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  Österreich | 3.1.2009 | 19:25   

 
 
Ebony Bones
  von Arthur Einöder

Bei meinem London-Aufenthalt im November wäre ich gern Paparazzo gewesen. Zuerst nur drei Meter Luftlinie von Kate Moss entfernt, die sich den Astoria-Gig ihres Kills-Schatzis erste Reihe fußfrei in der Loge gegeben hat. Und dann noch am selben Konzert wie Grace Jones, die sich den Aufritt von Ebony Bones in den Proud Galleries nicht entgehen lassen wollte.

Als Fans der Londoner Mittzwanzigerin haben sich bislang auch schon Timbaland und Karen O geoutet. Blöd nur, dass sich Ebony Thomas, wie sie im Reisepass heißt, daraus nichts macht. Schließlich war sie selbst schon mal Celebrity, hatte als Charakter der Seifenoper Family Affairs sechs verschiedene Ehemänner und war schon zur 'Sexiest Female' im Fernsehen nominiert, als sie noch gar nicht wählen gehen durfte.
 
 
 
 
 
Succubus
  Doch während ich die Gesangsambitionen der Yvonne Catterfelds unserer Breiten nur unter großen körperlichen Schmerzen zu beobachten im Stande bin, ist Ebony Thomas da irgendwie anders.

Ein Jahr nachdem sie ihre ersten Songs aufs Profil hochgeladen hat, spricht sie ein enger Freund an: "Hey, ich habe auf Myspace eine Sängerin entdeckt. Sie heißt wie du: Ebony! Ich glaube, das wird dir gefallen." Danach entschließt sie sich dazu, endlich Fotos hochzuladen und das Versteckspiel zu beenden.

Heute erzählt sie im Interview: "Ich wollte endlich ich selber sein. Meine Rolle im Fernsehen haben andere für mich geschrieben. Es war cool, weil ich mit 15 schon Makeup tragen durfte. Aber jetzt mache ich, was mir Freude macht und was ich selber bin."

Ganz real wirkt das trotzdem nicht: da springen sieben Menschen in abenteuerlichen Kostümen auf der Bühne herum, als wären sie vom Succubus besessen. Da kleidet sich der asiatische Keyboarder in mexikanischen Trachten. Da stampfen die Backgroundsängerinnen im afrikanischen Ethnolook wie Cyborgs kurz vom letalen Angriff.
 
 
 
 
 
Sintflut
  So surreal und eskapistisch wie das Schauspiel auf der Bühne sind auch die Songs. Wie selbstverständlich treffen Discobeats, afrikanisch inspirierte Rhythmen und überbordende Produktion aufeinander. Trotz allem Pop-Appeal sind die Songs verstörend. Wenn Ebony Bones mit "We Know All About You" die Londoner Realität Orwell'scher 1984-Fiktion zeichnet, oder wenn ich beim als Regentanz inszenierten "When It Rains" Angst bekomme, die Aliens auf der Bühne fackeln nicht lange und löschen mit einer gigantischen Sintflut alles Leben im Publikum auf einen Schlag aus. Die verspielten Arrangements, die bunten und lebensfrohen Kostüme können über eines nicht hinwegtäuschen: da meint es jemand ernst.

So ernst, dass Ebony Bones bislang noch keinem Plattendeal zugestimmt hat. Zu sehr liebt sie die Kontrolle über das, was nun ihr Leben sein soll. Die Livemusiker setzen ihre Vorgaben punktgenau um, auf Platte will sie jedes Instrument selbst spielen. Trotzdem soll 2009 endlich das lang erwartete Debüt erscheinen. Vergleiche mit M.I.A. oder Santogold liegen wohl bei der eklektischen Pop-Herangehensweise auf der Hand. Gut möglich aber, dass labyrinthische Produktion und die große Liebe zur Spielerei im Detail diese Referenzen in eine große psychedelische Wolke einhüllen. Gut möglich auch, dass es dank Vorbildern wie Siouxsie oder den New York Dolls aus dieser Wolke anständig hagelt und blitzt.
 
 
 
 
 
2009 wird super.
  Ein Grund mehr, dass ich mich aufs Musikjahr 2009 sehr freue. Auch der schüchterne Electro-Franzose mit dem Bart, der für Ebony Bones die Laptop-Vorgruppe gegeben hat, wird mir noch große Freude bereiten. Anoraak ist immerhin im Februar auch für einen Abstecher im Wiener Myyy Bitch Club im Lande. Auf Ebony Bones werden wir weiter warten müssen. Inzwischen muss ich da wohl mit dem Musikvideo zu "Don't Fart On My Heart" Vorlieb nehmen. Das hat immerhin vom British Council den "Best Video 2008" Award verliehen bekommen:
 
 
 
 
 
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  myspace.com/ebonybones
   
 
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