers auf die hohe Präsenz dieser Bands in der Musikblogwelt zurückzuführen. Der New-Rave-Hype rund um den Jahreswechsel 06/07 hat vor allem auf Blogs stattgefunden und der aktuelle Trash-Pop-Wahnsinn spielt sich ebenfalls abseits der etablierten Medienwelt, eben in den Blogs ab.

An die Check-it-out-yo-Sprache in den Blogspot- und Wordpress-Outfits gewöhnt man sich erschreckend schnell, dafür bekommt man keine abgeklärte Altherrenmusikrezensionen, sondern Subjektives aus allen Ecken der abendländischen Populärkultur serviert.

Auch die Musikindustrie bekommt langsam Wind und füttert populäre Blogs mit Vorab-Promo-Material - fast so wie die beigepackte CD bei den Magazinen am Kiosk. Blogger Jan Jasper berichtet auch von Kollegen, die mittlerweile als Talent-Scouts für Plattenfirmen arbeiten. Insgesamt ist das Blogger-Dasein aber eher brotlos. Klar, die Stars der Szene haben sich mittlerweile ein anderes Standbein gefunden. Casper und Pharrell von Fluokids sind gefragte DJs, die AcidGirls haben den Weblog aufgegeben und produzieren lieber selbst Musik.

Musikjournalismus 2007 ist mit den Blogs lebendiger geworden, demokratischer, subjektiver und schneller - die, die dafür verantwortlich sind, können sich trotzdem nichts drum kaufen.

 
 
Tipps
  Weil Österreich in Sachen Blog-Nutzung weiterhin eher hinterherläuft, noch ein paar Tipps: Neben der Suchfunktion auf Hype Machine, die sich super als Jukebox verwenden lässt, empfehlen sich RSS-Reader wie Netvibes um Feeds aus den einzelnen Blogs übersichtlich organisiert darzustellen.

Wer nebenbei selber bloggt, oder in Sachen FlickrFacebookYoutube engagiert ist, kann sich auch gleich den schlanken Flock-Browser organisieren, der sich sowohl für aktive Blogger als auch für den passiven Nutzer individuell gestalten lässt. Da sind Web 2.0-Accountmanagement und RSS-Reader bereits integriert, und auch Site-Searches lassen sich mit einem Klick in den Browser übernehmen.

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