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  Österreich | 9.3.2003 | 10:01   

 
 
Brennende Hunde und Opferpfähle
  von Jenny Blochberger
 
 
 
  Frank ist sechzehn. Er lebt mit seinem verschrobenen Vater auf einer kleinen Insel in Schottland. Sein älterer Bruder Eric ist in einer Heilanstalt, weil er die schlechte Angewohnheit hat, Hunde anzuzünden. Frank ist technisch äußerst versiert, sehr naturverbunden und intelligent.

Aber: Frank lebt in der kranken Vorstellungswelt eines perversen 12jährigen. Seine Intelligenz und technische Begabung verwendet er zum Bau von Waffen und zum möglichst fantasievollen Töten und Quälen von Kleintieren.

"Bevor ich begriff, dass die Vögel gelegentlich meine Verbündeten waren, fügte ich ihnen allerlei unfreundliche Dinge zu: Ich fischte nach ihnen, erschoss sie, band sie bei Ebbe an Pfähle, befestigte elektrisch auszulösende Bomben unter ihren Nestern und so weiter."


Die Beziehung zu seinem Vater ist von gegenseitigem Misstrauen dominiert und gleichzeitig von einem seltsamen Abhängigkeitsverhältnis gekennzeichnet. Aufgrund einer Hippie-Anwandlung seines eigenbrötlerischen Vaters ist Frank bei keiner Behörde registriert. Das und ein geheimnisvoller Unfall in seiner frühen Kindheit machen Frank zum Außenseiter par excellence. Aus dieser Benachteiligung leitet er das Recht ab, sich in jeder Beziehung außerhalb die Gesellschaft zu stellen. Die Regeln des menschlichen Zusammenlebens ersetzt er durch ein eigenes, ausgeklügeltes Regelsystem, das sich aus Aberglauben und Ritualen zusammensetzt. In Franks Welt zählt nur ein Leben: sein eigenes.

 'Perhaps it is all a joke, meant to fool literary London into respect for rubbish.' The Times

'You can't laugh and throw up at the same time.' The Scotsman
 
 
  "Zwei Jahre nach dem Mord an Blyth brachte ich meinen jüngeren Bruder Paul um, aus ganz anderen und entschieden fundamentaleren Gründen als die, aus denen ich Blyth aus dem Weg geräumt hatte, und ein weiteres Jahr später erledigte ich meine Cousine Esmeralda, mehr oder weniger aus einer Laune heraus.
Das ist mein derzeitiger Stand an Opfern. Drei. Ich habe seit Jahren niemanden mehr umgebracht, und ich habe auch nicht die Absicht, es je wieder zu tun.
Es war lediglich eine Phase, die ich durchlaufen habe."

 
 
 
  Franks Mittel zur Entscheidungsfindung in schwierigen Situationen ist die Befragung der Wespenfabrik, eines (für Wespen) tödlichen Foltergeräts.

Als Eric aus der Heilanstalt ausbricht, wird das abgeschiedene Inselleben von Frank und seinem Vater erschüttert. Franks freudig-nervöse Erwartung steigt, während Eric der Insel immer näher kommt ...

 
 
  Die sehr explizit geschilderte Grausamkeit ist oft nur schwer zu ertragen. Das Buch wirkt durchwegs geradezu trostlos, weil einem gar keine andere Identifikationsfigur bleibt als der Hauptprotagonist, weil man sich ständig schüttelt vor Ekel und gleichzeitig alles durch die Augen desjenigen sieht, der Verursacher des Ekelgefühls ist.
Ein sehr zwiespältiges Leseerlebnis, aber genau daraus erklärt sich die Spannung. Die Gefahr, dass Voyeurismus und versteckte Machtphantasien bedient werden, ist natürlich gegeben, aber "Die Wespenfabrik" ist trotzdem nicht dazu geeignet, Schmerzvoyeuren den ultimativen Kick zu geben. Zu tief muss man Frank in seine von seltsamen Regeln diktierte Welt folgen, seine Taten entspringen keinem spontanen aggressiven Impuls, sondern werden vom Schicksal eingefordert. Frank opfert dem einzigen Gott, den er anerkennt - sich selbst.
 
 
 
  Iain Banks, 1954 in Schottland geboren, verfolgt eine doppelte Karriere als Schriftsteller. Unter Iain M. Banks schreibt er Science Fiction und unter Iain Banks (ohne M.) laufen seine anderen Bücher, die keine SF-, aber durchwegs phantastische oder unheimliche Elemente enthalten.
"Die Wespenfabrik" ("The Wasp Factory"), erschienen 1984, ist sein erstes Buch. Die deutsche Ausgabe der "Wespenfabrik" ist 1991 im Wilhelm Heyne Verlag in einer Übersetzung von Irene Bonhorst erschienen.
Banks neues (ohne M.) Buch "Dead Air" ist am 5. September 2002 in Großbritannien herausgekommen.

 Iain (M.) Banks
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  www.iainbanks.net
Die offizielle Iain Banks-Seite

www.soft.net.uk/theziggy/books/ibanks/index.html
Eine recht interessante Fanseite

homepages.compuserve.de/Mostral
Deutsche Iain Banks-Seite
   
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  fm4.orf.at/lesestoff
   
 
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