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Wien | 15.4.2004 | 20:54 
Twilight Zone: Musik-, Film-, Comics & more aus den schummrigen Gebieten des Pop.

Rotifer, Blumenau

 
 
Crimson and Clover
  Sie trank gerne Dosenbier, grölte zu den Country-Hits aus der Jukebox und wurde in einer wüsten Biker-Bar verhaftet. Sie führte eine gescheiterte Existenz wie aus dem Gossen-Bilderbuch. Vor allem ermordete Aileen Wuornos auf dem Straßenstrich sechs Männer und raubte sie aus, um sich und ihrer Geliebten den Lebensunterhalt zu finanzieren.

Die Frau, die sich als ideale Figur für eine tragische White-Trash-Soap Opera anbietet, brachte kurzfristig die Massenmörderprofile des FBI ins Wanken. Weniger als fünf Prozent aller Serienmörder, heißt es, sind Frauen. Diese wiederum töten hauptsächlich Angehörige. Kein Wunder, dass eine Prostituierte, die unbekannten Männern auf dem Highway auflauerte, für Aufsehen sorgte.
 Die echte Aileen Lee Wuornos
 
 
Vom Leben vergewaltigt
  'Monster', das Debüt der Regisseurin Patty Jenkins, versucht nun klarzumachen: Hinter dem spektakulären Fall der vielfachen Mörderin steht viel mehr als ein Fressen für die Boulevardmedien. Aileen Lee Wuornos, macht der Film klar, war aber auch keine Ausnahme von der Fahndungsregel. Eben kein sadistisches Monster wie ihre meisten männlichen Serienkillerkollegen.

Während ein Ted Bundy oder Henry Lee Lucas aus purer, fiebriger Lust am Töten im amerikanischen Niemandsland herumkreuzten, führte Wournos ihre Taten mit der selben Abscheu aus, mit der sie auch ihren Körper verkaufte. Die Hauptmotivation, neben einem gewissen Machtgefühl der Männerwelt gegenüber: an schnelles Geld und ein Auto zu kommen. Dahinter, das belegen auch zwei Dokumentarstreifen von Nick Broomfield, steht eine Frau, die vom Leben vergewaltigt und an den Abgrund getrieben wurde.

 Die falsche Wournos
 
 
Bedingungslose Identifikation
  Dieses Dasein voller Demütigungen, Enttäuschungen und Katastrophen stellt Charlize Theron mit jener unbändigen Energie da, von der sämtliche Vorabberichte schon lange schwärmten. Aber Golden Globe, Silberner Bär und Oscar hin oder her, manchmal ist ihre bedingungslose Identifikation mit Aileen Wournos einfach zuviel des Guten. Die manische Performance lenkt nicht selten vom eigentlichen Thema des Streifens ab. Und statt in die Story zu kippen, schlug zumindest ich mich mit ganz anderen Fragen herum: Wie macht das Charlize mit dem Zunehmen und Abnehmen? Ist das gesundheitlich vertretbar? Wieviel Method-Acting verträgt ein Film?

Glücklicherweise steuert Christina Ricci als lesbische Freundin Selby auf genial-subtile Weise ihrer Filmpartnerin entgegen. Ihre Auftritte alleine machen 'Monster' zum Pflichtfilm und auch die Nebenrollen sind bestens besetzt.

 Charlize Theron
 
 
Country-Balladen und Achtziger-Heavy Metal
  Schön auch, dass ein Film über so ein todernstes Thema auf die üblichen ästhetischen Gimmicks verzichtet. In relativ schlichten Bildern, allerdings auch einer sehr konventionellen Dramaturgie folgend, erzählt 'Monster' die Liebesgeschichte der selbstzerstörerischen Außenseiterinnen. Aileen Wuornos, die herumreisende Prostituierte trifft auf Selby Wall (ihr wirklicher Name lautete Tyria Moore), deren Eltern sie von ihrer Homosexualität "heilen" wollen. Ihre gemeinsame Umarmung zum Gänsehaut erregenden Schmachtfetzen 'Crimson and Clover' gehört schon jetzt zu meinen Leinwandmomenten des Jahres.

Wie überhaupt die Tonspur verantwortlich ist, dass dieses True-Crime-Melodrama zwischen Overacting und Understatement letztlich mitreißt. Bewusst plakativ setzt Patty Jenkins Country-Balladen und Achtziger-Heavy Metal ein, bis zum bitteren Ende von Lee Wournos in der Todeszelle. Das mag für manche zu schwulstig sein, vom verlogenen Pathos des üblichen Hollywood-Outputs ist 'Monster' allerdings weit weg. Kein perfekter Film, aber auf jeden Fall ein sehenswerter.

 
 
  Tipp: Das Wiener Gartenbaukino zeigt ab 15. April 'Monster' in der amerikanischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Beginnzeiten täglich 16:30, 18:45 und 21:00 Uhr.

 
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