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Wien | 2.8.2008 | 11:39 
Ein kühnes Kratzen an der Oberfläche von Hohlräumen.

Rob, DaddyD, Janis

 
 
Die X für ein U - Vormachtstellung
  Es ist wahrlich nicht einfach, ein Unternehmen in Gang zu halten. Man muss sich neue, attraktive Produkte und Dienstleistungen einfallen lassen. Dann muss man eine Rentabilitätsstudie erstellen lassen. Dann muss man eventuell noch eine Umweltverträglichkeitsstudie machen lassen. Dann muss man darauf achten, dass niemandes Urheberrechte verletzt werden. Dann muss gewährleistet sein, dass niemandes ethische Empfindsamkeiten verletzt werden. Dann müssen Kräfte angestellt oder ge-subcontracted werden, die das Angebot effizient bewerben. Dann müssen unter Umständen Lizenzgebühren, Bearbeitungsgebühren, Parkgebühren, Haushaltsgebühren, Rezeptgebühren, Instandhaltungsgebühren etc. entrichtet werden. Von den komplizierten Versteuerungsmechanismen für selbständige Unternehmer ganz zu schweigen. Dazwischen ruft ein paar Mal der Partner an und fragt, was zu essen eingekauft werden soll, weil in 5 Minuten der Supermarkt schließt, und der Sohn hat schon wieder ein Nicht Genügend auf die Mathematikschularbeit. Und das Wetter. Wir wollen nicht die Wichtigkeit des Wetters außer Acht lassen.
 
 
 
  Da ist es klar, dass sich in dem ganzen Delirium nicht jeder auf alles zu 100% konzentrieren kann, und irgendwo in der langen Handlungskette zwischen Konzeption und Ausführung ein Aspekt vernachlässigt wird. Und manchmal handelt es sich dabei dann eben leider ausgerechnet um das, was die potentielle Kundschaft auf der Straße als erstes von dem eigentlichen Ding zu sehen kriegt: die Beschilderung. Wo die verwendete Terminologie dann mit der angepriesenen Ware streng genommen nichts mehr zu tun hat. Und mögliche Interessenten statt zu besitzergreifend entfalteten Handflächen eher zu gewölbten Augenbrauen animiert werden. Und das, je nachdem, wie gefestigt und kostspielig die Form der jeweiligen Aufmachung ist, über Wochen, Monate, oder sogar über Jahre hinweg.

Wenn man sich im entscheidenden Moment verschrieben, vertippt, danebengehauen hat. Weil man's schon zum hundertsten Mal gemacht hat, oder das Layout drumherum so bombastisch ist, dass alles andere seine Bedeutung einbüßt, oder weil man sich vielleicht doch nicht sicher war, aber nicht nochmal den Chef fragen wollte, oder weil's möglicherweise letztendlich doch wurscht ist. Irgendjemandem.
 
 
 
  Orthographische Fehler sind (besonders im Zeitalter automatischer Korrekturprogramme), wenn sie in einen längeren Text-Korpus eingebettet sind, eine störende Unart - ein bisschen so wie eine verstaubte Ecke in einem Haus, die den Eindruck von der makellosen Sauberkeit der übrigen Zimmer zerstört. Wenn sie uns aber dermaßen auf dem Präsentierteller entgegenzwinkern, kann man ihnen einen gewissen anarchischen Charme nicht absprechen. Weil der städtische öffentliche Raum ansonsten ja eh schon ziemlich perfekt zur flächendeckenden Verkaufsanreiz-Zone umfunktioniert worden ist, gelt. Also zelebrieren wir die Verschreibser, die ja auch als genialer Quell für neue Wortschöpfungen und Lautmalereien dienen können, solange sie nicht wie alle anderen Fehler im System bisher von ebendiesem assimiliert werden, und slicke Bankberater und hippe Punks anfangen, über ihre Porizzen bzw. neue Molbitelefone zu referieren.
 
 
 
Ein paar persönlich dokumentierte Beispiele
 
 
 
 
"Hallo, worum geht's, ich bin dagegen!"

Nicht bekannt ist, was dieser skeptische Greißler in Wien 9 von der Kennzeichnungspflicht für Gegenmais hält.

Vermutlich nicht viel.
 
 
Oje, oje. Die Promotion-Agentur dieser vielversprechenden Performerin, deren Dienste als Pausenentertainment des Fußballfreundschaftsspiels
zwischen Chile und der Schweiz im Ernst-Happel - Stadion verpflichtet wurden, vermögen es auch über kurze Strecken nicht, die richtigen Akzente zu setzen.
 
 
Das Service des in der Wiener Taubstummengasse untergebrachten Studienvertretungsteams mag zwar hifln. Sein verbales Engagement übertrifft aber immerhin jenes der meisten seiner Klienten, die ihre akademischen Mühen ja oftmals einfach mittendrin abbre
 
 
Okay, an dieser Stelle beginnen die Haarspaltereien. War sich dieser Marseillaisische Schuhhändler zum Zeitpunkt der Aufnahme wirklich einfach noch nicht sicher, ob sein Betrieb noch liquid ist, und falls ja, wollte er diese Selbstzweifel unbedingt so laut in die Welt hinausposaunen?

Zweifel sind angebracht.
 
 
Eine geringe Minderheit unter den Etymologen will nicht ausschließen, dass der Ursprung des englischen Ausdrucks für "Klebeband" - duct tape - tatsächlich etwas mit der gemeinen Ente zu tun hat.

Die Vertreter dieser These sind laut der gängigen Lehrmeinung ihrer Berufskollegen Schwachköpfe.

Was keinem Diss gegen diesen Amsterdamer Handarbeits-Standler gleichkommen soll.
 
 
...hat ohnehin schon Übung darin, sich im Garbe zu drehen...
 
 
...definitely no logic to Umlaut behavior.

Na schön, hier dem Hersteller irgendetwas anderes als Absicht zu unterstellen, wäre grober Unfug. Wobei aber auch langjährige Beobachter ihrer Kunst Frau Gudmundsdottirs Gipfeltönen in letzter Zeit eine gewisse Quiekhaftigkeit nicht mehr absprechen wollten.
 
 
  Wenn auch Dir in letzter Zeit ein bemerkenswerter Fall von Rechtschreibschlampereien aufgefallen ist, dann mach ein Foto davon und schick es mit einem Bildtext versehen an game.fm4@orf.at. Die originellsten Einsendungen werden von uns veröffentlicht.
 
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