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Wien | 13.12.2008 | 09:31 
Twilight Zone: Musik-, Film-, Comics & more aus den schummrigen Gebieten des Pop.

Rotifer, Blumenau

 
 
Action mit Aussage
  Sollte ich zu meinen Lebzeiten noch Zeuge eines außerirdischen Besuchs auf der Erde werden, dann wünsche ich mir natürlich, dass die kleinen grünen oder auch grauen Männchen in bester Absicht kommen.

Ich träume diesbezüglich von einer übermächtigen Intelligenz, die als gleißendes Lichtwesen erscheint und uns armseligen Menschlein hilft, das Problem des Hungers und der Energieversorgung zu lösen. Es würde nicht schaden, nebenbei noch die Waffenarsenale der Großmächte einzufrieren und dem Homo Sapiens die generelle Bedeutung von Liebe und Frieden im größeren Zusammenhang des Universums klarzumachen.

Ja, ich würde gerne die Errettung unserer Spezies durch Wesen from outer space sehen. Aber bitte nicht auf der Kinoleinwand.
 
 
  Oder gibt es da draußen ernsthaft welche unter euch, die die niedlichen ETs aus Filmen wie 'Mission To Mars', 'Close Encounters of the Third Kind' (Unheimliche Begegnung der dritten Art) und, ja, 'E.T. the Extra-Terrestrial' all den saucoolen Giger-Aliens, Predatoren und Body Snatchers vorziehen, die ihren giftigen Schleim auf unschuldige Opfer losspritzen?

Will wirklich jemand Mulder und Scully beim Kuscheln mit außerirdischen Invasoren sehen? Wäre 'The Abyss' nicht ein viel besseres Unterwasser-Epos, wenn dort unten am Grunde des Meeres statt putzigen Weltraumkreaturen das blanke Grauen lauern würde?

Wohlig warme Erlösungsfantasien eignen sich einfach kaum als Filmstoff, traue ich mich jetzt mal zu behaupten. Es muss schon ein Genie wie Stanley Kubrick im Regiestuhl sitzen, um wie in '2001: A Space Odyssey' ernsthaft und abstrakt das bedrohliche Außerirdische mit einer göttlichen Heilsbotschaft zu verbinden.

 
 
Schwarzweißer Klassiker
  Eine andere Ausnahme ist ein höchst seltsamer Science-Fiction-Streifen aus dem Jahr 1951. Der Kalte Krieg zeigt sich damals von einer besonders hässlichen Seite, in Amerika regiert die antikommunistische Paranoia. Das Klima der Angst spiegelt sich perfekt im Genrekino der Zeit wider. Böse ETs jeglicher Art bedrohen die Welt und haben es besonders auf die braven US-Bürger abgesehen.

Inmitten vieler monströser Weltraum-Invasoren ragt ein freundlicher, zivilisiert wirkender UFO-Pilot heraus. Klaatu heißt der kultivierte Mann, der der Erde eine Botschaft überbringt: Entweder die Regierungen stoppen das atomare Wettrüsten - oder die Menschheit wird von einer außerirdischen Allianz vernichtet.

'The Day The Earth Stood Still' (Der Tag, an dem die Erde stillstand) heißt der schwarzweiße Klassiker von Robert Wise, mit dem bedrohlichen Alien, der es dann doch gut meint. Irgendwie klappt die diffizile Mischung zwischen bedrohlichen Momenten und pazifistischen Anklängen blendend, auch dank des mysteriösen Soundtracks von Bernard Herrmann.

 
 
Schwierige Gratwanderung
  Nun kehrt Klaatu im Zuge der aktuellen Remakemanie etliche Jahrzehnte später auf die Leinwand zurück. In die Rolle des einstigen B-Movie-Stars Michael Rennie schlüpft 2008 ein gewisser Keanu Reeves.

Die simple Geschichte aus den fünfziger Jahren hat Regisseur Scott Derrickson inhaltlich gar nicht großartig verändert. Nur die Botschaft modifizierte er für die Gegenwart. Klaatu droht der Welt nicht mehr wegen dem Wettrüsten mit dem Untergang. Der Mensch, erklärt uns Keanu Reeves mit monotoner Stimme, zerstört die Natur des Planeten - und muss deshalb ausgelöscht werden, bevor die Erde stirbt.

'The Day The Earth Stood Still' will also beides sein, ein aufwändiger Katastrophenfilm mit spektakulären Bildern der Vernichtung. Und gleichzeitig der erste Öko-Blockbuster Hollywoods, ein Stück Actionkino im Zeichen der neuen Obama-Ära. Und da haben wir wieder diese schwierige Gratwanderung, die eigentlich nicht gut gehen kann.

 
 
  Befremdlich pendelt der Film zwischen atmosphärisch düsteren Momenten und humanistischem Pathos hin und her. Keanu Reeves, als enigmatischer Klaatu perfekt besetzt, tut ebenso wie Jennifer Connelly als herzensgute Erdbewohnerin sein Bestes, um die krude Mixtur funktionieren zu lassen.

Aber der Kampf gegen die ausgesprochen schlechten GCI-Effekte ist ebenso vergeblich wie gegen die naive Story. Da ist auch noch die kleine Plage Jaden Smith, der Sohn von Will und Jada Pinkett Smith, der als ärgerlichstes Filmkind seit langem die Nerven der Zuschauer strapaziert.

Und wer die deutsche Fassung ansieht, sollte sich mental auch noch auf das Ende vorbereiten. Für alle, die die ökologische Message nicht kapiert haben, hat Thomas D. noch einen Abspannsong bereit. Es ist der peinlichste Abspannsong der jüngeren Filmgeschichte. Und man wünscht sich, eine strenge außerirdische Macht würde endlich den deutschen Hip-Hop-Kitsch beenden.

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