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Wien | 1.5.2008 | 14:27 
Twilight Zone: Musik-, Film-, Comics & more aus den schummrigen Gebieten des Pop.

Rotifer, Blumenau

 
 
Harte Schale, rauer Kern
  Superhelden führen ein unvergleichliches Leben. Sie sausen von einem Hochhausdach zum nächsten, schleudern tonnenschwere Objekte durch die Luft oder umrunden den Erdball in wenigen Minuten. Sie werden bewundert, verehrt und gefürchtet. Nur privat sieht die Sache anders aus.

Abseits ihrer grellen Kostümierungen erweisen sich die meisten Superhelden nicht gerade als spannende Typen. Spider-Man stolpert als biederer Student durch den Alltag, der mühsam sein Geld als Fotograf verdient. Superman ist ein verklemmter Reporter, dessen große Liebe ihn belächelt.

Diese Durchschnittlichkeit hinter der übermenschlichen Fassade hat natürlich ihren dramaturgischen Reiz. Trotzdem ist es höchst erfrischend, einmal einen ganz anderen Superhelden zu sehen. Jemanden wie 'Iron Man' alias Tony Stark.
 
 
Kontroverser Antiheld
  Der Kerl unter der stählernen Rüstung ist endlich einmal kein schüchterner Nerd wie Peter Parker oder Schwiegermutterliebling à la Clark Kent. Stark wirkt wie die Antithese zu diesen keimfreien Charakteren, ein großkotziger Zyniker, ein amoralischer Frauenheld, ein altmodischer Renaissancemann mit einer Vorliebe für schnelle Autos, hochprozentige Getränke und gemeine Scherze.

Tony Stark ist vor allem aber einer der reichsten Waffenfabrikanten der Welt, der sich seine luxuriösen Hobbys durch Verträge mit der US-Army finanziert. Eigentlich eine durch und durch dubiose Figur, aber Robert Downey Jr. spielt den Egozentriker so gewitzt und energiegeladen, dass man sofort seinem Charme erliegt.

'Iron Man' ist der erste selbstfinanzierte Blockbuster aus dem Hause Marvel, ein immens teures Prestigeprodukt, mit dem das amerikanische Comic-Imperium so richtig durchstarten will. Und das bedeutet natürlich, dass der kontroverse Antiheld Stark eine Läuterung durchmachen muss.

 
 
Selbstgebaute Hi-Tech-Rüstung
  Nachdem der Milliardär bei einem Waffentest in Afghanistan von Terroristen entführt wird, erlebt er plötzlich hautnah den Schrecken des Krieges. Tony Stark baut sich mithilfe eines anderen Gefangenen eine eiserne Rüstung, die ihm den Ausbruch ermöglicht.

Zu Hause in den USA stoppt der einst gewissenlose Waffenmagnat seine Produktion und sucht voller Schuldgefühle nach neuen Wegen für sein Unternehmen. Stark macht die Rechnung aber ohne seinen Geschäftspartner Obadiah Stane (herrlich diabolisch: Jeff Bridges). Der zwielichtige Firmenleiter entpuppt sich als Oberbösewicht, der heimlich Waffen an sämtliche Feinde Amerikas verkauft.

Außer seiner Privatassistentin Pepper Potts (ungewohnt ironisch: Gwyneth Paltrow) kann Tony Stark niemandem mehr trauen. Er verbunkert sich in seiner Villa und bastelt an einer Hi-Tech-Rüstung, mit der er sich auf Verbrecherjagd begeben will.

 
 
One-Man-Show
  Wenn der computeranimierte 'Iron Man' tatsächlich die Handlung übernimmt, verliert der Film leider an Esprit und Witz. Die finalen Auseinandersetzungen bewegen sich schließlich nach vorhersehbarem Comic-Kino-Muster.

Aber trotz aller Berechenbarkeiten zum Ende hin gelingt Regisseur Jon Favreau eine schwierige Gratwanderung: Er schafft es, ein knallbuntes Effektspektakel für die lieben kleinen Spielzeug-Käufer mit erwachsenen Inhalten zu unterwandern. Wie man bei so einem Spagat auf klägliche Weise scheitern kann, beweisen demnächst die Wachowski-Brüder mit der filmischen Katastrophe 'Speed Racer'.

Dass bei all der überdrehten Action und dem naiven Marvel-Humanismus die bissige Satire nie zu kurz kommt, verdankt sich allerdings dem Hauptdarsteller. Robert Downey Jr. liefert, wie gesagt, eine großartige One-Man-Show. Mondän wie James Bond und sympathisch verkorkst, ist 'Iron Man' privat noch aufregender als mit Rüstung. Da könnte Superman durchaus neidisch werden.

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  ironmanmovie.marvel.com
   
 
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