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  Österreich | 17.5.2002 | 15:28   

 
 
La Boum de Luxe Osteuropa Spezial - Bulgarien
  Sucht man in Bulgarien nach experimenteller Musik, so bekommt man allerhand geboten: billigen Techno, House, die bulgarische Version von Brit Pop - bald wird offensichtlich, dass in Bulgarien der Bezeichnung experimenteller Musik andere Definitionskriterien zu Grunde liegen als hierzulande. Bobby Ivantschev von dem Label Avenew Productions, das sich zwar nicht ausschließlich, aber eben auch als eine Plattform für experimentelle bulgarische Musik versteht, bringt Licht ins Dunkel. In Bulgarien, wo permanent hohe Arbeitslosigkeit und finanzieller Notstand herrschen, hätten die Leute einfach nicht die Ruhe und Sicherheit, die nötig ist, um überhaupt experimentieren zu können.

Ein paar wenige gibt es aber doch. Susanna Niedermayr hat sie gesucht und gefunden.
 
 
 
techno.orbitel.bg
  Wer sich für elektronische Musik aus Bulgarien abseits des Mainstream interessiert, der muss ins Internet - am besten zu techno.orbitel.bg. Auf der von George Marinov ins Leben gerufenen Internetseite treffen sich Tracker aus dem ganzen Land - von Frequed Room aus Shouman über Z Dimension aus Gorna Orjahovitsa (die betreiben übrigens auch das einzige CDR-Label mit experimenteller Musik, das wir in Bulgarien ausfindig machen konnten, darüber hinaus führen sie auch noch einen kleinen Online-Shop) bis zu dem umtriebigen DJ Balthazar aus Sofia. Begonnen hat alles auf mp3.com, erzählt George Marinov.

"Einmal im Jahr haben wir sozusagen den Chat verlassen, uns real getroffen und in irgendeinem Club unsere gemeinsame Party gefeiert. Aber sehr bald konnten wir uns das nicht mehr leisten. Im Netz zu bleiben ist billiger und außerdem hat man über das Netz eine viel größere Reichweite. Es ist zu früh, um offline zu gehen. Ich glaube nicht, dass wir bereits das nötige Potential dazu haben."
 
 
 
DJ Balthazar im Interview mit Susanna Niedermayr
 
 
  Das Internet ist der Lebensnerv der elektronischen Musikszene Bulgariens, ohne das Internet würden wir nichts von einander wissen, so George Marinov, und so mancher hätte vermutlich schon wieder aufgegeben. Und außerdem, davon ist Marinov überzeugt, die Guten bräuchten eigentlich nichts anderes zu tun, als im Internet präsent zu sein und zu warten - wer gut ist, der würde früher oder später entdeckt werden. George Marinov, der unter dem Pseudonym esem veröffentlicht, spricht aus Erfahrung. Von den Betreibern des kanadischen Internetlabels noisemusic, denen Marinov einige Tracks geschickt hat, wurde er an das englische Label deFocus weitergereicht. Nach einer 12'' letztes Jahr ist nun dort sein Debutalbum enveloped erschienen.
 
 
 
Yellomusic
  Interessierte an der bulgarischen Musikszene sollten auch der Studiogemeinschaft Yellowmusic in Sofia einen Besuch abstatten. Empfehlenswert ist vor allem das neue Album von bluba lu, ein quirrliges elektronisches Gemisch an musikalischen Einflüssen aus aller Welt. "Wir machen europäische Musik", so Dimitar Paskalev, oder vielleicht auch eine neue Art von Weltmusik. Wie viele andere bulgarische Musiker, versuchen auch die Protagonisten von bluba lu im westlichen Musikmarkt Fuss zu fassen. Dimitar Pascalev: "Es gibt da nämlich noch ein weiteres Hindernis: das ist die große Emigration. Viele junge Bulgaren, die eigentlich unser potentielles Publikum wären, sind nicht mehr in Bulgarien."
 
 
 
Art Hostel
  Unser Reisetipp! Das Art Hostel in Sofia ist eine Low Budget Herberge für Rucksacktouristen und gleichzeitig Ausstellungs- und Veranstaltungsraum für bulgarische KünstlerInnen - lebensnaher Kulturaustausch also. Im Art Hostel arbeitet auch Todor Tkrst, jener Mann, der es sich zum Ziel gesetzt, die bulgarische Volksmusik jenseits von Tschalga, der bulgarischen Variante von FolkPop, und dem Phänomen der bulgarischen Stimmen wiederzubeleben. Tkrsts Obsession besteht darin, die rhythmischen und melodischen Strukturen, die etwa bulgarischer Hochzeitsmusik zu Grunde liegen, in zeitgenössische elektronische Musik zu übertragen. Was dabei heraus kommt, ist ein endlich mal wirklich neuer Beat. Todor Tkrist - ein Name, den man sich merken sollte.
 
 
 
Susanna Niedermayr und Christian Scheib mit Ms. Markolina im Frühstücksraum des Art Hostel in Sofia
 
 
Im Osten von St. Johann
  Und zum Abschluss noch ein Hinweis auf das von Musik Kultur St. Johann veranstaltete Festival artacts '02 (von 23. bis 26. Mai), das diesmal unter dem Motto "Im Osten von St. Johann" steht. Dank der Veranstalter, die uns (Susanna Niedermayr und Christian Scheib) eingeladen haben, das Programm zu gestalten, haben wir einmal mehr die Gelegenheit dazu, euch jene Musiker zu präsentieren, die wir im Zuge unserer Erkundungsreisen durch das östliche Europa kennen und schätzen gelernt haben.
 
 
 
Maly Szu aus Polen im FM4 Studio anlässlich ihres Auftrittes im B72 im März - das nächste Mal live zu sehen am 16. Mai 2002 in St. Johann in Tirol
 
 
  La Boum de Luxe Osteuropa Spezial - Bulgarien mit Susanna Niedermayr und Heinz Reich

Freitag, 17. Mai 2002, von 21.30 Uhr bis 6 Uhr früh
 
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  Siehe auch:

Ungarn Spezial

Polen Spezial
   
 
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