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  Österreich | 24.7.2001 | 17:42   

 
 
Genua nach dem G-8 Gipfel
  1 Toter, über 500 Verletzte, rund 200 Festnahmen, umgerechnet 700 Millionen Schilling Sachschaden, ein von Gewalt und Aggression zeugendes Stadtzentrum, das verwüstete Presse- und Koordinationszentrum der Globalisierungsgegner des Genoa Social Forum - die Spuren der Ereignisse in Genua nach dem G-8 Gipfel von vergangenem Wochenende werden wohl noch länger nicht beseitigt werden können.

Der italienische Innenminister Scajola wird von der parlamentarischen Opposition zum Rücktritt aufgefordert. Er sagte, der Polizist (der den 23-jährigen Carlo Giuliani erschoss) hätte zwei Schüsse 'ohne zu zielen' abgegeben, 'um sich gegen das zu verteidigen, was nach Lynchmord aussah' und lobte die Einsatzbereitschaft der Ordnungshüter. Die Haltung des seit seit Mitte Mai amtierenden Ministerpräsidenten Berlusconi, der das Einsetzen einer parlamentarischen Untersuchungskommission zu verhindern versucht, wird die italienische Öffentlichkeit und politische Debatte weiter beschäftigen.
 Bildquelle: APA
 
 
  Die italienische Regierung befindet sich allerdings auch deshalb in einem Rechtfertigungsnotstand, da die Geschehnisse des vergangenen Wochenendes in großem Umfang dokumentiert wurden und Informationen über das Web unmittelbar zugänglich waren. Neben stundenlangen TV-Sondersendungen berichtete die Website der italienischen Rundfunkanstalt RAI umfassend über die Ereignisse innerhalb und außerhalb der durch einen 3 Meter hohen Zaun abgeschirmten 'roten Zone' des Palazzo Ducale, wo das Gipfeltreffen stattfand. Im Koordinationsgebäude des Genoa Social Forum liefen die Informationskanäle der Reporter von Indymedia und Radio Gap zusammen - die Chronologie der Ereignisse ist als mp3 downloadbar. Als die Polizei am frühen Sonntag Morgen in das Gebäude eindrang, waren die Moderatoren von Radio Gap noch on air: 'Bleibt ruhig, Hände hoch, leistet keinen Widerstand. Wir haben die Polizei im Haus und werden versuchen, die Hörer weiterhin zu informieren, was hier passiert...' Kurz darauf brach die Übertragung ab. In Folge wurden 96 Personen festgenommen, 60 wurden verletzt.
 
 
 
Bildquelle: APA
 
 
  Unterdessen versammelten sich vor den italienischen Botschaften vieler europäischer Städte Menschen zum Protest. Mit Carlo Giuliani haben die Anti-Globals ihren 'ersten Märtyrer'. Die Mächtigen der Welt erwägen, sich bei künftigen Treffen eher zurückzuhalten bzw. sich an einem für ihre Gegner kaum zugänglichen Ort in den Rocky Mountains zu verschanzen, zumal es immer schwieriger wird, die Anliegen dieser 'weltweit aufkommenden Bürgerbewegung' (franz. Premier Jospin) einfach zu ignorieren und sie als anarchistischen Kampf militanter Randgruppen abzutun.
 
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  www.genoa-g8.it
Offizielle Seite des G8-Gipfeltreffens in Genua

www.genoa-g8.org
Genoa Social Forum

www.noborder.org
16 österreichische Aktivisten von "volkstheater karawane no border no nation" wurden in Genua am Montag festgenommen und befinden sich derzeit getrennt voneinander in Genueser Gefängnissen. Die Haftprüfungsverfahren sind im Gang. Bis spätestens Freitag Mittag wird entschieden, ob die Festnahme in Untersuchungshaft umgewandelt wird bzw. ob die Festgenommenen freigelassen werden. Bislang hatten die Festgenommenen keinen Kontakt zu ihren Angehörigen. Der Verdacht, die 7 österreichischen Frauen im Gefängnis in Voghera nahe Genua seien misshandelt worden, konnte von dem italienischen Rechtsanwalt Andrea Sandro, der sie im Gefängnis besuchte, nicht bestätigt werden. Die Festgenommenen seien nicht verletzt, stünden aber unter Schock.

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