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Wien | 5.12.2006 | 20:12 
Innerlichkeiten. Äußerlichkeiten.

HansWu, Pfister

 
 
Street Harassment Konferenz
  Vordergründig sind es aufdringliche Typen, die dich auf der Strasse blöd anreden. In Wirklichkeit geht es bei dieser Form der Belästigung um Macht.

Am 6. und 7. Dezember gibt es bei der Street Harassment Konferenz in Wien zwei Tage lang Workshops und Vorträge zum Thema. Mareike Korn, eine der Organisatorinnen war heute in Connected zu Gast und hat mit Claudia Unterweger gesprochen.
 
 
 
Was fällt unter Street Harassment?
  CU: Ich bin als Frau/als Mädchen unterwegs, im öffentlichen Raum und plötzlich grinst mich ein Typ, den ich noch nie gesehen habe, anzüglich an oder macht irgendeinen Kommentar. Ist das schon street harassment?

MK: Ja, bei street harassment kann es auch ein um einen körperlichen Übergriff handeln, aber hauptsächlich läuft es viel mehr auf einer psychischen Ebene ab. Das passiert einem oft mehrmals täglich. Ich würde das anzügliche Angrinsen als Belästigung oder street harassment einstufen - dass du dich nicht unbeobachtet fühlst, dass du nicht deine Ruhe hast, egal wo du bist, irgendjemand starrt dich an, versucht deinen Raum, den du um dich rum hast, zu betreten. Mit Blicken, mit Worten, mit Gesten.

Man geht weiter, aber man hat ein schlechtes Gefühl. War da jetzt was? Ja, da war was. Ist man zickig, wenn man was dagegen hat? Sieh's doch als Kompliment, sagen ja dann manche.

Als ich ganz jung war, so 13, 14 dachte ich auch, dass seien Komplimente. Du wirst ja als Frau auch hauptsächlich so sozialisiert, dass du durch dein Äußeres wahrgenommen wirst und dass du als Person gewertet wirst, ob du jetzt einem bestimmten Schönheitsideal entsprichst (das ja auch nur eine Konstruktion ist). Ich dachte also immer, das sind Komplimente. Es wird dir hinterhergepfiffen, du wirst wahrgenommen im öffentlichen Raum, und du gehst durch ... - denkste! Alleine welche Hierachien hier schon mitspielen. Als ob Männer die Richter wären über Frauen, die an ihnen vorbeilaufen.
 
 
 
Es ist kein Kompliment
  Klassische Situation: Du läufst an einer Gruppe Typen vorbei, und sie machen Kommentare. Das ist ja schon eine krasse Hierarchie. Sie beurteilen dich. Wichtig ist auch, dass das nicht nur Frauen passiert, sondern auch Männern, wenn sie aus bestimmten Männlichkeitsidealen herausfallen, der ganz besonders dünne Typ oder androgyn Wirkende... Hier gibt es Verstrickungen zwischen Sexismen, Rassismen und Homophobie und jeglicher Form von Unterdrückung, die sich dann eben im öffentlichen Raum manifestieren.
Es ist kein Kompliment, weil es nicht um einen selbst als Menschen geht.

 
 
  Sondern, worum geht es wirklich?

Kontrolle im öffentlichen Raum, die Hierachie und das Zeigen von "Wir können dich bewerten". Frauen eindämmen in ihren Bewegungen, in ihrem Handeln, plötzlich denkt man darüber nach, ob man den kurzen Rock anzieht oder nicht, man sieht auf der Straße eine Gruppe Männer und wechselt die Straßenseite. Das ist eine krasse Gewalt, die da auch auf der subtilen Ebene ausgeübt wird, dass wir als Frauen - oder eben die oben angesprochenen Männer - solche Vorstellungen internalisiert haben, zu wissen, das ist eigentlich ein Spießrutenlauf, den wir da draußen absolvieren.

Aber die Vorstellung ist so normalisiert, die Vorstellung, dass es wieder passieren wird, dass du es oft auch gar nicht mehr wahrnimmst, weil es so oft und dauernd passiert oder auch, was Strategien dagegen betrifft, dass einem die Kraft oft auch schon fehlt, um zu sagen, "Jetzt reagier ich auf den fünften Typen heute".

Sobald man reagiert, schlägt es ja sofort um, in Beleidigung und Agression.
Also was ist das dann wirklich?
Soll man nicht zurücksprechen als Frau? Das ist latente Agression, die unter der Oberfläche vor sich hinschwelt.

 
 
 
Frau, bleib daheim!
  CU: Was kann ich denn gegen diese Form der Belästigung im öffentlichen Raum tun?

In diesen Debatten um Gewalt gegen Frauen schwingt in manchen Medien der Grundtenor mit von "Frau! Geh nicht raus! Weil du weisst, dir passiert draußen was!"

Und dieser Mythos "Angstraum=öffentlicher Raum" ist eine patriachaliche Konstruktion. Damit man als Frau lieber im privaten Raum bleibt. Du kannst dich nicht bewegen ohne angestarrt zu werden, du kannst nicht irgendwo hingehen, ohne dass jemand Schnalzgeräusche macht, als wollte er seinen Dackel rufen, wir kennen das alle.
Egal mit welchen Freundinnen ich spreche, wir kennen es alle. Die Alltäglichkeit alleine macht schon die Gewalt aus. Eine Form von Übergriff, der sich so normalisiert hat, dass wir es internalisiert haben, dass es "ok" ist.
 
 
 
Wir kennen es alle.
  Was ist die wichtigste Mesage der street harassment-Konferenz?

Den Begriff zu einem Begriff machen! Dass klar ist: Das ist ein Problem. Diese Vorstellung, dass das Alltag und ok ist, muss durchbrochen werden. Das unbehagliche Bauchgefühl trügt nicht, es ist kein Kompliment. Dieses "Ihr müsst euch ja glücklich schätzen, wenn euch Männer anglotzen", das muss durchbrochen werden.
Und es ist wichtig, sich zu solidarisieren. Schön wäre es, wenn ich in einer Bar bin und jemand macht mich blöd an, daß ich mich umschauen kann und sehe da plötzlich ein paar Frauen sitzen, die checken worum's geht und sind schon wachsam.

 
 
  Vorträge, Filme und Wehr-Dich-Workshops
Street Harassment - Machstrukturen im öffentlichen Raum
6. und 7. Dezember in Wien
Eintritt frei!

Programm und genaue Infos gibt es hier als pdf.
 
 
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