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Wien | 23.8.2008 | 02:03 
Ein kühnes Kratzen an der Oberfläche von Hohlräumen.

Rob, DaddyD, Janis

 
 
Imitation, then live
  [grob verhunzt auf der Grundlage von "Adaption"]

Professor: Noch irgendwelche Fragen?

Student [zeigt zögerlich auf]

Professor: Ja?

Student: Wie soll sich ein Autor behelfen, wenn er eine Kolumne über ein vor einer Woche zu Ende gegangenes, österreichisches Rock-Festival schreiben soll, das jetzt nicht so besonders außergewöhnlich war, nehmen wir der Einfachheit halber mal an, es war das FM4 Frequency 2008, wo nicht wirklich viel passiert ist, wo die Besucher keine großen charakterlichen Wandlungen durchmachen, was ihre Meinung zu Großveranstaltungen betrifft, wo einen nicht wirklich irgendwelche Offenbarungen heimgesucht haben, wo noch dazu das Wetter genauso feucht und unnachgiebig war wie jedes Jahr, und viele Leute frustriert waren und sich einfach nicht so viel getan hat, so wie ja auch im richtigen Leben-
 
 
Professor:
  Wie im richtigen Leben? Im richtigen verdammten Leben? Erstens, wenn man schon das Drama eines angekündigten Babyshambles-Konzerts auf dem Präsentierteller überreicht bekommt, und den Spannungsbogen nicht anhand dessen konstruiert, ist einem als Festivalschreiber nicht mehr zu helfen - es ist ein alter Trick, aber er funktioniert! Zweitens: Im richtigen Leben passiert also nicht so viel? Verzeihung, aber sind Sie von allen guten Geistern verlassen? Jeden Tag werden Menschen umgebracht! Völkermord, Krieg und Korruption toben über das Antlitz dieses Planeten! Jeden verdammten Tag trifft irgendjemand die bewusste Entscheidung, sein Leben für jemand anderen zu opfern! Jeden verdammten Tag trifft irgendjemand die bewusste Entscheidung, jemand anderen fertigzumachen! Menschen verlieben sich ineinander! Menschen leben sich auseinander, Herrgott nochmal! Ein Kind muss dabei zusehen, wie seine Mutter beim Eintritt zur sonntäglichen Messe von irgendwelchen Gangstern zu Tode geprügelt wird! Leute hungern! Jemand betrügt seinen besten Freund mit dessen Freundin! Manche, arme Seelen verscheiden in seltenen, aber umso bedauernswerteren Fällen in ihren Zelten! Wenn Ihnen diese Ereignisse, die das Salz des Lebens ausmachen, nicht ständig rundherum auffallen, dann, mein Freund, haben Sie einfach nicht viel Ahnung vom Leben - und von Festivals. Dann ist das mindeste, wenn Sie wirklich so dringend vor all dem flüchten wollen, was im echten Leben um Sie herum passiert, dass Sie sich auf bereits existierende, bewährte Film-Skripte stützen.

 
 
Student:
  Aber was soll ich in einer Festivalsituation denn mit Film-Skripts machen?

Professor: Nun, wenn Sie Zugang zu den Künstlern haben, die beim Festival auftreten, können Sie sie ja nachlesen lassen, und so kleine Hörspiele daraus basteln.

Student: Und welche Art von Filmen sollte ich dann dort nachstellen lassen?

Professor: Na, auf jeden Fall keine coolen Filme. Sie wollen ja nicht, dass ihre Hörerschaft sich in ihren Sesseln windet, weil Patrice und der Typ von den Dropkick Murphys, obwohl die selbst an und für sich eh voll in Ordnung sind, den Anfangsdialog aus Pulp Fiction halt doch einfach beim besten Willen nicht so lässig rüberbringen können wie John Travolta und Sam Jackson. Nehmen Sie lieber Schinken, die in ihrer Pompösität im Laufe der Jahrzehnte bereits etwas verdienstvoll angegilbt sind.

Student: Wie zum Beispiel?

Professor: Na, ich würd sagen, vielleicht sowas wie "Braveheart", "Amadeus", "Lawrence von Arabien", ha, das ist wirklich ein Monumental-Schmonz, wussten Sie, dass da in über 4 Stunden Laufzeit keine einzige weibliche Sprechrolle vorkommt?, dann noch den "Exorzist", "Stirb Langsam" für die action-Klientel und, für die Theaterfreunde, Faust. Und achten Sie darauf, dass sie zumindest ein paar der prominenteren Stimmen auf dem Festival abstauben, sonst hat das ganze in puncto Wiedererkennungswert echt keinen Sinn. Und jetzt verschwenden Sie nicht weiter meine überaus kostbare Zeit!

Student: Okay, Danke.


 
audio
 
title: Faust
length: 1:42
mit Madsen und Slut
MP3 (1.642MB) | WMA
   

 
audio
 
title: Der Exorzist
length: 1:56
mit Ladytron, Chikinki und den Roots
MP3 (1.863MB) | WMA
   

 
audio
 
title: Braveheart
length: 3:57
mit den Wombats, den Manic Street Preachers und den Charlatans
MP3 (3.784MB) | WMA
   

 
audio
 
title: Lawrence Of Arabia
length: 2:48
mit REM, den Hives, Lightspeed Champion und Euch
MP3 (2.687MB) | WMA
   

 
audio
 
title: Die Hard
length: 1:52
mit Louis XIV, Madsen, den Rocks und Kaizers Orchestra
MP3 (1.791MB) | WMA
   
 
 
Zusatz
  Als "Bonustrack" zu den bereits im Radio gesendeten Hörspielen gibt es hier noch einen Zusammenschnitt der besten Hoppalas bei den Aufnahmen, wo sich allerlei berühmte Menschen lustig verhaspeln; auch noch mal zur genüsslichen Erfassung hineingenommen: Michael Stipe kichert.
Der Nachwelt leider nicht mehr hinterlassen ist allerdings die zum Brüllen amüsante Begebenheit, bei der sich "the Jackal" von Kaizers Orchestra im Zuge seiner SFX-Tätigkeiten unabsichtlich eine Tasse Kaffee übers Hemd schüttet.
 

 
audio
 
title: Hoppalas
length: 3:03
MP3 (2.927MB) | WMA
   
 
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