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Wien | 15.6.2003 | 16:57 
Innerlichkeiten. Äußerlichkeiten.

HansWu, Pfister

 
 
"Meine Eltern holen mich nie ab",
  seufze ich und blicke gen Hoteltischtuch. Der Rest der Gang lacht und wartet weiter auf den ÖAMTC, der unseren Autoschlüssel retten soll. B. hatte ihn am Vorabend in den Kofferraum geworfen, derweilen ich als UnfreiwilligeErsatzCourtneyLove mit den Worten "Ich find meine Unterwäsche nimmer" mein schönes Tankstellenbier fallen ließ. Tausend Splitter, Kofferraum zu, alles zu spät. Es war der Abend, als wir vom Nuke in unsere Pension mit dem Roboterschlüsselbrett, das einen Code wissen will, heimkehrten. Es war der Morgen, an dem wir wieder heimfahren wollten.

Some velvet morning
when I'm straight
I'm gonna open up the gate
And maybe tell you
 
 
 
Da werden die Bands des zweiten Tages angeliefert. Die exuberanten Sneaker Pimps füllen zwei Kisterln, die Sportfreundeschachtel ist leider leer, und die Tocobox ist in zwei Teile gebrochen.
 
 
Schnell mit Autechre aus der Sprühflasche gegen Mücken eingenebelt, oder wie das Zeug eben heißt, und ab dafür ins Hedonistenareal. Während J. mit Fotos von einer Kamelfarm vormittäglichen Eindruck zu schinden versucht, ist A. auf seiner Ranch wirklich König. Sumoringen konnte man auch, in muffigen Tuchentanzügen, menschliches Tischfussballmännchen sein in einer Hupfburg und natürlich auch, nach einer entspannten mid-festival Autositzparty während des Gentlemankonzerts, nach Wilhelmsburg fahren, sieben Kilometer, und dort Schokolade kaufen im Billardcafe beim Bahnhof. Und dann kommt man zurück, parkt das Auto mit Blick auf die Bühne, und Heinz spielen. "Wir können alle Sterne zählen und morgen in der Schule fehlen." Aber noch haben wir ja Tageslicht, 30 Grad und zu Heinz kommen wir später noch oft genug.
 
 
Schwerpunkt Wasser
 
 
 
 
Komm mit wir gehn jetzt schnell zum See und nehmen Brötchen mit und Tee (Heinz. Ja. Später ist oft schon früher). Hinter dem Campingplatz gabs einen wilden Bach, wo die wilden KerlInnen, denen der Fischteich (dazu kommen wir später) zu luluwarm war, von morgens früh bis abends spät am Actionbaden waren.
 
 
So hübsch war's auf dem Land: eine wunderschöne
Scheune. Mit Bienen in den Büschen und alles voller
Bäume. Ein lieber alter Bauer saß kauernd auf der Bank.
Kleine Kinder in den Wiesen. Wir dachten: Ach, wie
pittoresk, wenn man es so wie's ist sein läßt.
 
 
Dr. Reiser nimmt eine Wasserprobe, bevors wieder zurückgeht in den eiskastenartigen Übertragungswagen, Photoshopschnitzereien anfertigen. Der Pass um den Hals ist übrigens der allermächtigste, der PHOTO Pass. Der sticht sogar den AAA Access All Area Pass, weil man mit ihm in den Graben zwischen Bands und Publikum darf (der übrigens ziemlich breit war, Stereo Totals Francoise Cactus hat einmal kurz zum Ignorieren desselben aufgefordert, aber daraus wurde dann irgendwie doch nichts).
 
 
"Schnecken haben ihr kleines Meer immer mit", hat mir mal wer erzählt, und so halten es auch diese Herrschaften links vor der Bühne. Nicht im Bild: Jimi Tenor, der gerade mit seiner Band "Total Devastation" spielt.
 
 
"Ich bin überhaupt für mehr Hysterie im Alltag", merkt Dr. Reiser an, und bekommt sie prompt schriftlich.
Achtung, Fischteich!!!!!! warnen überall Schilder rund um dieses seltsam gletscherfarbige barbapapa-hantel-förmige stehende Gewässer. Jimi Tenor hat ein Handtuch mit und zwei seiner mutigsten Musiker. Der Mann in rot ist J.T.s Finanzberater, der Jimi seinem Traum vom Eigenheim Schritt für Schritt näher bringen will, schätzen wir mal, und der laminierte Verträge und Edding zum Unterfertigen schon in der Tasche hat. Aber dazu kommen wir noch später. DER PFEIL: Fisch haben wir natürlich keinen einzigen gesehen, needless to say, aber dort, wo der Pfeil hinzeigt, hat bei Dunkelheit nach dem Konzert und während eines heftigen Gewitters (aber dazu kommen wir später) Chris Corner von den Sneaker Pimps gebadet. In 15 Schritt Entfernung haben die dunkel/langhaarigen Groupiemädchen artig am Ufer gewartet, aus dem Wasser stieg Nebel, und die Bademeister am Baywatchturm haben aufgepasst. Davon gäbe es ein Foto, wenn mich nicht der Pimps Tourbegleiter erwischt hätte. Der ist überhaupt immer im falschen Moment aufgetaucht, z.B. als ich gerade nach dem Gewitter (ja! ja! dazu kommen wir noch) mein T-Shirt ausgewunden hab. Merke: Nie wieder mit weissem T-Shirt auf ein Festival. Oder wenigstens extrem verhüllende Unterwäsche anlegen. Oder nicht bei "Drüben auf dem Hügel" hochspringen und nicht ans Reingehen denken, wenn beim ersten Akkord der erste BlitzUndDonner kracht. Und beim letzten Ton noch ein Blitz. Und man steht da, als wäre man in voller Montur in den Fischteich gefallen, und Tocotronic werden von den Stagehands von der Bühne geschickt, damit sie nicht während des Spielens der Blitz erschlägt. Scheiße. Abbruch. Was nun?
 
