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  Österreich | 21.6.2001 | 12:02   

 
 
Die Arenabesetzung als Initialzündung
  Es ist gar keine Frage, daß die Arena-Bewegung in Wien ein elementares Ereignis war und daß die Gesellschaft gut beraten wäre, würde sie derartigem Raum geben. - (Bruno Kreisky)
 
 
 
Sommer 1976
  Im ehemaligen Wiener Auslandsschlachthof im Stadtteil St. Marx ereignet sich im Sommer 1976 etwas, was die Atmosphäre und das Kulturleben in Österreich nachhaltig verändern sollte: die "Arena-Bewegung".

Das seit Jahren leer stehende Gelände, ein riesiges Industriegelände aus den zwanziger Jahren, sollte abgerissen werden und einem Modehandelszentrum weichen. In den Jahren zuvor hatte das Gelände das "ARENA" genannte Jugendprogramm der Wiener Festwochen beherbergt. Am 27. Juni 1976 wird das Gelände von den BesucherInnen der letzten dort stattfindenden Theateraufführung besetzt und zum selbst verwalteten Kultur- und Kommunikationszentrum erklärt.
Das riesige Areal wird schnell zur Stadt innerhalb der Stadt. Neben dem gewaltigen Kulturprogramm, insgesamt besuchten über 200.000 Menschen die verschiedensten Veranstaltungen, entwickelten sich unter anderem ein Kinderhaus, ein Frauenhaus, eine Galerie, eine Großküche, das "Café Schweinestall", eine Arena-Zeitung und und und. Am 11. Oktober 1976 wird das Gelände geräumt.

 
 
  Heute steht dort das geplante Modehandelszentrum. Das, was heute die "Arena" ist, war ein Teil des (ebenfalls lange Zeit leer gestandenen) Inlandsschlachthofs und wurde ursprünglich nicht, später (1977) von einem Teil der ursprünglichen Besetzer akzeptiert. Die Wiener Stadtregierung war aus grundsätzlich "polithygienischen" Gründen (Vizebürgermeister Hans Mayr) nicht bereit gewesen, den Neubau des Modezentrums in den Inlandsschlachthof zu verschieben und den BesetzerInnen die Arena zu überlassen. Seit 1977 wird die Arena in Selbstverwaltung und Autonomie vom Verein "Forum Wien Arena" betrieben. Seit damals sieht sich die Arena selbst als "ein Ort an dem versucht wurde, eine eigene Vorstellung von einem selbstverwalteten Jugend-, Kultur- und Kommunikationszentrum umzusetzen."
 
 
 
  Der "Arena-Sommer" war der erste politische Aufbruch von so etwas wie Jugendkultur in Österreich, das erste Mal, dass die alternative Szene gemeinsam und unterstützt von weiten Teilen einer kritischen Öffentlichkeit, von einzelnen Politikern, von Architekten bis hin zum damaligen Festwochen-Intendanten, für gesellschaftliche Anerkennung und für einen eigenen Platz in der Gesellschaft aufgetreten ist. Für Hugo Portisch war die Arena-Besetzung neben der Zwentendorf-Abstimmung DAS prägende Ereignis der zweiten Hälfte der 70er Jahre.

 
 
  Die Arena-Homepage schreibt dazu: "Ohne die bei der Besetzung gewonnenen Erfahrungen wären einige demokratiepolitisch wesentliche Ereignisse (Widerstand gegen Zwentendorf oder Hainburg...) vielleicht anders verlaufen. Auch die meisten der heute existenten alternativen oder autonomen Projekte in Wien sind aus dieser Bewegung entstanden."
 
 
 
  Und das Politmagazin Zoom schreibt: "Tatsache ist aber, dass die besetzte ARENA 1976 zu dem Ort geworden war, an dem sich in Österreich auf breiter Basis das formierte, was dann bald zu BürgerInnen- bzw. Basisinitiativen wurde. Erstmals hatten Jugendliche, Arbeitende, Lernende, Studierende, hatten Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt, denen eine gravierende Entscheidung der Wiener Stadtverwaltung (= Abriss des industriehistorisch bedeutsamen Gebäudes des Schlachthofes von St. Marx) nicht akzeptabel erschien, ihre Sache selbst in die Hand genommen und sich gegen die Magistratsentscheidung gewehrt. Im Schlachthof wurde erstmals im Wien der Nachkriegszeit in Strukturen Selbstverwaltung geprobt und Demokratie wieder auf die Füße gestellt (von unten nach oben verlaufend)."

 
 
  Anlässlich dieses Ereignisses (und anlässlich eines zweiten Jubiläums: 20 Jahre Schwarzes Café) ist ein Buch erschienen:

Alois Bauer, Susanne Kratochwil: ... das andere Wien 1981-2001 - Wir haben keine Chance, aber wir nutzen sie. Triton Verlag. Wien 2001.

Mit Interviews von Max Fuerth und Susanne Kratochwil, Fotos aus dem Archiv Bauer/Brown, dem AZ-Fotoarchiv, Bildern von Manfred Deix, Georg Eisler, Wiener Graffiti Union u.a.m.

156 Seiten mit zahlr. Farb- und s/w-Abbildungen
öS 290,-

 
 
  Am Donnerstag zu Gast in Connected (14-17 Uhr) ist Wolfgang Kos, heute Redakteur bei Österreich 1 "Diagonal". Damals war er Redakteur der Musicbox und hat diesen Beitrag über die Arena Besetzung gemacht:
 

 
audio
 
title: Arena-Besetzung 1976
artist: Wolfgang Kos für RIAS
length: 7:46
WMA
   
 
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