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Wien | 7.9.2000 | 15:44 
Twilight Zone: Musik-, Film-, Comics & more aus den schummrigen Gebieten des Pop.

Rotifer, Blumenau

 
 
Preacher: Rest In Peace
  Also: Natürlich sind Happy Ends prinzipiell mal mit höchster Skepsis zu betrachten. Welcher Drehbuchschreiber, Buch- oder Comicsautor lässt, wenn er einigermaßen bei Verstand ist, seine (Anti-) Helden denn schon freiwillig in den Sonnenuntergang reiten? Wo doch a) das wirkliche, wahre, harte Leben sich fast nie in Friede, Freude und Engelschorälen auflöst und b) ein tragischer oder bösartiger Schluss einfach schon formal viel mehr kickt als ein Lulu-Happy End.

Dass in allen Produkten der Popkultur (in den Opern sterben sie wenigstens am Ende) trotzdem immer fast alles mit einem Strahlen auf dem Gesicht endet, hat natürlich mit einer Industrie zu tun, die - siehe John Woo einst und jetzt - sich einen Dreck um künstlerische Anliegen schert. Und die alles tut, damit die lieben Käufer-Schäfchen sich ganz, ganz wohl fühlen und in ihrer heilen Hausschlapfenwelt nicht verstört werden.
 Mr.Jesse Custer
 
 
Sind Happy Ends doch OK?
  Wenn jetzt Garth Ennis - ein Comicautor, gegen dessen antiautoritäres Weltbild Marilyn Manson eine Kindergarten-Tante ist - sein bestes Comic mit einem HAPPY END ausklingen lässt - ja, jetzt ist es heraus! - was heißt das dann? Ausverkauf? Der Untergang der comiclesenden Menschheit? Nein.

Denn es gibt Ausnahmen.

Ich liebe z.B das Ende von "Wizard Of Oz", wenn Dorothy die roten Schuhe zusammenschlägt und zurück nach Kansas gezaubert wird. Ich finde es schwer rührend, wie beide "Babe"-Filme ausklingen. Ich finde, der Schluss von "Fight Club" (auch irgendwie ein Happy End, oder?) ist das Beste am ohnehin ziemlich großartigen Film. Ich liebe das Ende von "Blue Velvet", wenn die Rotkehlchen singen und die Unschuld (kurzfristig und scheinbar) über das Böse siegt. Und ich bin heulend weggebrochen bei "Breaking The Waves", wenn die Himmelsglocken läuten und die wunderbare Beth zur Heiligen erklären.

Happy Ends sind dann OK, wenn sie nicht blöd grinsen, wie im durchschnittlichen Hollywood-Unfug, sondern uns das Herz rausreißen. Garth Ennis, der alte Filmfan, weiß das. Und Steve Dillon, sein kongenialer Zeichner, setzt es um. "Preacher Nr.66", das Finale der subversivsten, witzigsten, spannendsten Comicserie der letzten Jahre, ist nicht nur blasphemisch, dass der Vatikan erzittert, es ist auch sentimental as hell. Garth Ennis riss mir ein kleines Stückchen Herz raus.

 The Saint Of All Killers
 
 
PS:
  Wer mit den Abenteuern von Prediger Jesse Custer, der wunderbaren Tulip, dem irischen Vampir Cassidy und dem Saint Of All Killers nicht vertraut ist, muss jetzt sofort in den nächsten Comicshop und sich alle Ausgaben nachkaufen. Und mitflennen. Alle anderen dürfen sich freuen, über einen Showdown, wie ihn Sergio Leone, Kathryn Bigelow, David Lynch und Lars Von Trier zusammen nicht besser inszenieren könnten.

 Tulip
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  Einige News zur geplanten Preacher-Verfilmung

filmforce.ign.com/news/929.html
   
 
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