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Wien | 12.9.2003 | 21:27 
Innerlichkeiten. Äußerlichkeiten.

HansWu, Pfister

 
 
Zuschauen ist grauslicher als machen
  Ein mäßig spannender Vormittag, ich und mein Freund Microsoft Outlook sitzen arbeitend am Redaktionstisch, und daneben telefoniert Fritz O., weghören schwierig, denn er überrascht sein Telefoniegegenüber mit einer hübschen Mitteilung.
"Das sind diese Irren, die zapfen sich erst einen halben Liter Blut ab, kochen dann Blunzen daraus und essen sie auf."
Oha, denke ich bei mir, das wäre doch was für mich. Erstens ist natürlich das sich schon mal beim Hören des Sachverhalts einstellende "Hmmm! Igitt! Aberdanndoch: Hmmm!" Gefühl im Magen nicht zu vernachlässigen. Nennen wir es mal Faszination.
Das Wort "Verkommenheit", das mich bei der Ankunft auf einem der Zettel, mit denen die monochroms die Wände bepflastert haben, ist natürlich auch nicht ganz sooo daneben. Wer weiß.
 
 
 
 
 
  Und andererseits: Was gibt diese heutige Welt denn aktionstechnisch schon noch her? Du willst mit deiner Freundin und einer Spielzeugpistole auf der Mariahilferstraße erschießen spielen? Du willst Waschpulver in den Hochstrahlbrunnen kippen und das Malheur dann filmen? Tote Krähen ins Tiefkühlfach legen und dann von Autobahnbrücken werfen? Niemals ist dann der Unifreund fern, der "MühlBrusFrohnerNitsch" sagt und dass die das sicher alle schon als 11jährige gemacht haben. Und deine Musikfreunde sagen "Throbbing Gristle" und deine TVFreunde sagen "Jackass". Ach was!
 
 
 
Eignblunzn, sag ich!
  "Wir haben den Raum als Heurigen hergerichtet", sagt Johannes, und tatsächlich. Das sieht ja sehr gemütlich aus. An unserem Tisch sollen wir dann,
die Gaffer ("30% mono-Fans, 30% Kunstfreunde, 30% Perverse." - "Also das übliche.") ignorierend, einen fröhlichen Freundeskreis, 2 Männer und 2 Frauen, beim Konsumieren von grünem Veltliner (ja, es wurde eigens "Blunzenwein" vom Weingut Strohmer besorgt) und dazupassenden Spezialitäten darstellen. "Kannst du was Weißes anziehen?", fragt Johannes, "der Fotograf hätte gerne was Weißes, das kommt besser mit dem Blut, sagt er."
Leider nein, in fact trage ich eigentlich das, was an sauberer Wäsche von der Ars Electronica Berichterstattungsreise noch über ist. Na wurscht.
 
 
 
Speisen, Getränke, Autopoiesis: Alles fein säuberlich aufgelistet, Eigenblunzen gibt es freilich nur "auf Bestellung", und kosten tut sie 3 Euro. Jawoll, bezahlen muss man auch noch. Das verstärkt das theoretische Unterfutter. Die Maggi ist für den Johannes, der Blutwurst eigentlich hasst wie nichts gutes.
 
 
Der Wirt und der "Xö" sind bereit: Bärlauchaufstrich, Liptauer, Extrawurst, Pfefferoni, Gurkerl, Kracherl, Pischingeroblaten ... und das Brot wird schon mal vorsorglich geschnitten.
 
 
Evelyn (monochrom) und JohannesZwo (MQ-artist-in-residence) versuchen, sich ein bisschen Mut anzutrinken, und dann dürfen wir ins anliegende Blutabnahmezimmer. Dort wartet G. auf uns, sie ist Ärztin, und darum an den hippokratischen Eid gebunden, weshalb der Stich an sich auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Darüber bin ich dann doch ein bisschen froh, ist ja schließlich eine relativ intime Angelegenheit. Evelyn verlässt als erste den Raum, um sich durch die Zuschauer (die bei der vorherigen Rechnung noch nicht berücksichtigten 10% sind Fotografen) den Weg zurück zum Tisch zu bahnen. Mit einem Butterfly im Arm, einem Plastikschlauch, der daraus hervorwächst, und einem Achtelglas in der rechten Hand, das eine Bauernbund-Ätzung trägt, und in das der Schlauch führt, auf dass es sich langsam mit Evelyns Blut fülle. Ich bin als letzte dran und mache daher allen anderen die Tür auf. An Evelyns Rücken vorbei sehe ich Hans Wu die Gesichtsfarbe wechseln.
 
