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Wien | 3.4.2006 | 13:25 
Videospiel-Kultur, essenzielle Elektronik und famoses Allerlei.

Burstup, Gerlinde, Grenzfurthner

 
 
Rock'n'Roll Extravaganza
  Ich bin im Grunde weder Pete Doherty-Fan noch aktiver Verfolger seiner Musik. Nach dem Hören des FM4 Interviews, bei dem durch all die physische und psychische Angeschlagenheit Charme und Gewitztheit durchgeklungen ist, war ich aber doch neugierig geworden ...
 
 
 
Queuing up, not showing up
  Begonnen hat alles so, wie erwartet: Eine lange Schlange vorm Flex in Wien, eine Halle, die sich immer mehr füllt und - klar - die Verspätung. Pete stecke in Guntramsdorf fest, eine dreiviertel Stunde würde es wohl noch dauern, teilt uns jemand von der Bühne mit - in ein Mikro sprechend, das nicht eingeschalten ist.

Die Menge wird etwas mürrisch, doch von Ungeduld keine Spur. Pete ist am Donnerstag angekommen, hat am Freitag und Samstag in Graz gespielt und heute, da wird er auch kommen.
 
 
 
 
 
  Früher als erhofft, um halb zwölf: Herr Peter betritt mit schnellem Schritt und wachem Blick die Bühne. "Does anyone have a cigarette for Pete?" fragt der Schelm nach ein paar Wellen Jubelbekundung aus dem Publikum. Schon fliegen ihm die Zigaretten entgegen. Er hält den Hut auf. "Win a special prize!". Nach ein bisschen Aufsammeln dann der Deal: "Five cigarettes, five songs!"
 
 
 
 
 
  Schon vom ersten Gitarrenschlag an ist alles in sich so stimmig, dass dieses typische "Ich muss erst in die Konzertstimmung reinfinden"-Gefühl völlig weggeblasen ist. Dohertys Bühnenpräsenz, sein Gesang und das Gitarrenspiel verschmelzen zu einer Einheit, zu wesentlich mehr als die Summe der einzelnen Teile, weil die für sich nicht mehr wahrnehmbar sind.

Die Libertines- und Babyshambles-Songs werden in Medley-Manier gespielt, die Gitarre kommt nie zum Stillstand und trotzdem bleibt immer genug Luft, um zu jubeln und ihm zuzurufen. Pete geht ruhig auf und ab, wechselt ab zwischen dem Versinken in seine Musik und dem interessierten Beobachten des Publikums.
 
 
 
 
 
"Say: Pi-tha Do-ha-ti!"
  Die five songs sind viel schneller vorbei als gewünscht und schon ist Doherty wieder von der Bühne verschwunden. Das wirds wohl gewesen sein, sagen die Eingefleischten, doch der Mann hat die Rechnung ohne das Publikum und seinem Kumpel General Santana gemacht. Der schnappt sich nun das Mikro und peitscht das Publikum für die erste Zugabe an. "Say Pi-tha Do-ha-ti!" - wer lässt sich das zweimal sagen?

Zwei Minuten später steht Doherty wieder auf der Bühne und es geht kurz weiter. Wenige Zeit später das selbe Spiel wieder und wieder. Die Ekstase im Publikum wächst, die Securitys setzen ihre bösesten Blicke auf und halten die Menge von der Bühne fern. Eine blonde Dame in der Mitte lässt sich dennoch seelenruhig auf die Bühne hieven, steht kurz freudig nebem dem Pete, der sie kurzerhand backstage begleitet.
 
 
 
 
 
"Say hello to a special friend of mine!"
  Mittlerweile ist es halb eins und eine Gitarrensaite gerissen. "Have we enough strings to keep it together?"

Per SMS erfahre ich, dass das Adam Green Konzert im Gasometer vorbei ist. Kein Wunder also, dass dieser plötzlich im Flex gemütlich auf die Bühne spaziert. "I brought a very special friend of mine!"
 
 
 
 
 
  Das Publikum drängt immer mehr, die Tatsache, dass hier alles einfach passiert wie es passiert, lässt keine Vermutungen zu, was im nächsten Moment stattfinden könnte. Nach der kurzem Duo-Einlage mit Adam Green und später mit einem weiteren Fan wirft Doherty seine Akustik-Gitarre ins Publikum. Raufen und Rangeln, bald darauf liegt sie zerdeppert wieder vorne, um kurze Zeit später von einem testosteronschwangeren Bühnenstürmer endgültig zerstört zu werden.

Pete kommt und geht, ist geschmeichelt von einem Publikum, dass so gar keine Anzeichen macht, heimgehen zu wollen. "What shall we do with the drunken sailor?" - ein Songwunsch, er wird gerne erfüllt. Zettel, Hüte und Jacken werden bereitwillig signiert, ja, aber jetzt ist es wirklich Zeit zu gehen. Per Gericht sind diverse Verpflichtungen zu erfüllen, er will den Flieger nicht verpassen.
 
 
 
 
 
 
 
  Nach dem Konzert ist Doherty, unter steter Begleitung seines treuen Freundes General Santana noch ein wenig am Ring herummarschiert und hat Autogramme gegeben. Und irgendwie wirkt es so, als ob mit ihm alles gut werden könnte.
 
 
 
 
 
  Alle Fotos: Stephan Brückler
Vielen Dank dafür!
 
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