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Wien | 14.8.2006 | 10:08 
Twilight Zone: Musik-, Film-, Comics & more aus den schummrigen Gebieten des Pop.

Rotifer, Blumenau

 
 
Zurück in die Zukunft
  Manchmal ist man ja als Kinobesucher leicht zufrieden zu stellen. Da reichen schon ein paar bestimmte Szenen für anhaltende Glücksgefühle.

Eingefleischten Star Wars-Anhängern beispielsweise genügt der entscheidende Moment in 'Episode III', wo sich Anakin Skywalker endlich in Darth Vader verwandelt, um sämtliche lächerlichen Konversationen, unfreiwillig komischen Akteure und die digitale Megalomanie der Neuauflagen zu vergessen.

Das ist die Macht der Nostalgie. Der glänzende schwarze Helm und das markante Röcheln lassen Millionen von Menschen mit einem wohligen Schauer an ihre jeweilige Initiation in die Welt der Sternenkriege denken.

Mittlerweile lebt die Filmindustrie zu einem Gutteil von solchen Déjà-vu-Erlebnissen und Flirts mit der Vergangenheit. Ohne all die Sequels und Prequels, Remakes und Re-Imaginationen wäre das kommerzielle Kino unserer Tage kaum mehr vorstellbar.
 
 
  Ich für meinen Teil betrachte dieses endlose Herumwühlen im Fundus der Geschichte eher kritisch. Nicht selten stimme ich im Freundeskreis eine regelrechte Hasstirade gegen den wehmütigen Blick zurück an. Weil er oft mit einer Geringschätzung der Gegenwart einhergeht. Häufig steht die Verklärung früherer Filme, Bücher oder Alben für eine regelrechte popkulturelle Erstarrung, einen reaktionären Stillstand.

Und dann packt sie mich plötzlich auch mit ihrer geballten Kraft, die verdammte Nostalgie, und ich ergebe mich ohne Gegenwehr. Unlängst, in der Pressevorstellung von 'Superman Returns', war es wieder einmal so weit.

 
 
Der Gral der Comicverfilmungen
  Die Gänsehaut stellte sich bei diesem Film gleich nach wenigen Sekunden ein. Es gibt nur wenige Soundtrack-Themen, auf die ich so konditioniert reagiere, wie auf John Williams phänomenale Superman-Fanfare. Ich erinnere mich an einen Abend im Wiener Flex, vor etlichen Jahren, wo ein DJ eben diese Melodie als Intro auflegte und ich wie paralysiert vor Freude war.

Williams' Musik beamt mich auf der Stelle in eine Ära, in der es noch keinerlei Männer oder Frauen auf der Leinwand zu betrachten gab, die in bunten Trikots für die Gerechtigkeit kämpften. Wer als schwerst minderjähriger Comic-Süchtiger nahezu besessen von Superhelden aller Arten sein Dasein fristete, fühlte sich damals filmisch gesehen in einer absoluten Wüste. Gerade mal ein mickriger Zusammenschnitt der komödiantischen Billig-TV-Serie 'Batman' hielt die Fan-Welt in Atem.

 
 
  Das änderte sich schlagartig, als 1978 'Superman - The Movie' mit beträchlichem Werbeaufwand startete.

Regisseur Richard Donner verfügte nicht nur über ein gigantisches Budget, was die Umsetzung der essentiellen Spezialeffekte betraf. Er näherte sich der papierenen Vorlage auch mit einem für Hollywood völlig unüblichen Respekt.

Zwar verzichtete Donner nicht auf einen verschmitzen Humor und auch die infantile Seite von fliegenden Helden in seltsamen Klamotten blendete er nicht aus. Aber grundsätzlich nahm er den Mythos rund um Superman ernst und belächelte niemals die Treuherzigkeit der Figur.

 
 
Altmodische Gemächlichkeit
  Es ist diese seriöse Herangehensweise, die Richard Donners 'Superman' zum heiligen Gral der Comicverfilmungen macht. Und zum riesigen Vorbild für die späteren Großmeister des Genres wie Sam Raimi ('Spiderman'), Guillermo del Toro ('Hellboy') oder Bryan Singer.

Bei dem letzteren Herren, dem wir zwei ganz wunderbare 'X-Men'-Streifen verdanken, geht die Verehrung für 'Superman - The Movie' und auch 'Superman II' (1980) aber noch viel weiter als bei anderen.

Bryan Singer stürzte sich mit einer eindeutigen Absicht auf das Angebot, den Mann aus Stahl aus seinem jahrzehntelangen filmischen Tiefschlaf zu holen. Er will mit sämtlichen verfügbaren Mitteln der Hi-Tech-Gegenwart möglichst nahtlos an die Endsiebziger und frühen Achtziger anschließen.

 
 
  Dieses Vorhaben ist gelungen.

Und so mutet nicht nur der Vorspann von 'Superman Returns' mit den donnernden Klängen von John Williams wie eine einzige bombastische Hommage an. Das immens teure Werk fasziniert und irritiert als ein 154 Minuten langer Trip zurück in die Zukunft. Ein Film ist das, der zwar sämtliche heute notwendigen Blockbuster-Schauwerte enthält, sich in seinem Erzähltempo aber fast schon mutig den zeitgenössischen Konventionen verweigert.

Konträr zum immer noch angesagten Post-'Matrix'-Getöse, mit altmodischer Gemächlichkeit und dem notwendigen Pathos, erzählt Bryan Singer die Geschichte vom letzten Überlebenden des Planeten Krypton.

Und exakt auf den Spuren Richard Donners bleibt am Ende, wenn beim Abspann wieder dieses unverwüstliche Thema ertönt, eine Hymne an unkorrumpierte Unschuld und ungebrochene Naivität zurück.

 
 
Sentimentaler Recycling-Reigen
  High-Speed-Junkies und Zyniker aller Arten können sich den Film somit sparen. Ewige Kinder werden allerdings genau diese Aspekte lieben. Fügt sich doch auch die Besetzung formidabel in das Konzept von Bryan Singer ein.

Brandon Routh, der bislang nur Nebenrollen in Soap Operas spielte, wurde ganz bewusst wegen seiner Ähnlichkeit mit dem legendären Christopher Reeve ausgesucht. Fast gespenstisch wirken seine Auftritte als Clark Kent im Daily Planet-Office, bei denen jede linkische Bewegung an den verstorbenen Superman-Darsteller erinnert. Dennoch gelingt es Routh, bei allen Anspielungen der Figur eine eigenes Profil zu verleihen.

Bestens ausgesucht ist auch Kevin Spacey, der als Lex Luthor dank deutlich sadistischerer Züge den klamaukhaften Oberbösewicht von einst sogar übertrifft. Gleichzeitig nimmt er direkt Bezug auf seinen berühmten Vorgänger Gene Hackman.

 
 
  So weit geht Singers spielerischer Umgang mit früheren Charakteren und Elementen, dass er Marlon Brando mittels unveröffentlichtem Material aus dem Schneideraum einen Auftritt als Jor-El absolvieren lässt. Abgesehen von der gänzlich fehlbesetzten Kate Bosworth, die den forschen und selbstbewussten Charme von Lois Lane in keinster Weise verkörpert, stört wenig diesen sentimentalen Recycling-Reigen.

Ob dieser Versuch eines Brückenschlags zwischen den Zuseher-Generationen auch für vollkommen Uneingeweihte funktioniert, traue ich mich aber nicht vorherzusagen.

Für mich zählt nur, dass der erste Superheld, den ich in einem abgedunkelten Saal jemals fliegen sah, wieder durch die Lüfte zischt. Bisweilen reichen dicke Hornbrillen und ein bestimmtes Grinsen, ein rotes Cape und eine spezielle Musik, um in bester Laune aus dem Kino zu taumeln.

Wie gesagt, Nostalgie kann eine Macht sein.

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