fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Wien | 21.11.2006 | 12:34 
Twilight Zone: Musik-, Film-, Comics & more aus den schummrigen Gebieten des Pop.

Rotifer, Blumenau

 
 
Lizenz zum Menscheln
  Der hässlichste Titelvorspann der 007-Geschichte. Der schlechteste Themensong ever. Einige ermüdende Verfolgungsjagden, die nicht und nicht aufhören wollen. Davon abgesehen ist 'Casino Royale' aber der sehenswerteste James Bond-Film seit Ewigkeiten.

Commander Bond, der alte Chauvinist im Auftrag Ihrer Majestät, ist im Laufe seiner weit über vierzigjährigen Karriere ja schon öfter in eine Sackgasse geraten. Zuletzt war es 2002 mit 'Die Another Day' wieder einmal soweit. Pierce Brosnan kämpfte sich ausgelaugt durch ein hoffnungslos übertriebenes Effektspektakel. So konnte es trotz voller Kinokassen nicht weitergehen, waren sich die Produzenten einig.
 
 
  Ein radikaler Neustart wurde ins Auge gefasst. Noch weiter in Richtung Postmoderne, Parodie und Zitatekino zu gehen, vielleicht sogar mit einem Tarantino im Regiestuhl, kam dabei nie ernsthaft in Frage. Barbara Broccoli und Michael G. Wilson, die Verwalter des höchst lukrativen James Bond-Erbes, entschieden sich für die ganz andere Richtung.

Raus mit all den Gimmicks und Gadgets, der gutgelaunte Waffenmeister Q wurde ebenso gefeuert wie die schäkernde Miss Moneypenny. Regisseur Martin Campbell bemüht sich in 'Casino Royale', den allerersten 007-Roman von Ian Fleming einigermaßen buchgetreu auf die Leinwand zu bringen. Und er kehrt damit zu den härteren Anfängen der Saga zurück.

 
 
Ramponierter Geheimagent
  Statt comichafter Überzogenheit gibt es tatsächlich so etwas wie Ansätze von Realismus zu sehen. Der Däne Mads Mikkelsen ist als Oberbösewicht Le Chiffre kein Supergangster, der nach der Weltherrschaft strebt, sondern einfach ein gieriger Geldwäscher im Dienste des Terrorismus. Die Französin Eva Green darf als Vesper Lynd die klassische Rolle der Bondine erstmals mit Emotionen ausstatten und im Gegenzug auf knappe Bikinis und Maschinenpistolen verzichten.

Dabei steht und fällt 'Casino Royale' mit jenem 38-jährigen Briten, der im Vorfeld so umstritten war wie kaum ein anderer Bond-Darsteller. Und eben dieser Daniel Craig überzeugt vollends als unsicherer, ramponierter, grantelnder Geheimagent, dem es völlig egal ist, ob sein Wodka-Martini geschüttelt oder gerührt serviert wird.

 
 
  Natürlich verzichtet der Film nicht auf die obligaten spektakulären Schauplätze, auf schnelle Schlitten und jede Menge Schießereien. Aber es menschelt eben gehörig in diesem Agentenabenteuer. James Bond schwitzt und blutet wie ein gewöhnlicher Erdenbürger, er begeht Fehler und kommt eigentlich nie zum Sex.

Eingefleischte Fans können trotzdem aufatmen. Daniel Craig, der toughe Typ mit dem Waschbrettbauch, dürfte die neue Ikone aller Männermagazin-Abonnenten werden. Dass er trotzdem sympathisch wirkt, spricht für den Schauspieler und ist eines der kleinen Wunder rund um 'Casino Royale'.

fm4 links
  Offizielle Seite zu "Casino Royale"
   
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick