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Wien | 9.5.2007 | 10:02 
Twilight Zone: Musik-, Film-, Comics & more aus den schummrigen Gebieten des Pop.

Rotifer, Blumenau

 
 
Ein Großmaul macht Karriere
  In Hollywood feiert man ihn als Shooting Star im Regiestuhl, der hohe Einspielergebnisse garantiert. Viele Fans blutiger und actionlastiger Genrefilme verehren ihn als neuen Guru. Die meisten Kritiker stehen ihm skeptisch gegenüber. Der Iran betrachtet ihn wohl als Staatsfeind: Der Filmemacher Zack Snyder spaltet die Meinungen genauso wie sein vieldiskutiertes Machwerk '300'.

Zuvor hat der 41-jährige Amerikaner aus Wisconsin nur einen Film gedreht, der weitaus weniger Staub aufwirbelte. Im Gegenteil, das ebenfalls höchst lukrative Zombiespektakel 'Dawn of the Dead' darf wohl als konsensträchtigstes unter den zahlreichen Horror-Remakes der Nullerjahre bezeichnet werden.
 Zack Snyder
 
 
Gewalt, Action und Sex
  "Ich schlafe ein, wenn im Kino niemand gekillt wird. Wenn ein Film nicht verdammt sexy, extrem brutal und cool ist, warum soll ich ihn mir dann ansehen? Ein Film muss dir ins Gesicht springen!" Mit solchen und ähnlichen Ansagen provoziert Zack Snyder gerne bei Podiumsgesprächen das intellektuelle Auditorium. Weite Teile der Filmgeek-Community dagegen lieben ihn genau deswegen. Schließlich scheint er einer von ihnen zu sein, ein Liebhaber des wilden, ungezügelten Genrekinos, der seine Leidenschaft zum Beruf machte.

Snyder gehört zu einer neuen Generation von ultraprofessionell agierenden Fanboys im Regiestuhl. Alexandre Aja oder Eli Roth heißen einige seiner Kollegen, die ebenfalls auf Gewalt, Action und (in geringeren Dosen) Sex setzen.

Was diese Regisseure mit ihrem großen Bruder Quentin Tarantino verbindet, ist der immense Erfolg an den Kinokassen. Landeten Filme, in denen die Kombination von aufgeschlitzten Kehlen und entblößten Brüsten vorkam, früher meist in Ramschvideotheken oder auf dem Index, regieren jene des erwähnten Splat Pack die Spitze der amerikanischen Kinocharts. Und das, obwohl Snyder, Aja und Roth mit ihrer brachialen Filmphilosophie kaum Gefangene machen.

 
 
Derbe Scherze am Set
  Was die neuen Gewaltfilmer ebenfalls verbindet, ist ihre gute Bildung und eine Vergangenheit in der Werbebranche. Zack Snyder gewinnt etliche Preise für seine slicken Kinospots, bevor er seinen ersten Spielfilm auf die Beine stellt. Dafür sorgt das Remake des George A. Romero-Klassikers 'Dawn of the Dead' 2004 gleich für lange Box-Office-Schlangen. Nicht nur das, auch die Presse lobt den Streifen und die avancierte Hauptdarstellerin Sarah Polley schwärmt in höchsten Tönen über ihren Regisseur.

Der Mann, der am Set so gerne blödelt und das ganze Team mit derben Scherzen unterhält, wird auf einmal als Riesentalent gehandelt. Snyder bekommt die Chance, sein Lieblingsprojekt zu verwirklichen, eine Verfilmung von Frank Millers Comic '300'. So wie bei seinem Zombiefilm will er auch hier keine Abstriche machen. Während sich die Produzenten eine sensible Herangehensweise an das Thema wünschen, möchte Snyder vor allem (digitales) Blut sehen.



 Snyder und Zombie-Freunde
 
 
Bewusst unpolitisch
  Jetzt, nach dem Smashhit '300', gehört Zack Snyder zu den erfolgreichsten Regisseuren der Gegenwart. Aber kaum ein Filmemacher wird auch so angefeindet. Vergnügt, gewitzt, unernst gibt sich Snyder bei Pressekonferenzen, dass sein Film faschistische, rassistische und frauenfeindliche Untertöne haben soll, darüber grinst er breit.

Genau das unterscheidet ihn und seine Kollegen von früheren Brutalofilm-Ikonen. Während Regisseure wie Wes Craven oder Romero auf gesellschaftliche Bezüge und den sozialen Subtext in ihren Splattermovies pochten, gibt sich Snyder bewusst unpolitisch. Auch in seinem Remake von 'Dawn of the Dead' hat er auf die satirischen Hintergründe des Originals großteils bewusst verzichtet. Die Interpretation von '300' überlässt er überhaupt vollständig dem Zuseher.

 
 
Neues Monsterprojekt
  Ist Zack Snyder einfach nur Hollywoods neuester Regie-Hooligan? Eine Einmann-Mischung aus Rammstein und der Bloodhound Gang, der zufälligerweise ein lässiger Zombiefilm gelang? Oder doch ein Erneuerer des Genrekinos?

Das wird sich spätestens bei seinem nächsten Projekt zeigen. Der Regisseur bringt 2008 das klügste, spannendste und komplexeste Comic aller Zeiten auf die Leinwand: die 'Watchmen'-Saga von Alan Moore. Wenn ihm dieses Monsterprojekt gelingt, verzeihe zumindest ich Zack Snyder sämtliche Dummheiten, die er mit '300' verbrochen hat.

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  "Wanderer, geh einfach weiter..."
Hans Wu: Der Film '300' erweist sich tatsächlich als plumpe alte Propagandamaschine.

Kampf der Kulturen
Christian Fuchs: Notizen zu Zack Snyders '300' und den dazugehörigen Kontroversen.
   
 
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