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Wien | 27.9.2006 | 00:39 
Twilight Zone: Musik-, Film-, Comics & more aus den schummrigen Gebieten des Pop.

Rotifer, Blumenau

 
 
Blutgericht in Ebensee
  Ich muss mich ja wieder einmal entschuldigen. Aber ich bin schließlich nur Teilzeit-Filmkritiker und kann als solcher nicht einmal annähernd all die Streifen wahrnehmen, die mir als Fulltime-Filmfan so unterkommen. Und wenn, wie dieser Tage, eine Deadline die andere jagt, geht erst recht vieles unter.

'In 3 Tagen bist du tot', der heimische Horrorthriller von Andreas Prochaska, ist so ein Streifen, über den ich eigentlich nicht vor hatte zu schreiben. Nicht, weil meine zugegeben enormen Vorurteile gegenüber österreichischen Genrekino-Beiträgen mich davon abhielten. Sondern weil der dichte Terminkalender mich schlicht hinderte, mich mit diesem Film auseinanderzusetzen, über den viele vertrauenswürdige Kollegen vorab geschwärmt hatten. Pressevorführung verpasst, das FM4-"Kino unter Freunden" ebenso.

Aber genug gejammert. Heute ging sich dann doch noch eine Vorführung aus und die Euphorie zwingt mich einfach, einige Zeilen hier loszuwerden.
 
 
  Zumindest einen okayen und halbwegs soliden Klon amerikanischer Teenie-Schocker erwartete ich mir nach all dem Presselob. Tatsächlich ist in 'In 3 Tagen bist du tot' aber viel mehr. Der Film löst endlich ein, was ich mir seit Menschengedenken erwarte: Er zeigt, wie einfach und unverkrampft und vor allem originell sich klassische Genremuster hierzulande adaptieren lassen.

Theoretisch wusste ich das ja schon immer: Dass sich dieses Land, seine Menschen und vor allem die Gegend nicht nur für schnöde Alltagsbeobachtungen, sozialpornografische Dramen und kabarettistische Leinwandwitzeleien eignet. Sondern vor allem auch für schreckliche und schrecklich schöne Versuche in Sachen Gänsehauterzeugung.

Warum soll ausgerechnet Österreich, mit seinen ungezählten gespenstischen Winkeln und Orten, vom bewährt morbiden Wien bis zu kargen Bergdörfern, mit seinen Lokalnachrichten-Gemetzeln und Eifersuchts-Splattereien, keine potentielle Horrorfilm-Nation sein? Warum gelingen italienischen, spanischen, französischen oder dänischen Filmemachern ganz selbstverständlich spannende und atmosphärische Geschichten, die neben Thrills und Kicks eben auch einen unverwechselbaren Lokalkolorit bieten?

 
 
  Solche Fragen gehören aber jetzt der Vergangenheit an. Denn es geht. Alles ist möglich. 'In 3 Tagen bist du tot' ist der praktische Beweis.

Du kannst einen Film drehen, der auf den internationalen Markt zielt und dennoch auf das grässliche Pseudo-Ösi-Hochdeutsch verzichtet, an dem auch avancierte Akteure dauernd scheitern. Lass deine Darsteller einfach im Dialekt sprechen. Provinziell muss dieser Film deswegen in keiner Sekunde sein.

Es ist auch möglich, im Gegensatz zum schablonenhaften Hollywood-Highschool-Horror, die Charaktere ernst zu nehmen und ihnen mehr Würde und Esprit zu verleihen, als es der übliche Bodycount-Faktor verlangt. Mehr noch, wie die besten Genrearbeiten darf Andreas Prochaskas Streifen auch einen charmanten Subtext haben, der vom Aufwachsen am Land erzählt, von jugendlicher Renitenz und einer weiblichen Stärke, von der Burschen nur träumen können.

 
 
  Kaum zu fassen übrigens, dass es großteils Laiendarsteller sind, die in die Rollen der Opfer eines Ebenseer Serienkillers schlüpfen. Während in jeder beliebigen österreichischen TV-Serie der letzten Jahre die Dialoge zu einer reinen Qual geraten und simpelste Sätze gestelzt wirken, überzeugen die Naturtalente, die Prochaska aussuchte, allesamt.

Dass 'In 3 Tagen bist du tot' trotz sämtlicher Ambitionen sein wichtigstes Ziel nicht aus den Augen verliert, nämlich für handfesten Horror zu sorgen, ist aber das Bemerkenswertete. Und weil dieser Austro-Schocker auch noch im Finale nicht enttäuscht und uns öde Psychokiller-Monologe in Burgtheater-Sprache gänzlich erspart, wage ich von einem kleinen heimischen Filmwunder zu sprechen. Schaut euch das an.

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