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  Österreich | 11.1.2009 | 21:11   

 
 
Bajuwarische Konjunkturanalyse
  von Rainer Springenschmid

Manchmal sind wir ja richtig gemein. Da haben The Notwist nach sechs Jahren mal wieder ein neues Album heraus gebracht, und dann sacken wir uns den Wien-Termin ihrer Tour einfach ein und machen eine Radiosession draus. Wenn die FM4 Radiosession mit The Notwist im letzten Mai nicht so schön geworden wäre (und die Buben nicht im Jahr zuvor beim Donaufestival aufgetreten wären), dann hätte ich und hätten wir jetzt glatt ein schlechtes Gewissen. Aber jetzt wird sowieso alles gut: The Notwist spielen am Dienstag in der Wiener Arena, ganz ohne Tour, einfach so, für alle, die nicht das Glück hatten, die Radiosession zu erleben - und natürlich für alle, denen der Stream, der anschließend online ging, nicht genug war.
 
 
 
Hartnäckigkeit als Trumpf
  The Notwist sind eine der hartnäckigsten Erscheinungen in der Indie/Alternative-Szene weltweit. Ähnlich, wie bei ihren Brüdern im Geiste von Naked Lunch lässt sich an den Weilheimern schön die Geschichte des Indie/Alternative-Rock erzählen. Hervorgegangen aus dem Punk/Hardcore der Achtziger Jahre, haben sie zunächst melancholischen Post-Hardcore, dann elektronische Klänge in ihre Musik integriert. Gestärkt durch zahllose Side-Projekte, ausdauerndes Touren und permanentes Kritikerlob lieferten sie im Jahr 2002 mit 'Neon Golden' den musikalischen Höhepunkt und gleichtzeitig ihr international erfolgreichstes Album ab. Seit 'The Devil, You & Me' sind die Weilheimer wieder zum Trio geschrumpft. Die elektronischen Spielereien sind nicht mehr so zahlreich wie auf 'Neon Golden', The Notwist sind zu den Songstrukturen ihrer Anfangszeit zurück gekehrt - sie verfallen aber nicht wieder in Hardcore/Punk-Lärmorgien, eigentlich ist 'The Devil, You & Me' ja eher ein Singer/Songwriter Album.
 
 
 
 
 
Nicht tot zu kriegen
  Dass The Notwist derzeit sehr viel live zu sehen sind, ist aber nicht nur der Spaß an der Freude, sondern schlichte Notwendigkeit: Auch sie bekommen den Rückgang des CD-Marktes zu spüren, und da sind Geschichten wie diese natürlich nicht nur lustig: Ein paar Tage vor der FM4 Radiosession haben The Notwist in Zagreb gespielt und zu ihrer Freude, aber auch zu ihrem Entsetzen, hat das 800-köpfige Publikum die Songs ihres neuen Albums kräftig mitgesungen. Entsetzen deshalb, weil die CD zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht erschienen war.

So schnell sind The Notwist Gott sei Dank nicht tot zu kriegen, denn materiell einfach war das Musiker-Leben in den meisten Fällen noch nie, und ist es bis heute nicht - vor allem, wenn man sich, wie sie, seine Unabhängigkeit bewahren will. Als Musik-Maniacs und Familienväter versuchen The Notwist natürlich ihr Möglichstes, den geringeren CD-Verkauf durch exzessives Touren auszugleichen. Dass sie sich dadurch aber nicht vom musikalischen Experimentieren abhalten lassen, können die, die schnell genug waren, ein paar Tage nach dem Wien-Konzert im Münchner Volkstheater überprüfen, wo die Band gemeinsam mit dem Berliner 'Andromeda Mega Express Orchestra' drei (leider bereits ausverkaufte) Konzerte spielen.
 
 
 
  The Notwist, live in der Wiener Arena
Dienstag, 13. Jänner 2009
 
fm4 links
  www.notwist.com
   
 
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