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Wien | 18.8.2006 | 05:07 
Ein kühnes Kratzen an der Oberfläche von Hohlräumen.

Rob, DaddyD, Janis

 
 
Missionary Impossible
  Eine gewisse Nervosität war vorher schon da, denn die Ideale, denen Sohn einer Bibliothekarin und eines Krankenhausportiers immer noch nachsehnt, haben hier (ich weiß nicht, wie das vor ein paar Wochen die Kollegen in Ungarn empfunden haben) nach wie vor keinen Platz im Bewusstsein von fast allen acht Millionen Menschen in diesem Land. Wer seine gesamte Energie in die Geisteswelt kanalisiert, und dabei sein/e eigene/s Geschlecht/lichkeit hintanstellt oder ganz negiert, und sich dann auch noch der durch das Bier gegebenen Geselligkeit verweigert, wird hier mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur niemanden finden, die/der Zuneigung zu ihr/ihm verspürt, sondern, so nicht aus einer gütigen Kapriole des Schicksals Johnny Marr an ihrer/seiner Gartentür anklopft, den Rest ihrer/seiner Tage auf Entzug und/oder Selbstentzug fristen. Abstinenzlertum, Zölibat und doppelbödige Wortspiele, das ist in 190 von 197 Ländern einfach nicht konsensfähig.
 
 
 
  Würde also das heimische Publikum ihm, der sich gerne in die assoziative Nachbarschaft zu Titeln wie "Maestro" stellt, vielleicht einmal seinen Launen zuvorkommen und einfach geschlossen nicht aufkreuzen (Ich konnte mich an die schüttere Kulisse von vielleicht 50 Fans bei diesen anderen manieriert-anglizistischen Dramatikern des 80's Indie, Echo & the Bunnymen, beim letztjährigen Two Days A Week erinnern)? Nein. Gar licht waren die Zuschauerrreihen sicher nicht. Dennoch fand ich mich mit der Erkenntnis ab, dass auf rein musikalischer Basis ein Künstler wie er mit seinen originalverbundenen Glam-Rock - Versatzstücken auf einem Festival, dessen Besucher ihre diesbezügliche Sozialisation zu einem guten Teil entweder via Metal, Punk oder Neo-Indie Rock erfahren hat, niemals eine Mehrheit zu sich ziehen könnte. Und viele der kreischenden Anwesenden waren denn auch antizipierende Muse-Fans.
 
 
 
  Und dann dachte ich mich in die Perspektive von jemandem hinein, der die Smiths noch während ihrer Wirkungsperiode in den 80ern für sich entdeckt haben mag, die/der ihren Sänger, weil sie/er eben nicht den englischsprachigen Regionen der Welt aufgewachsen war, und kostenintensive Konzertreisen scheute, aber erst heute zum allerersten Mal live erlebte. Und diese/r fiktive Zuschauer/in wäre vielleicht darob befremdet, mit was für einer Hochnäsigkeit Morrissey heute den Ort des Geschehens betreten hat, sie/er wäre wohl schwer verblüfft darüber, wie wenig sich dieser Sänger, zumindest bei seiner Performance, während der letzten 20 Jahre in seinen Manieren angepasst hat, wie wenige von diesen Kompromissen, denen man selbst inzwischen als notwendigen Alltagsbewältigern gehorsam vorauseilt, und durch deren Mühlen sich auch fast alle anderen einstigen Lieblingsmusiker hieven lassen haben, er gemacht hat; und dieser jemand würde sich dann bestimmt spätestens beim zur Schau gestellten Stinkefinger ehrlich empören. Und dann würde, vielleicht nur für einen kurzen Moment der Luzidität, wieder die/der 17jährige in dieser Person aufflackern, um zur Einsicht zu gelangen, dass sie diese Fuck You-Attitüde von kaum einem anderen Act so authentisch zur Schau gestellt bekommen würde.
 
 
 
  So ein Künstler wird, definiert in Relation zur "Drittpartei" der vorherrschenden heimischen Kulturrezeption, nie seine elementare Durchschlagskraft verlieren. Was es an den Modalitäten des Morrissey-Live-Erlebnisses anno '06 noch zu beobachten geben mag, sei an dieser Stelle vermerkt.

Unter diesen Bildern befindet sich ein Forum, in dem Ihr Eure Meinung zu diesem Thema kundtun könnt.
 
 
 
Ave, gladioli, morisseyturi te salutant
 
 
Thank you and welcome to our songs, and for reasons best known to Jesus my name is Morrissey¿
 
 
I hope you`re well. I hope I`m well.
 
 
We are very pleased to be here in your incredibly beautiful country, which, er, whatever.
 
 
We have a reasonably new CD called "Ringleader Of The Tormentors", which is buyable even in Austria. In fact 20 people bought it and they were immediately arrested, which is quite right. But thanks anyway.
 
 
[wirft das zweite Hemd des Abends ins Publikum] The shirts will disintegrate in 30 seconds. Hahaha. And so will I.
 
 
Thanks for giving us your ears god bless you goodbye and the rest of it.
 spizi  
 
artist title
  How Soon Is Now
 The First Of The Gang To Die
 You Have Killed Me
 The Youngest Was The Most Loved
 Let Me Kiss You
 Girlfriend In A Coma
 In The Future When All's Well
 Don't Make Fun Of Daddys Voice
 To Me You Are A Work Of Art
 Stop Me If You Think That You've Heard This One Before
 Life Is A Pigsty
 We'll Let You Know
 I Will See You In Far Off Places
 Irish Blood English Heart
 At Last I Am Born
 I Just Want To See The Boy Happy
 Panic
   
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