 
Sorry to interrupt
 
 
 
 
Verlassen wir kurz den Nukeabend und 5000 Leute, die gleichzeitig zu ihrem Zelt rennen, um nach trockenen Anziehsachen zu suchen, und begeben wir uns kurz in den Nukenachmittag.
Jimi Tenor hats ja gut. Backstage, an seinem Trailer, hängt schon ein Angebot, das er nicht abschlagen kann. Der Wohnwagen ist zu kaufen, entweder 7000 Öcken auf einen Sitz, oder modern und flexibel jeden Monat eine Rate von 98 Euro. Das ist ja fast geschenkt, denkt Jimi, und blickt sich nach dem freundlichen Herrn im roten T-Shirt um.
 
 
Style lass nach
  Männerkopfbedeckungen. Oben Mitte hatte ein Pendant, ah da isser ja, Mitte rechts stand fein abgestimmt in Rufweite. Links Mitte hatte eine gelbschwarz karierte Knielange Hose an. Und Unten Mittes Hut forderte: "Bau mit!". Nö danke, davon werden die Augenlider womöglich so schwer wie deine.
 
 
 
 
 
  Das inoffizielle Nuke-Shirt. Feminin durch Oben-quer-Stoff Ausschnitt mit Schulterzeigemöglichkeit, Gitarrenmusikfestivaltauglich durch Streifung. Bloss sollte H&M mal über Limited Editions nachdenken.
 
 
 
 
 
  Warum zum Teufel bist du ganz in schwarz, wenn es _so_ heiß ist? Die Antworten waren entweder
A. "Weus eh scho wurscht is, oder?"
B. "Ah so? *ansichrunterblick*

Schön waren die Dame rechts, die sich im Takt mit Sonnenmilch eingeschmiert hat, und ein nicht abgebildeter junger Herr mit hellgrauen Schuhen zum sonst monochromen Outfit. "Die hab ich heute erst gekauft, weil vor der Bühne tanzen mit Sandalen?? Vergiss es."
 
 
 
 
 
Diebstahl
  Das sind meine neuen Gagschreiber. Von ihnen stammt der am Fischteich gehörte Schmäh: "Wer spielt heute?" - "Heinzophonic, Sneaker Heinz und Such a Heinz." Und natürlich, während ich das erste und einzige Mal eine gestohlene Wuchtel on air verbrate, drehen die beiden ihr Autoradio auf. Ich habs nicht anders verdient. Bin dann vor der Bühne gestellt worden. Shame on me *g*
 
 
 
 
 
Zurück
  "Wir unterbrechen den Jimi Tenor aus der Dose", sagt H. zu mir und legt mir Kopfhörer und Mikro vor die triefende Nase. "Sag mir, dass ihr lustigen Techniker mich nur verschaukelts, das Festival is gelaufen", schniefe ich, aber H. entgegnet: "Weiter mit der Liveübertragung. Tocotronic stimmen gerade auf der Bühne ihre Gitarren."

"Herrgott noch mal", oder sowas moderationsähnliches, bringe ich noch hervor, und kann den Kopfhörerakku nicht in die Hosentasche stecken, weil die Hose waschelnass ist, und dann höre ich die Stimme von Dirk von Lowtzow von der Bühne herüber, dass man jetzt wieder da sei. Alles wird in Flammen stehen. Übrigens. In Flammen. In Flammen. In Flammen. Und ich werfe das Mikro in den Übertragungswagen und renne vor zur Bühne.
 
 
 
 
 
  Und man hat nasse Haare, und nasse Socken, und angesoffene Schuhe mit dem doppelten Normalgewicht, und eine geborgte Trainingsjacke an, und das Festivalgelände dampft, und man singt mit, und Dirk sagt: "Gott segne euch" und lacht. Und es passt, wie es nur an einem Tage passen kann, an dem man in der Früh weinend aus einem Traum aufgewacht ist.
 
 
 
 
 
  Zigaretten kann man dann natürlich keine mehr herschnorren.

Das war das Nuke Festival. Gespielt haben ... aber das wissts ihr ja eh ...

Und wenn wir dann nach Hause gehn
Dann wissen wir der Tag war schön.
 
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