 
Eklat! Eklat! Während ich im Hinterzimmerl erst ein Whitehouse Tshirt finde, auf dem ein Text über moderne Künstler schimpft, und dann von Gucki den gewünschten pinken Abbindegürtel ums linke Ärmchen gebunden bekomme, stolpert draußen Johannes mit seinem schon recht vollen Achtelglas. Splatter! Der arme Hans und der ebenfalls anwesende Hermes (mit Bronson-Tribute-Bart) bekommen ziemlich viel ab (hier im Bild ist nur ein kleiner Teil zu sehen). "Das war Absicht!", murren die pervers kunstinteressierten monochrom-Fans in den hinteren Reihen.
 
 
Na und wer kann das alles wieder aufwischen?
 
 
Genug geblutet. Nach einem halben Glas gebe ich w.o., das ist nämlich alles, was ich in einer Viertelstunde zusammengelutet habe, anscheinend ist meine Blutgerinnung zu gut, es tröpfelt einfach nur mehr ganz langsam. Die anderen 3 haben auch schon genug gespendet, und deshalb zieht uns der Wirt den Butterfly raus, und wir drücken uns unter großem Gejammer (denn auf keinen Fall soll die Aktion "zu hart" rüberkommen) eine Serviette auf die Einstichstelle.
 
 
Und dann geht's ab! Zu meiner großen Enttäuschung besteht meine Blutwurst ja nicht bloß aus meinem Blut, sondern auch aus allerlei Tierbröckchen (Zunge, Herz etc.). Ein Mirakel ist allerdings, wie schnell Blut stockt: Der Wirt bekommt es nur mehr mit einer energischen Handbewegung aus dem Glas, nur mehr ein kleiner Teil in der Mitte ist flüssig, der Rand ist schon fest gestockt wie Pudding. Die Geschichte der Blutwurst, ich muss es leider sagen, ist eine Geschichte voller Missverständnisse.
 
 
"Merkst du schon den Blutverlust?", will der JohannesZwo wissen, ihm sei ein wenig schwindelig. Ich verneine - von 100 Mililiter? Geht das überhaupt? Ich stocke mit einem Schluck Keli die verlorene Flüssigkeit wieder auf, unterdessen wird das Eignblunzn-Brät in Plastikdärme abgefüllt.
 
 
21.30 Uhr: Der zweite Liveeinstieg für die Homebase ist fällig. "Was?!? Du kaust schon?!?" kann es Chef vom Dienst Andreas Schindler nicht fassen, dabei überbrücke ich die Zeit ganz harmlos mit einem Bärlauchaufstrichbrot. Dann werde ich zu Heinz Reich geschalten, der hörbar grün um die Nase ist.
 
 
Fies, was? Kurz vor 22 Uhr ist das Werk (inkl. Krenreißen) endlich vollbracht.
 
 
Und lecker war's! Wirklich! Eigentlich hatte ich ja angenommen, da wäre ein geschmacklicher Unterschied zu bemerken, aber mitnichten.
 
 
Na bitte, geht doch. Auch die anderen spachteln mehr oder weniger hungrig und stoßen auf ihren Mut an. Wenn ich mir das Foto hier so ansehe, hat sich das letzte Jahr, das ich mit dem Rauswachsenlassen meiner Blondierung verbracht habe, gelohnt. Zwei Haarfarben zum Preis von einer. Die Überlegung wird von rechts von einem Trinklied unterbrochen. "Es wird a Blunzn sein, und mir werdn nimmer sein ..."
 
 
 
 
Ein guter Heuriger ist einer, wo die Portionen so groß sind, dass man sie nicht aufessen kann. "Das Versteigern wir auf eBay," sagt JohannesZwo.
 
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